Schlaglochtour

Sonnenschein, nur wenige Wolken, die Frau aus dem Haus. Da habe ich mir den Nachwuchs geschnappt, ihn auf’s Rad gesetzt und wir sind ein bisschen die Straßen abgefahren, um mal nach entspannten Stellen zum Radeln zu suchen. Im Ernst, ein bisschen Üben kann nicht schaden, wenn er irgendwann mal alleine mit dem Rad zur Schule soll. Und das geht nunmal nur im Straßenverkehr und nicht auf beschaulichen Wegen abseits des realen Weltgeschehens. Bei der Gelegenheit hatte ich auch die Kamera dabei, um mal wieder zu dokumentieren, was alles im Argen ist. Suchen muss man da leider nicht. Ich bin auch Leuten auf den Radwegen begegnet, die genau meiner Meinung waren und ebenfalls nicht verstanden, warum da so wenig passiert.

Geht schon im Dörgen los. Kinder bis 10 Jahre müssen bzw. dürfen mit dem Fahrrad den Gehweg benutzen. Auch wenn der nicht für Radfahrer frei gegeben ist. Nun, im Dörgen ist ein Gehweg, aber wie kommt man da als Rad- oder gar Rollstuhlfahrer rauf und runter? Müssen muss man es u.U. … Fahren soll man da also nicht, oder was?

100 Meter weiter queren die Schüler die Eidinghausener Straße. Und wie ist wohl der Bordstein zum Leingarten an dieser Einmündung gestaltet? Ich habe diese Kante nach einer Renovierung schon mal entschärfen lassen, die war – unglaublich, oder? – noch höher! Ist immer noch Mist! Das knallt im Lenker kann ich euch sagen. Nachdem ich am Freitag auf der Jahreshauptversammlung des ADFC Minden-Lübbecke war und diese Dinge dort wieder einmal Thema waren, überlege ich, die Verwaltung auf diese Stelle noch einmal hinzuweisen.

Ein Stück höher auf der Eidinghausener Straße blieb mir dann aber die Spucke weg. Die Lieblings-Bake ist selbiges: weg! Das muss daran liegen, dass Straßen-NRW mir mit Schreiben vom 25.03.2011 mittteilen ließ: … Die Überprüfung vor Ort hat ergeben, dass der angesprochene Radweg sich in einem vergleichsweise befriedigenden Gesamtzustand befindet. Im Bereich einer besonders schadhaften Stelle auf der östlichen Seite wurde aus Verkehrssicherheitsgründen eine Warnbake aufgestellt.
… Bei der Vielzahl an gravierenden Decken- und Winterschäden im Landesstraßennetz und den gleichzeitig seit Jahren stark begrenzten Haushaltsmittel ist eine grundlegende bzw. punktuelle Verbesserung der Oberfläche des Radweges leider mittelfristig nicht möglich.
Na, und genau das ist auch eingetreten. Es wurde nichts gemacht. Alles ist an der Stelle wie seit Jahren. Nur die Bake ist weg. Warum sind jetzt keine Verkehrssicherheitsgründe mehr gegeben? Ich frage Straßen-NRW mal …

Tim und ich sind dann durch den Kreisel gefahren – wie gesagt, er soll ein bisschen üben – und dann auf der anderen Seite die Eidinghausener wieder runter. Ich habe auf dem Stück einige Bilder von abgesenkten Kantsteinen und Höhenunterschieden gemacht. Das ist mir zu müssig, jedes Bild im Detail hier zu beschreiben. Schlimm.

Allerdings ist die Einmündung der Buschwiese unterhalb der Jet-Tankstelle eine Erwähnung wert. Die muss tatsächlich mal so krass gewesen sein, dass dort ein paar Leute mit Meisseln den gröbsten Mist entfernt haben. Sieht man ja auch noch. Ist aber immer noch nicht gut – gar nicht! Ich weiß auch nicht, was sich diejenigen, die sowas bauen und abnehmen dabei denken. Die Kante in Richtung Tankstelle sieht genauso aus.

Die gewaltigste Kante findet sich aber schräg gegenüber an der Einmündung der Werrestraße in die Eidinghausener. Klopper, oder? Hier stehen regelmäßig die Autos bis ganz vorne an die Straße. Wenn man dann mit dem Fahrrad da lang kommt, kann man nur anhalten. Vor dem Auto herzirkeln kann zu bösen stürzen führen, weil dort dann ja keine Auffahrt, sondern ein fetter Bordstein auf den Radler wartet. Entspanntes Radeln hier, oder?

Zwischen der Werster Straße und der Steinstraße habe ich dann tatsächlich keine Bilder gemacht. Da ist auch vieles im Argen, aber noch eine Wurzel und noch eine Kante festhalten? Ich wollte auch mal wo ankommen.

