Polizeipresseberichte mit Radfahrern

Über die Presseberichte der Polizei Minden-Lübbecke bei Unfällen in Verbindung mit Radfahrern habe ich mich bereits desöfteren ereifert. Immer wird es so dargestellt, als sei der Radfahrer der aktive Part. Inzwischen geht man bei der Polizei offensichtlich dazu über dem Radfahrer generell Unachtsamkeit zu unterstellen:
POL-MI: Fahrradfahrer gestürzt   Pressebericht der Pol. Mi-Lü vom 19.05.2008 | 11:20 Uhr

… Als er mit der Fahrradgruppe die Fährstraße in Richtung Weserradweg befuhr, geriet er vermutlich aus Unachtsamkeit bei Durchfahren von 4 aufgestellten Absperrstangen zur Zufahrt zum Weserradweg mit seiner rechten Fahrradpedale an eine Absperrstange. Der Fahrradfahrer verletzte sich dabei leicht … Absperrstangen, 4 Stück? Auf dem Weserradweg? Was haben die dort zu suchen? Bad Oeynhausen hat sowas auch zu bieten, und ich habe mehrfach erwähnt, dass das gefährlicher Unsinn ist. Wenn man verhindern möchte, dass dort Autos entlang fahren, dann soll man zu den Zeiten, zu denen dort geparkt wird, einfach mal kontrollieren und kassieren! Ich habe mit meiner Kritik also doch Recht: sobald eine größere Gruppe auf solche mutwillig verkehrsgefährdenden Hindernisse auffährt, dann kommt es zum Knall. Das ist normal, da muß man nicht unachtsam sein, wie die Polizei suggeriert. Solche Vermutungen in einer Pressemitteilung sind im übrigen auch nicht deren Aufgabe.

Auch sehr schön, der Bericht von den unachtsamen Kindern (Fahrradfahren ist ja so gefährlich!):
POL-MI: Kind als Radfahrer bei Unfall verletzt   Pressebericht der Pol. Mi-Lü vom 19.05.2008 | 16:20 Uhr

… in Höhe der Albert-Schweitzer-Straße querten beide Radfahrer plötzlich die Werster Straße, ohne auf den Fahrzeugverkehr zu achten. Der vorausfahrende 13-Jährige schaffte es bis zur dortigen Mittelinsel, der zweite 13-Jährige wurde von dem Auto eines 34-jährigen Golf-Fahrers aus dem Raum Nienburg erfasst. Der 34-Jährige machte zwar noch eine Gefahrenbremsung, konnte den Zusammenstoß jedoch nicht verhindern … Die Verkehrsinsel befindet sich auf Höhe des WEZ. Drei Dinge also, die einen Autofahrer zu erhöhter Aufmerksamkeit zwingen: zum einen 2 Ausfahrten eines Supermarktes, eine Verkehrsinsel und zwei junge Radfahrer in Höhe der Verkehrsinsel. Verkehrsinseln werden übrigens – oh Wunder! – als Querungshilfe und … tata … zur Verkehrsberuhigung gebaut. Zuletzt z.B. an der Detmolder Straße in den Serpentinen zur Lohe. Der Autofahrer muß also erhöhte Aufmerksamkeit an den Tag legen und seine Geschwindigkeit anpassen.

Nun habe ich mal etwas gerechnet (und gesucht). Ca. 2,5 Sekunden benötigt der erste Junge, um die Fahrbahn bis zur Mitte zu überqueren (10 Km/h und ca. 5 Meter). Nochmal 1,5 Sekunden der zweite Junge bis zur Mitte der Fahrspur. Nun rechnen wir mal: 50 Km/h = 13,9 m/s Ein moderner PKW erreicht ca. 7 m/s Bremsverzögerung (und die Polizei erwähnt ja ausdrücklich die “Gefahrenbremsung”). Das bedeutet, dass der Wagen bei 50 Km/h nach ca. 2 Sekunden steht. Zzgl. der obligatorischen Reaktionssekunde macht das 3 Sekunden. Der Fahrer hatte aber mehr Zeit! Die Schlüsse mag jeder selbst ziehen …

In keinem Fall ist es nur die Schuld der Kinder. Die haben lediglich die Querungshilfe benutzt und wahrscheinlich die Geschwindigkeit des sich nähernden PKWs unterschätzt.

Werster Straße mit Querungshilfe

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Ein Kommentar zu “Polizeipresseberichte mit Radfahrern
  1. Jens sagt:

    Die Leute rasen wie die bescheuerten über die Werster Straße. Ich selbst bin einige Male gerade so heile davon gekommen… Die Querungshilfe, die WEZ-Zufahrten interessiert die meisten Autofahrer nicht. Die Polizei hat gestern ja an der Werster Str. geblitzt, ich finde das sollten die dort öfters machen…

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