Stadtradeln 2024

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Pfingstmontag ist das diesjährige Stadtradeln gestartet. Organisiert wird es inzwischen zum zweiten oder dritten Mal vom Kreis. Habe gehört, das sei günstiger. Natürlich muss sich dann bei uns in der Verwaltung auch weniger damit beschäftigt werden. Im letzten Jahr war es schon eine traurige Veranstaltung ohne “richtiges” Ende. Ich hatte das in 2018 schon einmal als “Jux-Veranstaltung” bezeichnet. In einer Umfrage, deren Antworten augenscheinlich auch der Verwaltung zugeleitet wurden. Das fand die damalige Radverkehrsbeauftragte so unlustig, dass sie es mehrfach in ihrer Rede zur Abschlussveranstaltung auf der Innenstadtfete erwähnte. Damals wurde sowas noch mit einer Siegerehrung beendet! An der ähnlichen Aktion “Mit dem Rad zur Arbeit” nehme ich u.a. wegen der lächerlich wenigen Tage in einem ziemlich langen Zeitraum schon nicht mehr Teil. Auch wenn wir da mal den ersten Preis gewonnen haben.

Wie dem auch sei, am Montag bin ich natürlich sofort angefangen und habe eine Runde gedreht. Weil ich schon seit Monaten ständig müde und irgendwie groggy bin, waren die 50 Kilometer ziemlich anstrengend. Am Tag danach ging es besser. Und ins Büro fahre ich sowieso mit dem Fahrrad. Allerdings habe ich mir in den Vorjahren schon immer ein bisschen Stress gemacht, weil ich ein bisschen ehrgeizig bin und natürlich möglichst viel fahren will. In den Vorjahren reichte es aber schon lange nicht mehr für den ersten oder zweiten Platz, weil andere noch weiter fahren und fitter sind. Das ist auch OK so. Trotzdem bin ich ehrgeizig und will viel fahren. Und wenn das nicht klappt, bin ich schlecht gelaunt. Weil ich nicht fahren kann, nicht weil ich nicht erster bin. Und das ist eigentlich völlig am Thema des Stadtradelns vorbei!

Was ist Stadtradeln?
[…] STADTRADELN ist ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, 21 Tage lang möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückzulegen. Dabei ist es egal, ob du bereits jeden Tag fährst oder bisher eher selten mit dem Rad unterwegs bist. Jeder Kilometer zählt – erst recht wenn du ihn sonst mit dem Auto zurückgelegt hättest. […]

Es geht nicht darum, wer in der Freizeit die meisten Kilometer auf einem Flussradweg zurücklegt. Wir sollen das Auto stehen lassen! Niemand (naja, die allermeisten) fährt mit dem Auto in der Freizeit aus Spaß auf dem Weserradweg. Und ich hätte mich auch Pfingstmontag nicht ins Auto gesetzt und wäre 50 Kilometer durch die Gegend gefahren! Und den Rest fahre ich schon immer sehr viel mit dem Fahrrad.

[…] Um auf die Bedürfnisse der Radfahrenden aufmerksam zu machen, richtet sich das STADTRADELN auch an die Kommunalpolitiker*innen. Sie sind die Entscheidungsträger*innen, wenn es um die Radinfrastruktur und damit praktischen Klimaschutz vor Ort geht. […]

Auch der politische Aspekt kommt – zumindest hier bei uns – viel zu kurz. Von 55 Stadtratsmitgliedern sind Stand 23.05.2024 genau fünf seit Montag mit dem Fahrrad gefahren und haben ihre Kilometer beim Stadtradeln eingetragen. Alle fünf sind Mitglieder der Fraktion der GRÜNEN in Bad Oeynhausen. Kein Wunder, wenn die Aktion überhaupt keine Auswirkungen in Bad Oeynhausen hat. Es ist eine Beschäftigungsmaßnahme und ein Feigenblatt. Natürlich machen immer mehr Menschen mit. Aber es wird als Wettbewerb untereinander gesehen. Wer fährt am meisten. Ich bekomme ja durchaus auch was aus anderen Teams mit.

Der tatsächlich radverkehrspolitische Teil des Stadtradeln findet meiner Erfahrung nach nicht statt. Nicht bei uns. Und weil ich jetzt ca. ein Vierteljahrhundert “Fahrradaktivist” bin und mich um Verbesserungen für den Alltagsradverkehr einsetze, nervt mich diese homöopathische Vorankommen sehr. Um meine Nerven zu schonen werde ich also nicht mehr extra weite Strecken fahren. Ob ich überhaupt noch was eintrage muss ich mir noch überlegen.

Es ist eh sinnlos.

Über

Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

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