Ipads für alle Ratsmitglieder

Während der Eröffnung des OBI im Werrepark sprach mich ein Ratskollege auf die aktuelle Druckvorlage zum nächsten Hauptausschuss an. Es geht um den TOP “Einführung der papierlosen Ratsarbeit”. Das hatten wir letzten Dezember im Rahmen der Konsolidierungsmaßnahmen beschlossen. So weit so gut. Nun lese ich in der Druckvorlage unter anderem Das Verfahren ALLRIS net Ratsinformationssystem der Firma CC e-gov GmbH mit Sitz in Hamburg wird bereits seit Jahren überzeugend in der Verwaltung der Stadt Bad Oeynhausen genutzt und vom Hersteller stetig fortentwickelt. Ich persönlich hatte sowohl während Workshops als auch in mindestens einem längeren Telefonat schon einige Differenzen mit dem Hersteller, da das System tatsächlich nicht ganz so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Ich kann die Webseite nutzen, die meisten Funktionen werden aber nicht benutzt und das was ich eigentlich als komfortabel erachten würde, geht nicht. Der Download der Druckvorlage einer Sitzung als PDF aus einem Link im Kalender heraus. Ich will kein proprietäres Format in einer App. Das ist Mist! Ich will ein Standard-PDF möglichst einfach bekommen, ohne mich umständlich durch einen Kalender hangeln zu müssen. Habe ich alles mehrfach mitgeteilt!

Um allen Ratsmitgliedern die komfortable Teilnahme an der papierlosen Gremienarbeit mit dem Ratsinformationssystem zu ermöglichen, ist es vorgesehen, dass die Verwaltung zentral für alle Ratsmitglieder einheitlich mobile Endgeräte (iPads) anschafft und für die Dauer der Wahlperiode leihweise zur Verfügung stellt. Wir alle im Rat bekommen jeden Monat mindestens 263,80 Euro Ratsentschädigung. Deutlich über 3.000 Euro im Jahr, Fraktionsvorsitzende bekommen das Doppelte dazu: macht 527,60 Euro, bei Fraktionen mit mehr als 10 Mitgliedern ist es das Dreifache, ergo 791,40 Euro pro Monat! Die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden bekommen die einfache Entschädigung zusätzlich – sofern die Fraktion mehr als 10 Mitglieder hat. Der/die erste stellvertretende Bürgermeister/in bekommt 791,40 Euro Aufwandsentschädigung zusätzlich zum Ratsentgelt, der/die Zweite immerhin 395,70 Euro pro Monat.

Da kann man sich gut ein Tablet seiner Wahl selbst kaufen.

Außerdem heißt es ALLRIS bietet eine passgenaue, benutzerfreundliche App für die mobile Nutzung an, mit der alle sitzungsrelevanten Informationen und Termine auch für den Offlinebetrieb verfügbar werden. Die App hat mir von Anfang an nicht gefallen. Auf dem Nexus 7 habe ich sie ein paar Mal aufgerufen, aber für eine Sitzung ist mir ein PDF auf dem Tablet deutlich lieber! Außerdem meint der Hersteller mir vorschreiben zu müssen, womit ich sie nutze. Auf meinem Nexus 4 kann ich das Allris nämlich nicht installieren. Laut Auskunft des Herstellers, weil das Display zu klein ist. Das soll er mal meine Sorge sein lassen! Kann ich schon nicht leiden, so ein Gebaren. Die Allris-Seite im Netz funktioniert auf dem Laptop ganz ordentlich, leider hat die Verwaltung die mobile Ansicht nicht dazu gekauft. So ist es ein Graus kurz mit dem Smartphone was nachzuschauen. Obwohl ich das trotzdem schon mehrfach gemacht habe.

Ich will auch kein krepeliges Ipad! Und wenn man für 44 Ratsmitglieder Ipads kauft … wie soll man dann sparen? Liebe Verwaltung, habt ihr den DAU-Support mit eingerechnet? Die gerissenen Displays? Die ausgeleierten Ladebuchsen? Von Anfang an habe ich in den vorbereitenden Workshops gesagt, dass ein Gerätekauf durch die Verwaltung ausgeschlossen sein muss!

