Whisky-Tasting

Zum 6. Mal ist William G. Robertson bereits in Löhne in der Werretalhalle (bzw. in einem der kleineren Veranstaltungsräume im unteren Teil) und stellt hochprozentige Leckereien aus seiner Heimat Schottland vor. Leider habe ich nicht alle dieser Verköstigungen mitgemacht, saß aber nun doch schon zum dritten Mal in der wie immer ausverkauften Veranstaltung.

William Robertson war gewohnt symphatisch und mit seinem Akzent und Anekdoten sehr kurzweilig anzuhören. Zwar kannte ich nach 2 bereits besuchten Tastings viele Sprüche schon, aber auch einige Gäste die tatsächlich zum 6. Mal da waren, haben sich sich bestens unterhalten. Running Gag des Abends war mein Sitznachbar, der gebürtig aus Cambridge kam und die “Differenzen” zwischen den beiden benachbarten Inselländern sorgten für manchen Lacher. Die beiden haben sich aber in einer kleinen Pause ganz nett unterhalten.

Nach ca. einer Viertelstunde Grundkurs in Whiskykunde gab es dann das erste Glas des Abends. Der Auchentoshan ist ein 8jähriger Lowland-Whisky mit 43% Alkoholgehalt. Die Besonderheit war die dreifache Destillation. In vergangenen Kursen hat Robertson noch gerne erzählt, dass die Amerikaner ihren Bourbon nur einmal destillieren und dass es deshalb nicht klappen kann. Die Iren destillieren dreifach … weil die ersten beiden Destillationen nichts bringen und nur die Schotten mit zweifach Destillation alles richtig machen. Nunja, nun fangen die auch ihren Schnaps öfter zu brennen. Das Ergebnis ist ein sehr heller, strohgelber Whisky, der sehr frisch und fruchtig in der Nase ist. Ganz leicht erkennt man den Sherry aus den Fässern.

Der Geschmack ist ganz leicht rauchig, süßlich und schwer – fast cremig und so gut wie keine Schärfe im Hals. Lange nachschmecken tut man den Auchentoshan nicht. Gefiel mir schon ganz gut für den Anfang. Aber erfahrungsgemäß beginnt Herr Robertson zur Einstimmung mit einem schwächeren Kaliber.

Danach gab’s einen Auchroisk von der Speyside. Der Whisky wurde 1992 destilliert und von Murray Mc David mit einem Alkoholgehalt von 46% in Flaschen abgefüllt, nachdem er 10 Jahre in Bourbon-Fässern und danach 5 Jahre in vorher für Rotwein benutzen Fässern lagerte. Es handelte sich hier um eine Jahrgangsabfüllung, bei der wirklich nur Fässer aus 1992 verwendet wurden. Die Farbe ist aufgrund des Weins wunderschön dunkelbraun. Geschmacklich fand ich ihn gar nicht so weit vom Auchentoshan entfernt. Sehr, sehr mild, warm und eigentlich kein Rauch. Dafür Spuren von Südfrüchten und ein wenig Nuß. Lecker!

Ebenfalls an der Speyside wurde der Star des Abends destilliert und abgefüllt. Lediglich 291 Flaschen des Macallan wurden aus einem 1988 mit Destillat gefüllten Sherryfass nach 20 Jahren gewonnen. Nach 2 Jahrzehnten hatte der Single-Cask Whisky immer noch 54,2% Alkoholgehalt und lockte mit einer wunderbar goldgelben Farbe – genauso wie man sich einen Whisky vorstellt! Beim obligatorischen “riechen” am Glas wurde schon klar, dass man hier ein wenig Rauch erwarten durfte. Aber auch Orangen – Robertson erwähnte noch Rosinen, die ich aber beim besten Willen nicht erkennen konnte. Der Macallan läuft warm die Zunge entlang und enfaltet einen vollen, weichen Geschmack im Mund. Auch nachdem die Flüsigkeit längst verschwunden ist, bleibt der Geschmack. Nicht ganz zufrieden war ich mit dem Preis. Soviel Exklusivität und Qualität hat natürlich seinen Preis. Für 100 Euro konnte man eine der numerierten Flaschen nach dem Tasting mit nach Hause nehmen. Ich konnte mich beherrschen ;-)

Das war schwierig zu toppen. Also was Extravagantes. Vom Benriach gibt es ca. 4 mal so viele Flaschen wie von dem Macallan. Der Highland-Whisky von 1994 hat eine hellgelbe, klare Farbe und schon die erste Nase machte klar, was da kommt! Torf und Rauch. Das roch wie in unserer alten Wurstkammer im Keller. Ich hatte echt sofort abgehangenen Schinken im Kopf und das Wasser lief mir im Mund zusammen. Und was soll ich sagen, das blieb auch beim Trinken so. Ganz eindeutig war hier zu schmecken, dass die Gerste für den Whisky über Torf getrocknet wird. Ein wenig nussig und das Eichenfass war auszumachen, aber ansonsten dominierte schon der Rauch. Auch sehr lecker. Vor allen Dingen da er dabei kein bißchen scharf oder streng schmeckte.

Zum Abschluß kredenzte uns William G. Robertson – wie bei den letzten Malen – etwas sehr eigenwilliges. Schon der Name Big Smoke macht deutlich, wohin die Reise geht. Wir sind auf der Insel Islay in der Destillerie Aardberg, die uns hier eine 10jährige Abfüllung präsentierte. Der Big Smoke sieht gar nicht nach seinem Namen aus und ist hell und fast durchsichtig im Glas. Dafür sollte man die Nase nicht unvorbereitet über das Glas halten. 60% Alkohol sind ein Wort und das zweite sind die mehr als 25 ppm Phenol. Himmel, da war ja noch Feuer im Glas. Inseltypisch schmeckte man das Meer, Salz und eben Rauch vermischt mit Rauch. Mit viel Wohlwollen konnte ich noch ein bißchen Nuß entdecken. Der Big Smoke ist nicht für Anfänger. Scharf, brennt lange nach, hat mir aber durchaus ein bißchen gefallen. Aber eine ganze Flasche würde ich mir davon nicht ins Regal stellen. Das ist eher was für so eine Verköstigung, um zu zeigen was es alles gibt. Da passt er dann aber ganz ausgezeichnet!

Meine Reihenfolge für diesen Abend:
1. Macallan, single-cask, 20 Jahre, 54,2%
2. Auchroisk, Jahrgangsabfüllung, 15 Jahre (davon 5 im Rotweinfass), 46%
3. Benriach, Dest.-Abfüllung, 12 Jahre, 43%
4. Auchentoshan, 8 Jahre, dreifach destilliert, 43%
5. Big Smoke, Abf. DTC, 10 Jahre, 60%

Nächstes Jahr wieder!

Über

Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

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