Dann aber der benutzungspflichtige Radweg an der Steinstraße. Links parken die Autos, rechts ist eine Hofausfahrt nach der anderen. Und mein Fahrrad ist von Außenkante Vorderrad bis Außenkante Hinterrad exakt 172 Zentimeter lang. Nur mal um die Größe des Weges zu verdeutlichen. Die ERA schreibt unter Punkt 3.6 “Gemeinsame Führung mit dem Fußgängerverkehr” Für die gemeinsame Führung von Fußgänger- und Radverkehr gelten folgende Ausschlusskriterien: [u.a.]
– dichte Folge von unmittelbar an Gehwege mit Mindestbreiten angrenzende Hauseingänge
– zahlreiche untergeordnete Knotenpunkts- und Grundstückszufahrten bei beengten Verhältnissen
Achso, bei unter 2,50 Meter Wegebreite ist die Gehwegbenutzung durch Radverkehr laut ERA auszuschließen! Man schaue sich das Bild oben an.

Die Steinstraße ist aber noch nicht zu Ende. Gegenüber der Einmündung Bessinger Straße wird aktuell ein Haus abgerissen/umgebaut. Der Bauzaun ist großzügig auf städtischem Gelände – und somit dem Gehweg – aufgebaut.

Natürlich ist er nicht gesichert fachmännisch mit einem Flatterband abgesichert und natürlich geht dadurch Fläche für den Fußgänger- und Radverkehr verloren.

Ein paar Dutzend Meter weiter, hinter der Tankstelle dann eine Sache die ich noch nie verstanden habe:

Warum sind da Pfosten mitten im Radweg? Was sollen die verhindern? Zusätzlich noch schick ein Baustellenschild auf den Gehweg stellen, stört ja keinen. Geht aber noch besser. 5 Meter weiter:

Seit kurzem haben wir an der Einmündung Steinstraße und Weserstraße einen Kreisel. Die Beschilderung wurde sehr radfahrerfreundlich eingebaut. Mitten in den Weg gestellt. Ganz ehrlich liebe Leute, das geht auch anders wenn man nur ein ganz klein wenig den Kopf benutzt. Ist nicht schlimm.

Wir sind dann “links abgebogen” und der Weserstraße Richtung WEZ gefolgt. Der Gehweg ist dort nicht für Radfahrer benutzungspflichtig ausgeschildert. Jedenfalls nicht durchgängig. Warum das so ist, weiß ich nicht. Ob es mangelnde Sachkenntnis, Bequemlichkeit oder Absicht ist, ist anhand der Verkehrsbelastung und -situation nicht nachzuvollziehen. Ich habe ein paar Bilder davon im Picasa-Album eingestellt. Und natürlich ist das alles hier nicht das erste Mal, dass ich es erwähne.

Beispielhaft hier ein Bild, wie man sich hier in der Stadt eine ordnungsgemäße Baustellenbeschilderung vorstellt. Das Ordnungsamt hat mir dazu übrigens mitgeteilt, dass Unabhängig davon, ob die Beschilderung im Fahrbahn- oder im Gehwegbereich aufgestellt wird, stellt sie in jedem Fall eine Verkehrsbeeinträchtigung dar, auf die sich alle Verkehrsteilnehmer einzustellen haben. Ich übersetze das für mich mit: “Wenn da was steht, dann pass halt auf.” Das kann es ja nun wirklich nicht sein.

Weiter ging es am WEZ vorbei zum neuen “Bürgerradweg” an der Weserstraße, hatte ich ja letztlich schon.

Ich wollte noch die Breite nachreichen. Wie gesagt, von Außenkante zu Außenkante der Reifen ist mein Rad 172 Zentimeter lang. Der Weg wird also exakt 2 Meter breit sein. Dazu schreibt die ERA unter 3.5, dass das Regelmaß eines beidseitigen Radwegs bei einseitiger Führung (auf der anderen Straßenseite ist nix) 3 Meter beträgt. Da ist übrigens der Teil für die Fußgänger noch nicht mit drin. Das was da gebaut und beschildert ist, ist also nicht zulässig. Ich habe das der Verwaltung bereits am 19.03.2012 per Mail mitgeteilt und darauf noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung erhalten.

Zurück sind wir ein bisschen am Gymnasium vorbei und haben dann erfolgreich den Flohmarkt an der Druckerei besucht. Tim konnte ein günstiges Lego-Modell abstauben, bei dem wir sogar noch etwas runter gehandelt haben. Prima.

Achja, wenn da was rumliegt, dann muss man halt aufpassen! Das muss so sein.

Nach etwas über drei Stunden waren wir wieder zu Hause … und mussten uns erstmal aufwärmen. Doch noch ziemlich kalt!

