Übersehen … oder Absicht? Rücksichtnahme am Arsch!

Die Polizei schreibt immer von “übersehen”. Auch die Dame im Video sagte, sie hätte mich nicht gesehen. Ich halte das für eine glatte Lüge. Meine Leuchte am Rad hat ca. 70 Lux und ist auch am Tag eingeschaltet. Zudem trage ich bei dieser Witterung eine hellblaue (fast grelle) Wind-/Regenjacke und bin zudem nicht besonders klein. Außerdem kann man sehr schön sehen, wie die Frau die Einfahrt in die Straße schön eng “schneidet”, damit sie auch ja noch vor mir her kommt. “Übersehen” wurde da gar nichts, das war womöglich eher ganz bewusst so.


Knapp 250 Meter weiter vorne ist der Herr im Bild unten mit seinem Audi vor mir her gezogen. Das sieht ganz OK aus, aber das Stück der Eidinghausener Straße ist recht abschüssig und wenn ich dort mit ca. 25 km/h fahre, dann sind die nicht ganz 10 Meter Abstand schon eng.

Das sieht deutlich komfortabler aus, als es tatsächlich war.

Hier ist übrigens auch Alex im letzten Jahr von einem ignoranten Autofahrer die Vorfahrt genommen worden und sie ist im Krankenhaus gelandet. Aber bei mir “ist ja nichts passiert” … gegenseitige Rücksichtnahme am Arsch, liebe Polizei. Das Video und das Videocapture sind entstanden, als ich zu einem Ortstermin am Else-Werre-Radweg gefahren bin.

Auf dem Weg nach Hause ca. eine halbe Stunde vorher war es nicht besser! Das ist tägliches Erleben, welches ich laut Polizei und ADAC durch einem Helm und eine Wahnweste in den Griff kriegen könnte!

Vorfahrt genommen auf der Kaiserstraße.

Der oder die Fahrer/in dieses BMW war offensichtlich der Meinung, dass rechts vor links nur unter KFZ-Fahrenden gilt. Für Fahrradfahrer muss nicht angehalten werden. Kein Einzelfall. War sich der Situation übrigens sehr bewusst und hat noch mal ordentlich Gas gegeben, damit es auch wirklich noch vor mir her passt.

Fahrradfurt der Breitenbachstraße

Dreimal abbiegen weiter stand dieser Herr quer vor mir auf der Fahrradfurt der Breitenbachstraße. Ich konnte ihn dort bereits warten sehen, als ich gerade aus der Bahnunterführung heraus kam. Und ja, ich sehe ein dass er nicht zurück konnte, da direkt hinter ihm der nächste Wartende stand. Also habe ich eben auch vor ihm gewartet. Fand er nicht lustig. Aber was soll ich machen. Wer ist eigentlich damit gemeint, wenn ADAC, Polizei oder die Deutsche Verkehrswacht oder die Automobilhersteller von gegenseitiger Rücksichtnahme faseln?

Vor sieben Jahren äußerte sich das Ordnungsamt der Stadt zu exakt dieser Furt wie folgt in der örtlichen Lokalpresse:
Außerdem ist es an der Einmündung Breitenbachstraße zu zahlreichen Unfällen gekommen. Durch die Benutzungspflicht zwingen wir Radfahrer an der Einmündung zu halten und den Autoverkehr durch zu lassen. Damit verringern wir die Unfallgefahr für Radfahrer sowie die Unfallbeteiligung von Radfahrern an der ohnehin gefährlichen Einmündung Wir zwingen den vorfahrtberechtigten Radverkehr zu seiner eigenen Sicherheit zum Anhalten! Ich habe den Eindruck, wir machen große Schritte nach vorne in Bad Oeynhausen.

Drei Querstraßen weiter habe ich ebenfalls angehalten, weil der Fahrer eines KFZ den §1 StVO verinnerlicht hatte und ganz viel Rücksicht nahm.

