Mit Rücksicht nehmen … sind immer die Schwächsten gemeint

Baustelle im Radweg der Eidinghausener Straße

Gestern nach der Fraktionssitzung bin ich mit dem Rad nach Hause, natürlich schon dunkel und leichter Niesel.

Auf der Eidinghausener Straße nichts los – und bei dem Wetter und den Lichtverhältnissen ist es geradezu lebensgefährlich, dort den Radweg zu nutzen. Bei Tageslicht mache ich das noch, aber im Dunklen ist es mir wirklich zu arg.

VwV-StVO zu § 2 Straßenbenutzung durch Fahrzeuge
Zu Absatz 4 Satz 2

16 2. die Benutzung des Radweges nach der Beschaffenheit und dem Zustand zumutbar sowie die Linienführung eindeutig, stetig und sicher ist. Das ist der Fall, wenn

17 a) er unter Berücksichtigung der gewünschten Verkehrsbedürfnisse unter Berücksichtigung der gewünschten Verkehrsbedürfnisse ausreichend breit, befestigt und einschließlich einem Sicherheitsraum frei von Hindernissen beschaffen ist. Dies bestimmt sich im allgemeinen unter Berücksichtigung insbesondere der Verkehrssicherheit, der Verkehrsbelastung, der Verkehrsbedeutung, der Verkehrstruktur, des Verkehrsablaufs, der Flächenverfügbarkeit und der Art und Intensität der Umfeldnutzung. Die lichte Breite (befestigter Verkehrsraum mit Sicherheitsraum) soll in der Regel dabei durchgehend betragen:

21 cc) Zeichen 241 — getrennter Fuß- und Radweg für den Radweg mindestens 1,50 m

Bin also auf der Fahrbahn mit durchgängig um die 35 km/h unterwegs gewesen, wurde nicht einmal überholt und hatte auch nur minimal Gegenverkehr. Kurz vor der Blöbaum-Kreuzung war der Radweg dann vollends unbenutzbar, da eine tiefe Baugrube inklusive Absperrbaken quer darüber und über den größten Teil des Gehwegs verlief.

Direkt dahinter meinte dann ein Taxifahrer mir erklären zu müssen, wie ich mich im Straßenverkehr zu verhalten habe – ausgerechnet ein Taxifahrer. Die Gruppe von KFZ-Führern, die in Bad Oeynhausen nicht weiß, was eine Fußgängerzone und Überholabstand ist. Fiel mir nichts zu ein.

Einer der Gründe für nicht benutzbare Radwege sind auf Radwegen parkende Taxen.


Heute morgen stand dann der Knicklenkerbus der Linie 613 quer in der Blöbaumkreuzung über den Rad- und Gehweg und blockierte diese. Man muss da bei dem Verkehr nicht unbedingt bei dunkelorange noch rein fahren. Ebensowenig muss man an der Ausfahrt von Gas-Westfalica quer über dem Geh- und Radweg stehen, wenn man mit dem Bulli auf die Steinstraße einbiegen wil. Kann man auch von 1,50 Meter weiter hinten einsehen – ich habe das ausprobiert. Und wenn ich in der Königstraße meine Hand zum Linksabbiegen in die Heinrichstraße ausstrecke, um den Abbiegevorgang anzuzeigen, dann muss man mich auch in einem Citroen Cactus nicht noch so überholen, dass meine Hand das Dach berührt.

Durch’s geöffnete Bürofenster bekamm ich morgens mit, wie die Polizei mit Kindergarten-Kindern oder I-Dötzen eine kleine Schulung auf der Porta- und Bahnhofstraße durchführte und die Zebrastreifen-Benutzung erklärte. Eine Hälfte der Gruppe war schon rüber, zwei Kinder stehen noch auf der anderen Seite. Auf beiden Seiten jeweils ein Polizist der die Situation erklärt … und in dem Augenblick fährt ein Kipplaster einer lokalen Baufirma stumpf über den Zebrastreifen. Jedenfalls bis zur Hälfte, dann war ein Polizist schon davor gesprungen und hat dem Mann die Leviten gelesen. Leider hat er nicht auf der Stelle ein Bußgeld verhängt. Warum eigentlich nicht? Im Beisein der Polizei an einem Zebrastreifen kleine Kinder mit gelben Warnwesten ignorieren? Eigentlich darf der gar keinen Führerschein haben.

Wenn ich solche Fälle diskutiere, dann wird regelmäßig gesagt, ich solle doch entspannt sein. Mehr Rücksicht muss im Straßenverkehr genommen werden. Auf § 1 soll geachtet werden. Was damit gemeint ist, ist allerdings: Ich soll als Radfahrer und Fußgänger Rücksicht nehmen und zurück stecken. Ansonsten würde ja jeder mir zustimmen, wenn ich sage, dass die oben geschilderten Fälle ausnahmslos rücksichtslose Fahrer/innen motorisierter Kraftfahrzeuge waren. Die sind tatsächlich nicht mehr wert als andere Verkehrsteilnehmer. Grundsätzlich sogar eher im Gegenteil, denn sie machen die Infrastruktur kaputt, die u.a. ich bezahle (weil ja manche gerne mit der KFZ-Steuer kommen). Und zudem haben sie aufgrund der schieren Masse das weitaus größere Gefährdungspotential. Alles bekannte Binsen.

Wenn von Rücksichtnahme gesprochen wird, ist immer die Rücksichtnahme gegenüber dem motorisierten Verkehr gemeint. Wenn es anders wäre, gäbe es die obigen Situationen nicht.

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2 Kommentare zu “Mit Rücksicht nehmen … sind immer die Schwächsten gemeint
  1. H. Apfel sagt:

    Andreas, ich weiß nicht worüber Du Dich hier wunderst: Wenn Radfahrer und Fußgänger andauernd Rücksicht nehmen ist es doch kein Wunder das die KfZ-Führer denen die Rücksicht genommen wurde dann Rücksichts-los unterwegs sind?!

  2. Löhner sagt:

    Warum hält ein Taxifahrer nachts bei Grün an der Ampel?

    Bitte kurz überlegen …

    Könnte ja ein Kollege von rechts kommen.

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