Ich würde mir für den Fall, dass dieser Beschluss so durchgeht (Was ich mir vorstellen kann, es gibt Ipads für Umme und ich wurde schon gleich gefragt “Die darf ich dann doch auch privat nutzen, oder?”!) lieber ein Nexus 9 holen. Ich habe hier keine Apple-Infrastruktur und ich bezweifle, dass die meisten Ratsmitglieder diese haben. Das Nexus ist deutlich günstiger als ein Ipad und man kann mehr damit machen. Warum nan die Geräte leihweise überlässt, erschließt sich mir auch nicht. Die Ratsperiode dauert aktuell 6 Jahre, normalerweise fünf. Nach diesem Nutzungszeitraum sind die Dinger erledigt und können nicht für die nächste Ratsperiode eingesetzt werden, so dass dann neue Geräte angeschafft werden. Ganz ausgezeichnete Spar-Idee! Alle fünf Jahre den Ratsmitgliedern neue Ipads zu schenken leihweise zu überlassen.

Außerdem – und das habe ich ebenfalls immer schon gesagt – habe ich für die Sitzungen an denen ich teilnehme, sehr gerne gedrucktes Papier. Wenn es denn so sein soll, drucke ich meinetwegen auch selbst. Geld für einen Drucker und Papier ist wohl in der Entschädigung drin. Allerdings spart die Verwaltung garantiert mehr, wenn sie nur noch die Druckvorlagen papiermäßig an die teilnehmenden Ausschussmitglieder verteilt, keine Ipads kauft, keinen Support für die Dinger leistet und den Rest mit dem Allris allein lässt.

Ach, und statt Durch eine Erhöhung der Bandbreite des vorhandenen WLAN-Angebotes in den Sitzungsräumen im Rathaus I wird allen Ratsmitgliedern gleichzeitig kostenfreies Arbeiten über den Internetzugang ermöglicht. … Da in den Sitzungen bereits verstärkt Mitglieder mit mobilen Geräten angetroffen werden und parallel auch deren Nachfrage nach WLAN-Zugangsdaten gestiegen ist, wird davon ausgegangen, dass inzwischen ein großer Anteil der sonstigen Mitglieder das Ratsinformationssystem nutzen kann und will. einem komerziellen Anbieter für das WLAN Geld zu geben, könnte man auch einfach ein paar Freifunk-Router aufstellen. Andere Kommunen machen das schon! Die brauchen auch keine Passwörter. Beim Einrichten helfe ich gerne. Ich sponsore auch 3 Stück für das Rathaus, falls die Verwaltung keine 60 Euro übrig hat!

Was auch noch angepriesen wird ist Mit der verbesserten Möglichkeit der Informationsbereitstellung über einen elektronischen Sitzungsdienst wird sich der Mandatsträger praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit komplett informieren und mit anderen Anwendern austauschen können – und das nicht nur über aktuell anstehende Sitzungen. Aktuell finde ich unter “Foren/Notizen” exakt 0 Einträge – seit immer. Stop, stimmt nicht, jahrelang stand ein Testeintrag von mir unkommentiert im System. Also mindestens mit mir will niemand kommunizieren und öffentlich offensichtlich auch nicht. Was andere untereinander schreiben, sehe ich nicht. Ich gehe davon aus, dass es nicht passiert und ich will das auch nicht! Ich werde doch einen politischen Austausch, welcher auch Themen der Verwaltung tangiert, nicht auf einem Server, welcher von der Verwaltung betrieben oder mindestens administriert wird, abwickeln! Auch werde ich meine Notizen zu TOPs und Sitzungen natürlich nicht auf einem Verwaltungsserver speichern. Da wird allerorten über Datensicherheit geredet – u.a. auch wenn man gegen Freifunk Argumente sucht – und dann soll ich auf einem System speichern, von dem ich nicht weiß wer Zugriff hat? Nicht wirklich!

Und dann ganz am Schluß: Bei Einführung der papierlosen Gremienarbeit ist mit einer jährlichen Ersparnis von 5.500,00 € zu rechnen. Ernsthaft? Für 5.500 Euro? Die Probleme im Haushalt liegen tatsächlich wo ganz anders. Und wenn man durch weniger Papier sparen möchte, dann habe ich oben schon geschrieben, wie das gehen kann. Ganz ohne Investition und Support durch die Verwaltung. Leider ist es ganz oft so, dass man keine Vergleichsmöglichkeiten vorgelegt bekommt.

Wenn mich jetzt noch jemand fragt: “Warum hast Du das alles nicht vorher gesagt?” … habe ich.

