Medienversagen – Rauswurf wegen Autobahn

Vor zehn Jahren war Eva Hermann zu Gast bei Johannes B. Kerner und musste seine Show nach nicht ganz einer Stunde verlassen. Ich fand das damals ein wenig übertrieben und effektheischerig.

TAZ vom 10.10.2007 Eva und die Autobahn
… Doch Kerner [..] entschied sich, dann lieber Eva Herman heraus zu komplimentieren. „Es gibt halt so Sachen die sind problematisch, und Autobahn geht gar nicht, finde ich“, stellte er klar …

Ich weiß noch, wie damals darüber diskutiert wurde und die einhellige Meinung der allermeisten war, dass man soetwas wie Eva Herman wirklich nicht sagen dürfe. Sowas geht gar nicht. Heute redet AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland auf einer Wahlkampfveranstaltung von der Entsorgung von Menschen.

TAZ vom 28.08.2017 Die Grenze des Sagbaren
… Gauland griff diese Äußerung auf und sagte laut FAZ: „Das sagt eine Deutschtürkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.“ …

Und natürlich regen sich auch viele Menschen darüber auf – völlig zu Recht. Aber anstatt dass die Medien das aufgreifen und konsequent reagieren, laden sie diesen Mann in Talkshows ein, damit er seine Sätze wiederholen, verteidigen und inhaltlich bekräftigen kann.

Die Medien tragen massgeblich zur derzeitigen Situation bei. Wegen Einschaltquoten-, Klick- und Linkgeilheit.

Warum sagen die nicht „.. und Entsorgung geht gar nicht, finde ich …“ und schicken Gauland in die Wüste, wo er hingehört?

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3 Kommentare zu “Medienversagen – Rauswurf wegen Autobahn
  1. Horst sagt:

    Die Medien machen das doch, damit wir informiert sind und uns ein Bild machen können. In Wahrheit geht es um etwas anderes, nämlich um Effekthascherei. Mich ärgert mehr, dass genau diese Motivation nicht wenigstens ehrlich einräumt wird. Stattdessen reiten sie lieber auf ihrer Informationspflicht herum.

    Übrigens hat die große Abneigung der Rechten ggü. Frau Aydan Özoguz ihren Ursprung wohl in dem hier sehr ausführlich und tendenziös behandelten Papier (https://goo.gl/48Dpfn). Ich weiß selbst nicht so richtig, was ich davon halten soll (Impulspapier der Migrant*Innenorganisationen zur Teilhabe in der Einwanderungsgesellschaft). Rechte Medien haben allerdings eine wirklich klare Haltung, was nicht weiter verwunderlich ist. (https://goo.gl/CBTgWm)

    Schätze, dieses Papier ist für Rechte eine Zumutung. Und es geht weit über die Feststellung hinaus, Deutschland sei ein Einwanderungsland. Die Frage nach den Initiatoren des Papiers sowie der Legitimität der hier gestellten Forderungen sollte Thema einer umfassenden gesellschaftlichen Diskussion sein. Leider werden in diesem Papier jedoch Forderungen aufgestellt. Es wundert mich ein wenig, dass die SPD es zugelassen hat, das Papier ohne Abstimmung im Bundestag oder wenigstens in Parteigremien öffentlich zu machen. Da brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn darüber von Rechten Weltverschwörungstheorien aufgetischt werden.

    Außerdem wird Frau Özoguz nachgesagt, sich nicht eindeutig von ihren Brüdern zu distanzieren, die sich als Islamisten in Szene setzen. Ihren Standpunkt zur Leitkultur teile ich persönlich nicht, obwohl ich die Diskussionen darüber überhaupt nicht leiden kann.

