Unnötiger Abgang

Horst Köhler ist zurückgetreten und damit ist er der erste aller bisherigen 9 Bundespräsidenten, die diesen Schritt “gewagt” haben. Ich mochte Horst Köhler, er war mir als Mensch symphatisch und hat durchaus auch das ein oder andere Mal den Mund aufgemacht, wenn die Politik seiner Meinung nach nicht das richtige tat. Er hat sogar ihm vorgelegte Gesetze nicht stumpf unterschrieben, sondern nachgefragt und die Unterschrift verweigert. Alles Dinge, die der etablierten Politik-Posse nicht in den Kram passen – dem Wähler wahrscheinlich umso mehr.

Nun hat er das Amt geschmissen – wegen mangelndem Respekt gegenüber seinem Amt. Er hat etwas gesagt, was in der Praxis sehr wahrscheinlich schon immer so gewesen ist. Bei anderen Ländern sowieso und bei uns muss man wohl leider sagen auch. Dass nämlich Kriegseinsätze nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Erwägungen stattfinden – sei es nun Öl, Gas oder die Transportwege dafür. Ich behaupte ganz stumpf, dass *niemand* einen Krieg rein aus humanitären Erwägungen heraus führt, das sind alles vorgeschobene Alibis. Horst Köhler hat dies noch nicht einmal derart deutlich gesagt. Das ist nicht opportun, weil es natürlich zu einem Aufschrei führen kann – der ein wenig unerwartet für die Protagonisten auch gekommen ist.

Aber ist das mangelnder Respekt? Natürlich nicht! Jeder der in der Öffentlichkeit steht und redet, wird Gegenrede erfahren. Glücklicherweise ist das noch so. Ein Absolutismus, nach dem Äußerungen von X, Y oder Z kritiklos hingenommen werden müssen, wäre katastrophal für die Gemeinschaft. Es gibt genug Beispiele, wohin das führen kann.

Den Abgang empfinde ich daher seiner bisherigen Linie nicht angemessen. Horst Köhler hat eben nicht immer den Mund gehalten, er hat nachgedacht und viele richtige Dinge gesagt – und auch dafür durchaus Kritik erfahren. Auch diesmal lag er richtig – wenngleich ich auch finde, dass die Umstände der Äußerung eher unglücklich waren sowie Wortlaut und die daraus zu erkennende Intention sogar falsch.

Nun “magelnden Respekt” zu beklagen und abzuhauen ist das Verhalten eines trotzigen Kindes im Kindergarten. Ich glaube er hätte viele Symphatien gewonnen, wenn er bei der Aussage geblieben wäre und das Ganze noch breiter ausgewalzt hätte. Dass hinter einem Krieg eben auch zu einem großen Teil wirtschaftliche Interessen stecken – zumindest dann, wenn sich “moderne” Industrienationen beteiligen. Da beisst die Maus keinen Faden ab. Das zu sagen war richtig, das als Rechfertigung für einen Krieg zu nennen grundfalsch. Und das muß man sich auch mal sagen lassen.

Über

Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

2 Kommentare zu „Unnötiger Abgang

  1. Moin, moin.
    Ich denke generell, das in der Politik zu wenig Respekt anderen Menschen gegenüber gezeigt wird.
    Naja.
    Mir sagte heute jemand, der Grund “mangelder Respekt” beziehe sich auch auf die Spi*gelveröffentlichung auf Seite 24, Heft 22/2010 “Horst Lübke”.
    Ein nichtssagender Artikel, der unseren Präsidenten als dümmlichen Menschen beschreibt, der seine Zeit absizt und nichts kann, nicht mal fehlerfreie Sätze sprechen.
    Ganz verstanden habe ich nicht, was uns der Reporter eigentlich sagen wollte.
    Mein Eindruck nach lesen des Artikels war, das es dem Spi*gel ein Anliegen war, unbedingt negativ über Köhler berichten zu wollen. Und wenn’s nichts wirklich Negatives zu berichten gibt, wird was zusammengebastelt. Da kann man durchaus von Respektlosigkeit sprechen.
    Im lichte dieses Artikels betrachtet, kann ich den Rücktritt eher nachvollziehen.
    Ich finde es schade ..

  2. Der Spiegel hat in letzter Zeit einige Dinge geschrieben, die mich die Stirn in Falten legen lassen. Aber auch hier, was kratzt es die Eiche, wenn der Hund dran pinkelt?

    Horst Köhler war der Bundespräsident! Was interessiert den das Geschreibe irgend eines Journalisten? Maischberger ist was das angeht ganz interessant, scheinbar treffe ich mit meiner Meinung die Stimmung der Runde. Die sagen alle das Gleiche.

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