Ich bin ein Asylprofiteur?

Der NDR hat einen schönen Bericht online über einen Freifunker aus Hamburg-Harburg, der seinen Internetzugang per Freifunk gegenüber einer Flüchtlingsunterkunft geteilt hat. Das ist das prinzip von Freifunk, man gibt von seinen Kapazitäten etwas ab, damit andere daran teilhaben können. Und wenn das in der Nähe eines Flüchtlingsheims passiert ist das umso schöner. Nutzen kann es aber jeder.

Anonymer Kommentator auf NDR

Anonymer Kommentator auf NDR

Genau das Gleiche haben wir hier auch gemacht. Die Kirche hat ihren DSL-Anschluss zur Verfügung gestellt und ich habe die Hardware konfiguriert und aufgebaut. War nicht so teuer, insgesamt 100 Euro die wir aber zu zweit komplett gespendet haben. Zweieinhalb Stunden habe ich gebastelt, weil es noch ein anderes Netzproblem zu lösen galt. Dann lief alles. Ich bin dafür früher aus dem Büro gegangen damit das noch am Tag der Anreise der Flüchtlinge passieren konnte und muss die Zeit dafür irgendwann nacharbeiten.

Und dann schreibt ein Dödel*1 von anonymen Kommentator zu dem Artikel beim NDR: Mir kommt es so vor, als wenn die Freifunker nicht ganz uneigennützig handeln. Sie benutzen das Thema Asyl, um ihre Idee vom kostenlosen Internet für alle, in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Sie reihen sich in die Gruppe der Asylprofiteure ein, jeder will etwas aus dem großen Topf abbekommen, die Kirchen, das DRK, die Immobilienbranche, Til Schweiger usw.

Beim Thema Asyl gibt es die mediale Aufmerksamkeit und wenn man es geschickt anstellt zudem noch einen warmer Geldsegen.

Heuchler?!
Andere Kommentatoren beklagen, dass die Flüchtlinge kostenloses WLAN bekommen und Senioren, Behinderte oder sonstige in irgendeiner Form Benachteiligte das nicht bekommen. Können sie mir auch einrichten, bin Geringverdiener und muss das alles selber zahlen.

Essen, Kleidung und Unterkunft, sowie medizinische Versorgung keine Frage, aber alles andere ist Luxus und muss nicht sein. Internet ist nicht überlebensnotwendig.

Müssen die jetzt auch GEZ bezahlen? Gruß an den NDR :-)
Oder auch kralle schrieb am 12.08.2015 23:58 Uhr:

Gibts sowas auch für Kleinrentner, für Hartizies und Geringverdiener hier?

DAS hätte doch mal was, jahrelang geschuftet, kannste kaum die Miete wuppen und denn so ein Lichtblick!

Auch viele Schwerbehinderte/Gehbehinderte würden sich über sowas sehr freuen…

Tjaa..
Es ist wirklich schlimm, wie verblödete Menschen es da draußen gibt. Nicht ein Stück mit dem Thema beschäftigt, nicht wissen worum es geht und dummes Zeug schreiben.

Den einzigen Profit den ich habe ist, dass mir einige Leute “gut gemacht” sagen. Andere haben mich aber auch schon angemeckert, wie ich dazu komme den Flüchtlilngen zu helfen. Von der Freifunk-Sache an sich habe ich ganz genau nur eins: Kosten, Arbeit, Zeitverlust. Ich habe bereits mehrere Tage Urlaub dafür geopfert, viele, viele Mittagspausen damit verbracht Leuten zu erklären und ihre eigenen Netze wieder lauffähig zu bekommen. Abende auf dem Sofa mit dem Flashen von Routern “vergeudet”.

Termine mit Gewerbetreibenden machen die selbstverständlich nur zu ihren Geschäftszeiten. Nach Ladenschluß will niemand reden, da ist Freizeit. Ich muss da aber auch arbeiten und ebenso selbstverständlich wird erwartet, dass ich dann eben frei nehme … oder was? Gleichzeitig ist der eigene Einsatz in der Sache äußerst überschaubar. Hauptsache es wird fertig geliefert. Seufzend mache ich das dann, weil ich von der Sache überzeugt bin, weil ich es gut finde, dass man teilt was man hat, weil es ein unzensiertes, freies Netz ist.

