Einfach mal Rücksicht nehmen

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Blöbaum-Kreuzung, ich fahre auf dem katastrophalen, benutzungspflichtigen Radweg der Eidinghausener Straße am Stau vorbei auf die fett rot markierte Radspur zu, über welche die rechts in die Werster Straße abbiegenden KFZ queren müssen. Das macht auch ein Bulli welcher danach anhalten muss und ein folgender Kastenwagen, welcher die ganze Zeit neben mir rollte, auch. Knapp einen Meter vor mir her. Der muss natürlich ebenfalls halten und steht dann quer über der markierten Radfurt. Ich konnte noch bremsen und mit einem Schlenker auf die Fahrbahn der KFZ dran vorbei. Der Fahrer fand es unmöglich, dass ich mehrfach an seinen Transporter geklatscht habe. Er hat mich halt nicht gesehen, ich sollte ruhig sein und sein Fahrzeug nicht zerdeppern. Dass er irgendwas falsch gemacht haben könnte und vielleicht besser aufpassen sollte, kam ihm nicht in den Sinn.

An der Einmündung der Straße Zum Friedhof in die Eidinghausener schießt zügig ein VW Tiguan. Der Fahrer guckt – aus welchen Gründen auch immer – nur nach rechts und kommt mit der Wagenfront zur Hälfte auf dem Radweg zum Stehen. Direkt vor mir. Ich bremse abrupt, fahre mit einem Schlenker vor ihm her, brülle “Ey” und klopfe auf die Motorhaube. Sein Gesicht verzerrt sich zur wütenden Maske.

Auf der sehr gut sichtbar markierten Fußgänger- und Radfahrerfurt der Querung der Straße Hinter’m Gradierwerk nimmt mir eine Golffahrerin in aller Seelenruhe und ganz langsam über die Querung rollend die Vorfahrt. Als ich um das Fahrzeug herumschob und sie fragte, was das solle, war sie völlig aufgelöst und sagte, sie hätte mich gesehen und dass das falsch war was sie getan hat. Warum sie nicht gehalten hat, konnte sie nicht sagen.

In all diesen Fällen wird dann von den “Ich fahre auch viel Fahrrad”-Menschen gesagt, man müsse auch mal Rücksicht nehmen. Die Polizei bemüht in solchen Fällen ebenfalls jedesmal die gegenseitige Rücksichtnahme und strapaziert §1 der StvO.

Das kann dann ja ausschließlich so verstanden werden, dass ich Rücksicht nehmen soll. Auf die armen Menschen, die im Auto sitzen und sich einen Dreck um die anderen scheren, oder wie?

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7 Kommentare zu “Einfach mal Rücksicht nehmen
  1. DS-pektiven sagt:

    Ich persönlich bin mit der Vorsicht vor blödsinnigen Aktionen Rücksichtsloser bereits mehr als ausgelastet…

    • Andreas sagt:

      Meinst Du das Ansprechen oder Anklopfen? Wenn man nichts macht, ändert sich nichts.

    • DS-pektiven sagt:

      Nö, das war nur eine allgemeine ironische Anmerkung bzgl. der regelmäßigen Forderung, man solle doch als Radfahrer “auch mal Rücksicht nehmen”. ;)

      Bei mir ergibt sich nur selten die Gelegenheit für einen “Plausch”; mehr wie ein überdeutliches Kopfschütteln oder ein ironisches Daumen-hoch bleibt da meist nicht übrig; in der kleinen Hoffnung, dass das als Gedankenanstoß ausreicht.

      Gegen Blödheit und Rücksichtslosigkeit ist halt leider kein Kraut gewachsen.

