Der Stern macht Fahrradfahren gefährlich

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Im letzten Jahr starben fast 450 Menschen, als sie das Fahrrad als Verkehrsmittel benutzten. Das ist eine dramatische Steigerung zum Vorjahr. Und auch wenn es mir selbst tatsächlich so vorkommt, als würden vermehrt Menschen das Rad zum Beispiel für den Weg zur Arbeit benutzen, so ist meiner Beobachtung nach nicht die steigende Anzahl der Fahrradfahrenden das Problem. Es ist die immer mehr ausufernde Ruppigkeit der Autofahrenden, für die Regeln und Gesetze immer mehr nur grobe Empfehlungen sind und die sich durch die Berichterstattung über Verkehrsfläche fordernde Radfahrer in die Enge gedrängt und bedroht fühlen. Glaubt ihr nicht? Wurde mir schon direkt so gesagt.

Aus diesen Unfallzahlen bastelt der Stern nun einen Artikel mit der reisserischen Überschrift

Das Fahrrad ist das tödlichste Verkehrsmittel
Im ganzen Artikel selbst wird diese steile These dann mit keinem Wort untermauert. Im Gegenteil, die Schuldfrage wird angesprochen und klar benannt.

Die Statistik ist eindeutig. Etwa zwei Drittel aller Fahrradunfälle sind auf Kollisionen mit Autos zurückzuführen. Hier trägt in 75 Prozent der Fälle der Autofahrer die Hauptschuld.
Nicht das Fahrrad ist gefährlich, das Auto ist es!

Gleichzeitig – und das ist gut so! – steigt das Selbstbewusstsein der Fahrradfahrenden. Ich und andere erwarten selbstverständlich, dass Regeln eingehalten werden. Auch wenn sie bedeuten, dass man einem Fahrradfahrer seine Vorfahrt gewährt. Die Gruppe, welche sich nun für die Einhaltung der Regeln einsetzen soll und diese kontrolliert ist darüber schockiert!

“Viel zu häufig führt eine unaufmerksame und leichtsinnige Fahrweise insbesondere durch rechtsabbiegende Pkw und Lkw zu folgenschweren Verletzungen bei Radfahrenden”, teilte die Polizei mit. Die Polizei war aber besonders schockiert, dass Radfahrer davon ausgehen, dass ihre Vorfahrt sehr wohl beachtet wird.
Ich bin von dieser Aussage nicht nur schockiert, ich finde sie zum Kotzen. Was glaubt die Polizei denn? Dass ich auf dem Fahrrad ein devoter Duckmäuser sein soll, der bitte alle anderen vorlässt, auf seine Rechte verzichtet und sich hinten an stellt?

Die Maßnahme der Polizei: Fahrradfahrern werde geraten, nicht immer auf die eigene Vorfahrt zu pochen, …
Oh, tatsächlich, das denkt sie. Das deckt sich aber auch mit dem, was ich in persönlichen Gesprächen bei Kontrollen raus gehört habe. Für die Polizei sind Fahrradfahrer keine ernstzunehmenden Verkehrsteilnehmer. Ich habe vielmehr den Eindruck, das Fahrrad wird als lästiges Übel angesehen. Wie immer gibt es natürlich einige Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

In den allermeisten Fällen sind also motorisierte Verkehrsteilnehmer daran Schuld, wenn Fahrradfahrende sterben. Die Polizei weiss das und kennt sogar die Ursachen. Anstatt nun hinzugehen und die Ursachen abzustellen und sich dafür stark zu machen, dass solche Vergehen deutlich empfindlicher geahndet werden, enmpfiehlt sie den Opfern, sich doch einfach mal dünn zu machen und den Mund zu halten. Das flößt Vertrauen ein und schafft Respekt. NICHT. Ganz konkret trägt die Polizei durch ihr Handeln und solche Aussagen dazu bei, dass die Zahlen tödlich verunfallter Fahrradfahrer*innen steigen!

Das Fazit des Sterns fällt dazu auch noch völlig an der Realität vorbei aus:

Umso mehr Menschen das Auto stehen lassen und das Rad nehmen, umso stärker werden die Versäumnisse in der Infrastruktur zu steigenden Unfallzahlen und auch zu mehr Toten führen.
Je mehr Menschen das Fahrrad benutzen, desto weniger sitzen im Auto. Weniger gefährliche Verkehrsmittel, sinkende Unfallzahlen. Leider muss dazu die Menge der Fahrradfahrenden noch deutlich steigen. Mit solchen Angstmacherartikeln und einer Polizei, die an Verkehrssicherheit augenscheinlich kein Interesse hat, wird das natürlich nicht gelingen!

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