10,7 Km/h | 10,1 Km/h Schnitt | 26,8 Km/h max. | 60 Höhenmeter

6 Kommentare zu “Schlaglochtour
  1. Lars sagt:

    Die Pfosten auf dem Rad-/Gehweg an der Steinstraße zur Weserstraße sind einfach erklärt (wobei ich glaube, daß Du das schon weißt – aber für andere Leser):

    Bis »vor kurzem« gab es dort keinen Kreisverkehr. Wer von der Steinstraße auf die Weserstraße nach links oder rechts abbiegen wollte, mußte sich auf nur einer Spur einordnen. Das Linksabbiegen funktionierte aufgrund recht hohen Verkehrsaufkommens auf der Weserstraße und relativ schlechter Übersichtlichkeit sehr viel langsamer als das Rechtsabbiegen.

    Das führte dazu, daß die Rechtsabbieger mit einem Teil ihres Kraftfahrzeugs über den Geh-/Radweg fuhren, um besser rechts an den Linksabbiegern vorbeizukommen um schneller nach rechts in die Weserstraße abbiegen zu können. Deshalb wurden die Pfosten dort angebracht.

    Seitdem der Kreisverkehr dort ist, sind sie aber offensichtlich überflüssig.

  2. Andreas sagt:

    Woher Du wohl wusstest, dass ich weiß warum die Pfosten früher dort standen? ;-) Tatsächlich sind sie aber seit dem Kreisel überflüssig wie ein Kropf und gefährlich. Dass sie dort noch stehen ist nur ein weiteres Indiz für Gleichgültigkeit.

  3. Chrischaaan sagt:

    Wo ich die Bilder der Weserstraße sehe: Die Lokalpresse hat doch berichtet, dass vor (!) Weihnachten die Freigabe für KFZ erfolgen soll. Ich habe den Eindruck, dass die Arbeiten seit Monaten stehen. Was fehlt(swoeit ich das beurteilen kann), sind die Fahrbahnmarkierungen. Statt diese anzubringen, wird der Verkehr (darf man da nun eigentlich offiziell fahren, oder nicht?) durch Absperrungen und Baumaschinen behindert äh entschleunigt. Hat die ausführende Firma keine Terminzusagen gegeben? Lässt Straße NRW alles mit sich machen?

  4. Ulrich sagt:

    Ein Punkt an dem man auf jedenfall mal bei der Stadtverwaltung ansetzen könnte, ist der Bauzaun auf dem Gehweg. Der gehört da bestimmt nicht hin, da es dafür vermutlich keine verkehrsrechtliche Anordung (wieder mal) gibt. Die Bauarbeiter waren wahrscheinlich nur zu faul, ihn zwischen Jägerzaun und Bäume zu quälen und auf dem privaten Grundstück aufzustellen. Eine Absicherung mit Baken wäre das mindeste, so wie er da jetzt steht. Wenn da ein Radfahrer im Dunkeln mit dem Lenker hängenbleibt…Prost Mahlzeit.

  5. Vahle sagt:

    Naja Die ERA ist ja auch nur eine Empfehlung und keine Vorschrift oder Richtlinie!;)Solche Empfehlungen oder Merkblätter sind ja nicht zwingend anzuwenden! Ich persönlich finde manche Einträge hier sehr lustig zu lesen!;)Ich kann verstehen das viele Bautechnische Gegebenheiten nicht dem Verstand des Fahrradfahrers entspricht! Nur man sollte bevor man sich zu weit aus dem Fenster lehnt etwas von Straßenplanung bzw. in den geltenden Vorschriften oder Richtlinien auskennen! Viele Gehwegbreiten oder Gehradwegbreiten können gar nicht auf das Regelmaß ausgebaut werden da die seitliche Bebauung dies nicht hergibt! Sonst müsste man dem Anwohner auffordern etwas von seinen Grundstück abzugeben, was relativ schwierig werden dürfte!;) Und bei der Fahrstreifengrundbreite darf man nichts einsparen! Also ist es bei beengten Platzverhältnissen anzugleichen! Fakto: wo nichts ist kann nichts entstehen! Im Innerstädtischen Straßenbau ist es sehr schwierig sich an die Bedürfnisse aller Nutzer zu orientieren! Die Richtlinie für den Innerstädtischen Bereich ist die RaSt! Da sind Breiten und empfohlene Querschnitte angegeben! Ich will nicht Klugscheißern aber ich bi vom Fach!

    • Andreas sagt:

      Richtig, fast alle straßenbegleitenden Geh-/Radwege können nicht auf das Regelmaß ausgebaut werden. Das wissen auch so gut wie alle interessierten Radfahrer. Deswegen fordere ich das hier auf der Seite auch nirgends.

      Wenn kein Platz da ist, dann ist keiner da. Dann darf man den Weg aber auch nicht “aus Sicherheitsgründen” benutzungspflichtig ausschildern. Darum geht es hier. Das entspricht aber wahrscheinlich nicht dem Verstand eines Straßenbauermeisters.

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