Unterschiedliche Wahrnehmung von Anschlägen

In Brüssel starben viele Menschen bei Selbstmordattentaten der Arschlöcher des IS – zumindest hatte letzterer sich zügig dazu bekannt. Das ist schrecklich. Natürlich geht sogleich eine Welle der Anteilnahme durch die Medien, alle sind betroffen, fühlen mit, drücken ihr Beileid aus. Politiker durchaus mit in den ersten Reihen.

Gleichzeitig nehmen das Ewiggestrige und Unsympathen zum Anlass, erneut auf die Flüchtlinge zu schimpfen, die das ja alles zu uns gebracht haben und die an allem Schuld sind. Liebe Leute, die Flüchtlinge fliehen vor den gleichen Arschlöchern in ihrem Land, die exakt die gleichen Anschläge verüben. So sieht das aus.

Und ich finde es äußerst befremdlich, wenn wegen eines Anschlags bei uns sofort selbstauferlegte Staatstrauer durch die Medien rollt und bei den deutlich häufigeren und oft deutlich schlimmeren Anschlägen, die nur ein paar tausend Kilometer entfernt verübt werden, genau das nicht passiert. Wir sind alle die gleichen Menschen. Und eine Frau, ein Kind und der Vater, welche auf einem Marktplatz in Mukdadija sterben sind genauso beklagenswert und lösen bei mir das gleiche Mitgefühl aus, wie Menschen in Brüssel, Paris oder New York. Es sind nämlich die gleichen Menschen! Und sie sind nicht einen Deut weniger wert als wir.

Darum werden meine Avatare auch nicht mit Flaggenoverlays verziert, ich trage mich in keine Kondolenzbücher ein und ich poste auch keine Bildchen mit Sinnsprüchen. Ich bin – wenn ich in die Nachrichten sehe – eigentlich rund um die Uhr konsterniert, ratlos und wütend. Nicht nur wenn zufällig eine Bombe “bei uns” hochgeht. Lasst uns lieber endlich mal genauso laut darüber reden, warum das passiert, wie wir darüber jammern, was passiert. Hört endlich mit den Waffen auf, unterstützt die Terroristen nicht auch noch. Sagt Staatschefs, dass es Scheiße ist, Frauen zu köpfen oder unliebsame Journalisten wegzusperren. Sagt das, liebe Bundespolitiker. Das ist eure verdammte Aufgabe – nicht der Dax!

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Ein Kommentar zu “Unterschiedliche Wahrnehmung von Anschlägen
  1. Jörg Zander sagt:

    Es gibt einen weiteren Aspekt der hier im “Westen” nicht wirklich zur Kenntnis genommen wird. Unsere “zivilisierte” Welt glaubt tatsächlich “wir sind die Guten”. Das Gegenteil will niemand hören bzw. wahrhaben.
    Ich empfehle das Buch von Jürgen Todenhöfer, Inside IS zu lesen. Ab Seite 17 oder noch direkter Seite 18 bis min. Seite 23 wird hier aufgezeigt was unserer doch so hoch entwickelter Westen mit den Menschen in den vermeintlichen “Schurkenstaaten” treibt.
    Ich will damit nicht den Terrorismus als “gut oder nötig” erklären aber was uns hier widerfährt haben wir zu großen teilen selber zu verantworten……

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