  2. atze sagt:

    Hallo alle zusammen,
    nun lasst uns doch bitte das letzte urbane Abenteuer in unserer vollkommen durchregulierten, zivilisierten Welt: Fahrradfahren in der Stadt. Andere Menschen müssen auf hohe Felsen klettern und sich mit Vogelanzügen in die Tiefe stürzen oder im Meer mit Haien schwimmen oder Dauerlauf durch die Wüste machen, um noch ein bisschen Nervenkitzel und Nahtoderfahrung zu bekommen. Das wäre mir sowieso viel zu teuer. Selbst der böse Wolf rennt vor Menschen weg, anstatt sie ordnungsgemäß aufzufressen.
    Seht es doch als gesellschaftliche Segnung, sich kostenfrei auf dem Abenteuerspielplatz Straße tummeln zu dürfen. Wie könnte man noch Erfolgserlebnisse, wie gerade noch dem zu eng überholenden Bus entgekommen zu sein oder den drohenden Prügelattacken eines muskelbepackten 400PS-Boliden-Kapitäns durch kräftiges Pedaltreten entgangen zu sein, ergattern?
    Damit bin ich in der Lage, auf Partys noch richtig fett anzugeben. Die Mehrheit der Auto-fahrenden Gäste kann dagegen nicht anstinken.
    Also bitte, wo bleibt Eure positive Lebenseinstellung?
    Ich sag nur FAR OUT!

  3. Chris sagt:

    Hier in meiner Stadt gibt es immer wieder so schöne Aktionen, die Radfahrer zu mehr Rücksichtnahme bewegen sollen.
    Es gibt hier nämlich keine vernünftige Infrastruktur für Radfahrer. Viele Wege muss man sich mit Fußgängern teilen und das sowas zu Konflikten führt, ist absehbar. Das lernt man im allerersten Semester Stadtplanung!
    Statt die Mängel und Fehler der Verkehrsplanung zu beseitigen, veranstaltet man lieber”Radln in der Stadt – Respekt bewegt”-Aktionen. Das ist unkomplizierter und kostengünstiger und den Schwarzen Peter hat man auch gleich weitergeschoben: An die Radfahrer. Die sind schuld, wenn das Miteinander auf 2 m breiten Wegen nicht funktioniert.

    “Da muss man halt mal absteigen und schieben. Wo ist denn das Problem?”
    Das Problem ist, dass ich dann alle 100 m absteigen und schieben muss. Da kann ich gleich zu Fuß gehen.

  4. Radfahrer sagt:

    ich wurde wegen Klopfens an die Seitenscheibe schon mal verwarnt.

    Situation wie folgt, zweispurige Straße mit Radfahrstreifen beidseits wird vor einer Ampel in zwei Geradeaus- bzw. Abbiegespuren neben den Radfahrstreifen aufgeteilt. Dort ist allerdings wegen einem Strom- und Lichtmast eine Engstelle, d.h es können maximal etwa zwei PKW auf der Rechtsabbiegerspur stehen und der Radfahrstreifen wird illegal als Rechtsabbiegerspur genutzt.

    So kommt es dann, dass wenn ein PKW den nötigen Abstand nicht mehr einhält mein Arm zu leichten Zuckungen neigt, in diesem Fall sogar mit Handschuh, weil Winter war. Der PKW-Fahrer stieg zusammen mit seinem Beifahrer aus und verfolgte mich, behauptete ich hätte sein Auto beschädigt. Die hinzu gerufene Polizei erklärte mir dann, ich dürfe nicht an Autos klopfen. Zu dem Problem mit dem immer wieder zu gefahrenen Radfahrstreifen hatte sie kein Verständnis. Ein Schaden wurde nicht festgestellt.

    An dieser Stelle ist es auch so, dass die Stadtverwaltung den einst vorhanden Hochbordradweg entfernt hat, die Rechtsabbeigerspur deswegen verkürzen musste und für diese Konfliktsituation voll verantwortlich ist, aber sich seit dem weigert trotz mehrfacher Meldungen nachzubessern.

    • Andreas sagt:

      Tatsächlich habe ich bei der Polizei nachgefragt, ob es erlaubt ist auf Motorhauben, Dächer und Seitenscheiben zu klopfen. Und es gibt auch überhaupt kein Gesetzt dagegen. Wenn man Beulen rein kloppt ist das natürlich was anderes, aber anklopfen ist nirgends verboten. Du kannst natürlich eine Mitschuld bekommen, falls sich der Fahrer aufgrund Deines Klopfens erschrickt und einen Unfall baut …

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