Nur um das nochmal deutlich zu sagen: ich gebe Geld aus, dass ich nicht erstattet bekomme, investiere Zeit die ich nicht zurück bekomme, übernehme Leistungen für die ein IT-Dienstleister durchaus vierstellige Beträge aufruft für Gewerbetreibende, die mit dem Ergebnis die Qualität ihres Unternehmens steigern und von dem die Allgemeinheit (auch die Dödel) profitieren für Nichts außer dem Gefühl das Richtige zu tun.

Und ich bin ein Asylprofiteur, weil ich Geld spende, Arbeit leiste, Zeit investiere und dafür *NICHTS* bekomme außer einem Lächeln und aufrichtigen Dank von Leuten, die den Kopf nicht nur haben, damit es nicht in den Hals regnet.

Diese Vollpfosten, die gegen Flüchtlinge wettern und jetzt sogar “Asylprofiteur” sagen, die besorgten Bürger, die “das doch wohl mal sagen dürfen”: IHR SEID DEUTSCHLANDS PROBLEM!

[*1] Ich hatte hier erst ein deutlich schärferes Wort verwendet, nach einer Diskussion auf Twitter und ein paar Stunden nachdenken, aber weicher formuliert. Inhaltlich ändert sich aber nichts. Und da soll keiner sagen, ich überdenke Kritik nicht …

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8 Kommentare zu “Ich bin ein Asylprofiteur?
  1. Joerg sagt:

    >7 Mrd Menschen auf diesem Planeten. Da ist der eine oder andere Idiot zwischen. Ohne Internet und Sensationshunrige Presse hatten die keine Plattform. Jetzt ist es einfach Schwachsinn zu verbreiten und wenigdenkende Idioten zu finden und sich zu verbünden.

  2. Der Kohlkopf sagt:

    ich hab mich mal erst informieren müssen um was es geht
    https://vimeo.com/64814620
    Lieber Andreas Edler, lass Dich doch nicht irritieren durch ein paar Idioten.
    Dasselbe hätte Gucky wahrscheinlich auch gesagt.
    Du kennst mich nicht, jedenfalls nicht unter dieser Adresse hier. soll auch so bleiben. Alles Gute für Dich

  3. Stefan sagt:

    Ichbinverwundert:
    Warum lässt Du Dich denn von so Schwachmaten aus der Ruhe bringen?

    • Andreas sagt:

      Aus der Ruhe gebracht bin ich mitnichten. Allerdings gibt es auch abseits dieser Schwachmaten einige Leute, die so ein Engagement (nicht bei den Flüchtlingen) falsch einschätzen. Zumindest ist das meine Empfindung. Dies gepaart mit Wünschen, die an die Politik herangetragen werden und eben solchen Kommentatoren ärgert dann schon etwas.

    • Andreas sagt:

      Ein kleiner Teil, der zu diesem Post beitrug war übrigens auch die Erwartungshaltung unserer Partei zu dem Thema.

  4. Name sagt:

    Nicht aus der Ruhe bringen lassen, durchatmen und weitermachen :)

    Und an alle Neider: Nicht immer nur aufregen, was doch alle für einen machen sollten, einfach selbst aktiv werden. Bei Freifunk mitzumachen ist nicht schwer, im Zweifel kann man sich auch mit mehreren Menschen zusammen einen Router kaufen und ein Uplink findet sich bestimmt, wenn man bereit ist, auf Leute zuzugehen und Kontakte zu knüpfen. Freundliche Gespräche helfen mehr als Schimpfen!

  5. Volker sagt:

    Was immer Du tust, es wird immer jemanden geben, den das nicht passt. Was Du getan hast ist klasse. Verschwende Dich nicht an den Kritikern.

  6. Hannes Pohl sagt:

    Das bringt die heutige Zeit einfach mit sich. Durch die sozialen Netzwerke kann jeder Idiot sein Geschwätz in die Welt pusten, Idioten, dann man in der Zeit ohne Internet einfach nicht wahregnommen hat.

1 Pings/Trackbacks für "Ich bin ein Asylprofiteur?"
  1. […] die Zusammenarbeit bei der Versorgung der Flüchtlingsunterkunft in Rehme mit Freifunk war konstruktiv, unbürokratisch, schnell und effektiv. Mithin exakt das Gegenteil von dem, wie […]

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