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2 Kommentare zu “Ipads für alle Ratsmitglieder
  1. Lars Kasper sagt:

    iPads sind qualitativ ganz hervorragende Geräte, gerissene Displays und ausgeleierte Ladebuchsen und andere Defekte sind da sehr selten (verglichen mit anderer Hardware). Wenn man wirklich eine größere Gruppe an Leuten mit qualitativ hochwertigen und relativ wartungsarmen Tablets ausstatten möchte, sind die schon eine gute Wahl. Es ist auch nicht unbedingt Apple-Infrastruktur nötig, die iGeräte funktionieren auch mit Windows, allerdings nicht so gut mit Linux; wobei man mittlerweile auch – je nach Anwendungszweck – komplett ohne »richtigen« Computer auskommt, wenn man sich auf »die Cloud« (anderer Leute Computer; in Zeiten von NSA, GCHQ, BND usw. will man das aber eigentlich lieber nicht) verläßt.

    ABER!

    Viele Leute haben schon ein gut funktionierendes Tablet. Und sind eben ein anderes System als iOS gewöhnt, eben Android. Warum sollte man die zwingen, etwas anders zu nutzen, was sie nicht benötigen und gar nicht wollen? Und dafür noch viel Geld ausgeben?

    Tablets und iPads sind toll. Besonders zum Lesen. Für umfangreichere Notizen braucht man dann schon eine externe Tastatur; für umfangreiche Dokumentbearbeitungen vielleicht auch andere Software – und damit ein Notebook oder einen anderen Computer. Deshalb wäre ist es extrem wichtig, daß die Informationen in einem verbreiteten, dokumentierten, offenen Datenformat angeboten werden, also zum Beispiel PDF und (sich einfach an unterschiedlichste Geräte anpassendem) HTML. Nicht in irgendwelchen Apps, die nur (mehr oder weniger gut) auf iOS und vielleicht auch Android funktionieren.

    Dieses wäre ein viel wichtigerer, erster Schritt. Die Informationen als PDF (und HTML und TXT und LibreOffice) anbieten.

    Wenn ein Ratsmitglied dann ein iPad oder ein anderes Tablet haben möchte, dann soll es sich das selbst kaufen – oder in einer Ratssammelbestellung für eine kleinere Neunutzergruppe, dann meinetwegen auch mit Einführungskursen und Wartung inklusive. Aber bitte nicht – und das sage ich als iPad- und Apple-, aber auch als Linux- und andere Freie-Software-Nutzer – ein bestimmtes System (wie das iPad) allen aufzwingen.

    Bei dem iPad gehe ich übrigens nur von drei bis vier Jahren ordentlicher Nutzungszeit aus. Nach drei Jahren ist davon auszugehen, daß der Akku etwas schwach wird. Apple bemüht sich, möglichst lange neue Betriebssystemversionen zur Verfügung zu stellen, auch für einige Jahre alte Geräte (im Gegensatz zu Google und den Android-nutzenden Herstellern, wo neuste Versionen nur sehr schleppend bis gar nicht auf die Geräte kommen), aber nach drei Jahren sollte man davon ausgehen, daß keine iOS-Updates mehr angeboten werden – und so auch keine Sicherheitslücken mehr gestopft werden! Tatsächlich müßten also alle drei Jahre neue Geräte angeschafft werden. Und natürlich Ersatzgeräte, denn den einen oder anderen Defekt wird es schon geben, trotz recht hoher Qualität.

    Sinnvoll und sparsam wäre also:

    1. Ratsinformationen grundsätzlich als PDF, HTML, TXT, LibreOffice zur Verfügung stellen. Das funktioniert auf allen Geräten. (Nicht nur in iOS und Android.)

    2. Sitzungs- und Ausschußteilnehmern auf deren Wunsch weiterhin Papierausdrucke zur Verfügung stellen. (Aber nicht allen alles.)

    3. Sammelbestell- mit Einführungskursmöglichkeit für die Ratsmitglieder bieten, die ein iPad wünschen. An dem sie sich finanziell beteiligen sollten.

    4. Freifunk im Rathaus anbieten.

    So würde man »das Richtige« tun und dabei noch sparen.

    • Andreas sagt:

      Wir sind einer Meinung.

      Die aufgeführten möglichen Schäden sind auch keineswegs Ipad-typisch gemeint. Das kann bei jedem Gerät auftreten und eher durch den User zu verantworten. Aber aus meiner Erfahrung heraus, kommt genau das vor. Vor allen Dingen bei 44 Nutzern … Den Rest habe ich ja so beschrieben wie Du ;-)

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