    Integrationsbeauftragte: Ministerin Özoguz: Brüder sind Islamisten | Politik | Quelle

  2. Löhner sagt:

    Die Medien sollen informieren, nicht Meinung machen. Einer AfD die Landtagen sitzt und gute Chancen auf einen Einzug in den Bundestag hat gehört auch das Wort gegönnt. Es ist nicht die Schuld der Medien, dass die etablieren Parteien rhetorisch nicht in der Lage sind trotz unendlich vieler Ansatzpunkte dieser Rechts-FDP nichts entgegen zu setzen. (Zu einer Eva Hermann hätte man z.B. einfach sagen müssen, dass die Autobahnen eine Erfindung der Weimarer Republik sind und die Nazis überhaupt nichts für getan haben, sondern sich als Schmarotzer ins gemacht Nest gesetzt haben.)

    Ich gehe noch einen Schritt weiter. Die AfD existiert überhaupt nur wegen dem Verhalten der alten Parteien. Es ist ein Aufbäumen gegen den Einheitsbrei. Die Union hat unter Merkel ihre Aufgabe als Staubsauger am rechten Flügel eingebüßt. Hinzu kommt das Flüchtlingsthema. Hätte man sich um die sozialen Probleme in diesem Land so intensiv gekümmert, wie um die Flüchtlingskrise (deren „Lösung“ mit Erdogan uns gerade auf die Füße fällt), dann wäre es nie so weit gekommen. Selbst schuld.

    Nur um das klar zu stellen: Das ist keine Rechtfertigung für die AfD, sondern schlicht eine Erklärung.

    Mit Fettnäpfchen Sprüchen waren die Grünen in der Krise und Relativierung waren die Grünen in 2015 leider übrigens ganz weit vorne mit dabei. Künast und Göring-Eckardt haben durch manch dumme Aussage, die sie bis heute nicht revidiert haben einen echten Vorschub geleistet.

  3. Horst sagt:

    Die Medien haben seit jeher natürlich auch Meinung gemacht. Wenn bestimmte politische Gruppen (ich nenne sie mal rechte) damit ein Problem haben ist das nicht ungewöhnlich. Denn eins ist auf jeden Fall korrekt: Die Medienlandschaft in Deutschland ist linkslastig. Man mag das blöd finden. Aber ändern wird sich das meiner Einschätzung nach nicht so bald.

    Für mich ist es schwierig, in diesem Jahr eine passende Wahlentscheidung zu treffen, weil im Vordergrund die Verhinderung der nächsten GroKo steht. Normalerweise müsste (wie ich es in den NRW Wahlen auch gemacht habe – diesmal nur unter anderen Vorzeichen) die FDP wählen. Damit habe ich allein aufgrund der letzten Wochen und Christian Lindners offenbarten seltsamen Ansichten ein anderes Problem.

    Ich halte es für ein bisschen ungerecht, das Verhalten der Medien oder der Politik zu kritisieren. Sie reden doch in vielen Fällen viel zu sehr nach dem Mund des Bürgers. Ein bisschen Populismus ist überall drin. Bei manchen wird es im Wahlkampf etwas viel. Dazu gehört die Einstellung zur Flüchtlingskrise bzw. zu den geflüchteten Menschen selbst. Ich glaube, dass die beklagte Polarisierung auch dann stattgefunden hätte, wenn sich mehr Führungspersönlichkeiten über die Parteigrenzen hinweg, klarer positioniert hätten.

    Das liegt aber nicht an diesem schwierigen Thema allein, sondern vor allem daran, dass weder Institutionen noch Persönlichkeiten vor den Augen von immer mehr Menschen noch Vertrauen genießen. Die paar, die noch leben, treten im öffentlichen Leben kaum noch in Erscheinung.

    Ich habe immer gedacht, die Tatsache, dass mehr Politikerinnen im Lauf der Jahrzehnte an Einfluss gewonnen haben, würde sich auf die politische Kultur im Land positiv auswirken. Wie man (auch) am Beispiel der Grünen sieht, war das ein dummer Fehler. Frauen sind genauso doof und machtgeil wie Männer und sie nehmen sich in Diskussionen, egal um was es geht, auch nicht aus. Die Kanzlerin ist keine Ausnahme.

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