Maßlosigkeit und Krisen

Ich hatte ja schon erwähnt, dass der ehemalige Finanzminister Hans Eichel in seiner Rede anlässlich des Aschermittwochempfangs im Wittekindshof Bad Oeynhausen einige gute Thesen vertrat. So habe ich auch schon in Gesprächen erwähnt, dass die Gierigkeit der Investoren nicht unmaßgeblich Schuld an der derzeitigen Situation ist. Eichel erklärte, dass z.B. ein kleiner Unternehmer/Handwerker eine Maschine kauft und die über einen längeren Zeitraum finanzieren muss. Dem Unternehmer ist klar, dass sich diese Investition über eben diesen Zeitraum amortisieren wird und nicht in einem Quartal. Finanzinvestoren rechnen aber nicht in so langen Perioden. Das Geld soll schnell fließen! Nun ist ein kleiner Krauter weit von Finanzinvestoren entfernt, aber auch in der Automobilindustrie dauert z.B. die Markteinführung eines neuen Fahrzeugs (vom ersten Entwurf bis zur Ausmerzung der Kinderkrankheiten) ein gutes halbes Jahrzehnt. Wie kann man da mit Gewinnen in Quartalen rechnen?

Weiterhin hatte Herr Eichel den Handel mit Optionen auf Produkte (seien es nun Versicherungen, Kredite oder Vorkaufsrechte) auf dem Kieker. Und auch hier stimme ich ihm zu. Welchen produktiven und mit normalen Menschenverstand zu begreifenden Sinn macht es mit einem Produkt zu einem Produkt zu einem Produkt zu handeln? Das ist nichts anderes als pures Glücksspiel. Da stecken keine Werte dahinter, sondern es blähen sich riesige Geldblasen auf, die zwangsläufig irgendwann platzen. Stimmt nicht? Nun, wie ist denn die letzte Finanzkrise entstanden? Plötzlich war das eigentliche Produkt (Immobilienkredite in den USA) nichts mehr wert und alles was darum herum gestrickt worden war (Fonds, Verbriefungen etc.) auch nicht … der Rest ist bekannt.

Wenn ich mit Kartoffeln handele, dann habe ich Kartoffeln und jemand anderes möchte sie haben. Es ist womöglich sinnvoll, einen Preis für die Zukunft auszuhandeln für eine bestimmte Menge Kartoffeln und diese dann zu kaufen. Es ist aber ein reines Glücksspiel diesen ausgehandelten Preis widerum weiter zu verkaufen und noch mal und noch mal an jemanden, der gar keine Kartoffeln haben möchte. Im Gegenteil, das geht irgendwann nicht mehr gut. Bei dieser Art Spiel wird nichts produziert und der Gewinn der womöglich bei Leuten entsteht, die gar keine Kartoffeln haben möchten, wird von wem bezahlt? Genau: vom Konsumenten (damit es deutlich wird: von Dir!).

Weiterhin habe ich ja schon immer gesagt, dass ab einer bestimmten Ebene Manager und Unternehmensleitung keine Verantwortung tragen! Die bekommen soviel Geld – vor allen Dingen nachdem sie Murks gemacht haben und freigestellt werden – dass es zu gar keiner langfristigen und nachhaltigen Auseinandersetzung mit den entstehenden Problemen kommen kann. Auch hier war Herr Eichel mit seiner Meinung sehr nach meiner Mütze. Manager verhandeln ein Grundgehalt mit einem oftmals nicht unbeträchtlichen Bonianteil. Daher haben sie natürlich großes Interesse an kurzfritigen Erfolgen, denn nur diese schlagen sich auf die jährlichen Boni und somit ihr Einkommen nieder. Zusätzlich werden in diesen Arbeitsverträgen großzügige Abfindungen vereinbart – weiß denn der Manager, was nach seiner aktiven Zeit kommt und wie lange diese dauert? Dann doch gleich vor- und aussorgen. Beides führt dazu, dass er nichts zu verlieren hat. Schnelle Gewinne bringen schnelle, hohe Boni, diese sind kontraproduktiv für die meisten langfristig agierenden Unternehmen und da das dann zu Problemen führt, wird der Manager freigesetzt und bekommt dafür noch eine fürstliche Abfindung. Wie soll bei so einer Konstellation ein nachhaltiges Wirtschaften zustande kommen?

Was würde wohl passieren, wenn alle “normalen” Arbeitnehmer Verträge hätten, die ihnen im Falle des Ausscheidens (aus welchen Gründen auch immer) Abfindungen garantierten? Abfindungen, die ein jahrelanges (bis ans Ende ihrer Tage!), sorgenfreies Leben ermöglichen würden?

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