… in Radklamotten

In Bad Oeynhausen gibt es nun eine Ortsgruppe des ADFC. Wir haben dies der Presse per PM mitgeteilt. Netterweise wollen die dazu sogar einen kleinen Bericht bringen – mit Fotos. Dazu wurde ein Termin vereinbart, an dem möglichst viele Radfahrer erscheinen sollten. Im Radleroutfit.

Hm, was ist denn das dann für mich? Jeans, weißes Hemd und ein Sakko? Doch ein T-Shirt und Chucks? Einen Fleecepulli ziehe ich auch gerne an. Ich denke, dass ist allerdings nicht das, was sich der Redakteur gedacht hat. Garantiert stellt der sich vor, dass reichlich Leute in engen Shirts und kurzen Hosen mit gepolstertem Gesäß auftauchen. Das ist die Kleidung, die ich auf dem Fahrrad eben nicht täglich trage. Einen dicken Pöter habe ich sowieso nie – ich kann die Polster am Hintern nicht leiden.

Warum ich das schreibe? Ich halte diesen Wunsch für das generelle Problem bei der Berichterstattung über das Radfahren. Ich benutzte das Fahrrad als alltägliches Verkehrsmittel. Auch als Sportgerät, aber hauptsächlich möchte ich damit von A nach B gelangen. Und da ich am Ziel in der Regel die Arbeitsstätte vorfinde, Freunde treffe oder das Kino besuche, brauche ich dort enge Funktionskleidung so nötig, wie einen Kropf.

In den meisten Köpfen ist das Fahrrad eben nur Sportgerät, oder Vehikel zum Wandern bzw. Mittel zum Zweck. Den Weg zur Arbeit, ins Kino, zu Freunden oder zum Brötchen holen hat die Presse nicht auf dem Schirm. Die Bitte “in Radklamotten” zu erscheinen, empfinde ich daher schon fast als Aufforderung zum Verkleiden.

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2 Kommentare zu “… in Radklamotten
  1. DS-pektiven sagt:

    Interessant. Ich seh das genau umgekehrt ;) – denn ich würde mir wünschen, dass es gesellschaftlich allgemein wesentlich mehr akzeptiert würde, Radklamotten – oder zumindest als Kompromiss allgemein “sportlichere” und bewegungsfreundlichere Kleidungsstücke auch im Alltag tragen zu “dürfen”. Dem ist aber leider nicht so. Und ich finde es allgemein extrem unbequem, in “normaler”, gesellschaftlich akzeptierter 08/15-Kleidung radfahren zu müssen. Auf mehrmaliges Umziehen (das ist für mich die eigentliche “Verkleidung”) hab ich nämlich auch keinen Bock…

    Ich bin jetzt auch sicher alles, nur kein klassischer Lycra-Radler ;) – Aber grade im Winter hab ich z. B. auch immer ne lange Radhose und diverse Shorts drüber. Oft dann auch ne Radjacke. Und damit fällst du dann halt auf.

    Ich will jedenfalls durch mein Outfit auch irgendwie ein kleines Zeichen setzen.

  2. Andreas sagt:

    Das kommt sicher auch auf die Länge der Strecke an. Bei meinen ca. 4 Kilometern in eine Richtung ziehe ich nicht extra Fahrradklamotten an. Müsste ich 10 Kilometer in den Nachbarort und könnte mich dort umziehen, hätte ich sicher auch “richtige” Radklamotten an.
    So ein Zwischending, z.B. eine Funktionshose der einschlägigen Outdoor-Anbieter und ein passendes Hemd habe ich in meiner Freizeit auch an. Das ist aber nicht die Radkleidung, die zu diesem Termin gefragt war.

    Und solch “normale” Funktionskleidung ist doch längst gesellschaftlich akzeptiert … nur vielleicht nicht gerade in einer Bank/Sparkasse.

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