Ich bin kein Kampfradler und will auch keiner sein

Thorben hat mich via Twitter auf einen Artikel in der Zeit aufmerksam gemacht, in dem zwei Radfahrer ihre Sicht zum Straßenverkehr und Ramsauers Buzzword „Kampfradler“ erklären: Zeit.de: Jeder Radfahrer muss ab und zu kampfradeln
… Für uns Radfahrer ist jeder Tag auf der Straße ein Kampf. Nur: Wir haben ihn nicht angefangen. Es ging uns nicht darum, den Autofahrern im Alltag den Krieg zu erklären. Aber solange die Politik nichts für Radfahrer tut, rufen wir dazu auf, sich kampfradlerisch zu verhalten …
Einige der Aussagen in dem Artikel sind goldrichtig und wahrscheinlich sind Herr Siemering und Herr Dechert und ich auch in der Sache völlig einer Meinung, aber ich möchte den unseligen Begriff „Kampfradler“ gar nicht weiter etablieren. Natürlich benutze ich die Fahrbahn, wenn ich – aus welchen Gründen auch immer – den Radweg nicht benutzen kann. Das hat nichts mit Kampf zu tun, das ist in der StVO so vorgesehen. Wenn vor’m Autoteilehändler wieder mal der Lieferwagen quer über den Radweg parkt, wo soll ich denn sonst hin?

Und wenn ich dann die Fahrbahn nutze, sehen dass sicher viele Autofahrer als Kampfansage. Das ist aber komplette Unwissenheit, bis Ignoranz. Habe ich letztlich in einem Gespräch wieder mal völlig konsterniert feststellen müssen. Die meisten kennen die Regeln einfach schlicht nicht. Vor dem Hintergrund möchte ich als jemand der dann nichts anderes macht, als sich an die für andere Menschen unbekannten Regeln zu halten, nicht als „Kampfradler“ bezeichnet werden. Begibt man sich auf diese Ebene und lässt sich von Autofahrern dieses Label aufdrücken, fühlen diese sich letztendlich nur bestätigt und ein Lernprozess wird niemals einsetzen.

Wie gesagt, es ist alles richtig was die beiden sagen, nur darf es kein Kampf sein. Ist es ja auch nicht. Es ist mehr Krampf, weil die große, tumbe Mehrheit hinter dem Lenkrad keinen Bock hat, sich um Verkehrspolitik zu kümmern. Ich habe PS, also habe ich Recht. Daran muss gearbeitet werden. Das gelingt aber nicht dadurch, dass man diese Zielgruppe auch noch verbal provoziert.

[Update] Gibt noch andere, die das so sehen wie ich: radfahreralltag.de
Und hier ist die Seite der Kampagne.

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Ein Kommentar zu “Ich bin kein Kampfradler und will auch keiner sein
  1. Kampfhahn sagt:

    Einspruch! Das Verhalten vieler Autofahrer gegenüber Radfahrern auf der Fahrbahn resultiert nicht nur aus Unwissenheit und Ignoranz. Selbst wenn ein Autofahrer nicht weiß, ob ein Radfahrer überhaupt das Recht hat, auf der Fahrbahn zu fahren, gibt ihm das noch lange nicht das Recht, diesen in wenigen Zentimetern Abstand zu überholen und ihn damit zu gefährden!

    Wenn Autofahrer denken, der Radler verhält sich verkehrswidrig, haben sie die Möglichkeit, ihn darauf aufmerksam zu machen. Attakieren sie ihn stattdesen durch provozierende Fahrmanöver, dann trifft der Begriff „Kampf“ leider doch zu. Wie soll man dieses Verhalten sonst bezeichnen?

    Keinen Bock auf Verkehrspolitik zu haben und Radfahrer zu drangsalieren sind zwei völlig verschiedene Dinge.

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