Max-Reger-Straße

Auch dieser Mann stand dort schon Ewigkeiten und konnte mich von ganz weit hinten kommen sehen. Er hatte auch kein Fahrzeug hinter sich und hätte die von mir als Fahrradfahrer oft eingeforderte Rücksichtnahme ganz wunderbar zeigen können. Hat er aber nicht.

Alle Bilder sind an einem einzigen Tag entstanden auf einer Fahrtstrecke von nicht einmal sechs Kilometern Länge. Ich kann einfach nicht glauben, dass alle rücksichtslosen Autofahrer nur darauf warten, dass ich an einer Kreuzung ankomme und zufällig die Kamera montiert habe. Daher muss man leider davon ausgehen, dass es vielleicht doch der Normalfall ist, gegen den die Polizei genau gar nichts zu tun bereit ist. Ich habe in keinem der gezeigten Fälle gehupt oder den Mund überhaupt aufgemacht. Was Rücksichtnahme ist und wie man sie ausübt, weiß ich genau. Das muss mir und den meisten anderen Fahrradfahrenden echt niemand mehr sagen, wir machen das tagtäglich ständig. Sonst würden noch viel, viel mehr Menschen tot oder verletzt sein.

Mir geht dieses verniedlichende Gelaber von gegenseitiger Rücksichtnahme, Helm aufsetzen und Weste anziehen so derartig auf den Geist, weil es wirklich komplett an der Realität vorbei geht und niemandem hilft. Wirklich überhaupt gar nicht. Es ist zum aus der Haut fahren.

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4 Kommentare zu “Übersehen … oder Absicht? Rücksichtnahme am Arsch!
  1. DS-pektiven sagt:

    tl;dr: Radwege sind gefährliche Scheiße!

    “Gegenseitige Rücksichtnahme” im Straßenverkehr klingt für mich immer wie “freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft”. Da denke ich mir auch immer: Am Arsch die Waldfee…!

    Daran wird sich aber leider auch auf viele Jahre hin nix grundlegendes ändern. Die Böcke (Autofahrer) wurden zu Gärtnern (Ordnungsämtler und Polizisten) gemacht. Den Rest besorgt die neoliberale Entsolidarisierung dieser Ungesellschaft.

  2. Fuseboroto sagt:

    Passiert mir auch öfter auf dem Rad. Übersehen ist natürlich ne Schutzbehauptung, wer will schon zugeben, dass man sich absichtlich falsch verhalten hat. Aus Eigenschutz bin ich immer bremsbereit.

  3. Martin sagt:

    Tröste Dich, solche Sachen passieren auch Autofahrern mit Kleinwagen. Gerade bevor die Nordumgehung noch nicht frei gegeben war konnte man dieses Verhalten sehr schön auf der Mindener Straße beobachten.
    Ich vermute, es liegt an der Mentalität der Menschen, egal welcher Nationalität. Der Umgangston auf den Straßen wird rauher und es gilt das Gesetz des Stärkeren. Der SUV schneidet den Kleinwagen, der LKW blockiert Alle und jeder parkt auf Behindertenparkplätzen. Schilder und Ampeln haben nur noch Richtwertcharakter, kann man machen, muss an aber nicht!
    Da würde scheinbar nur vermehrte Kontrollen und schärfere strafen helfen
    Am WE wurde bsp.weise die komplette Königstraße im Bereich der neuen Kletterhalle zu geparkt, obwohl dort absolutes Halteverbot herrscht.
    Interessiert niemanden!
    Als Radfahrer bin ich da schon gezwungen für alle mit zu denken wenn mir mein Leben lieb ist.
    Dass die Behörden diesen Irrsinn durch entsprechende Statements auch noch fördren ist ein echtes Armutszeugnis.
    Darum Hut ab, wenn ich sehe, wie schnell Du die Eidinghausener Straße hinunter radelst und heute in der Zeitung sogar nebeneinander her auf einer Landstraße fährst. ;o)
    Beste Grüße
    Martin

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