Mit dem Fahrrad „verkehrt“ in die Einbahnstraße am Westkorso

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Den Westkorso dürfen Fahrradfahrende auch von „unten nach oben“ befahren – also in südlicher Richtung. Für Autos ist diese Straße mitten im Kurpark weitestgehend eine Einbahnstraße. Lediglich vom Parkplatz der Bali-Therme aus, darf man das obere Stück mit einem Kraftfahrzeug ebenfalls in südlicher Richtung befahren. Insgesamt ist auf dem Westkorso richtig was los. Da kommt ein Auto nach dem anderen runter – und das beileibe nicht langsam!

An der Einmündung der Herforder Straße wurde es für Radfahrende, die von der Herforder nach links in den Westkorso wollten, ein wenig problematisch. Zwar war dort auf der westlichen Seite ein handtuchbreiter Streifen markiert, welcher den Radverkehr führen sollte, blöderweise lag der aber in der ebenfalls markierten Linksabbiegespur für die aus der Gegenrichtung kommenden KFZ. Dadurch hatte man den schönen Effekt, dass man als in die Straße einbiegender Fahrradfahrer vor der Motorhaube eines von oben kommenden KFZ stand. Und das Gezeter war groß.

Das wurde erkannt und im Rahmen des Masterplan klimafreundlichen Mobilität wurde im Ausschuss für Stadtentwicklung am 11.06.2015 unter anderem die Maßnahme 10b beraten.
0b: Einrichtung von Schutzstreifen auf der Herforder Straße
Zu der Planung der Schutzstreifen an der Herforder Straße (von Brunnenstraße bis Stadtgrenze), wurde die Radverkehrsführung am unteren Westkorso hinzugenommen. Hier soll der Radweg, der gegen die Einbahnstraßenrichtung verläuft, verkehrssicherer gestaltet werden. Ein Antrag für Fördermittel wurde gestellt. Kosten ca. 21.600€ sind bereits im Haushalt veranschlagt.

Beschlossen wurde speziell dieser Punkt allerdings nicht so richtig. Da wir leider keine Wortprotokolle haben, ist nicht mehr erkennbar, dass ich gegen die Änderung der Markierung auf dem Westkorso nichts hatte, allerdings auf der Herforder Straße keine Schutzstreifen möchte. Der einstimmige Beschluss lautete demnach
Im Laufe der Beratungen konnte Einigkeit erzielt werden, dass dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zugestimmt werden soll, mit Ausnahme der Maßnahme 10b: Einrichtung von Schutzstreifen auf der Herforder Straße.

Beschluss:
Die Umsetzung des ersten Bündels kurzfristig umsetzbarer Maßnahmen im Radverkehr aus dem „Masterplan klimafreundliche Mobilität“ wird beschlossen.

Letztlich wurde die wirklich üble Markierung auf dem Westkorso irgendwann im Juni diesen Jahres (nur zwei Jahre!) geändert. Ich habe dazu damals nichts geschrieben, obwohl mich die Verwaltung sogar extra gefragt hat, ob der ADFC die neue Markierung schon „abgenommen“ hat :-) Wohl aber war ich am 10.06. diesen Jahres – kurz nach Umsetzung – vor Ort und habe mir das mal angesehen.

Einmündung des Westkorso in die Herforder Straße


Aus einer Rechts- und einer Linksabbiegespur für Autos ist eine einzige (ziemlich breite) geworden und der Streifen für den Radverkehr ist ein paar Zentimeter breiter geworden. Autos fuhren dort morgens auch schon reichlich die Straße runter – und keiner wusste, was es mit dem Streifen auf sich hat.

Zum Linksabbiegen ordnet man sich links ein.


Mindestens mit Reifenbreite sind alle über den Streifen gefahren. Ich hatte an dem Morgen nicht so viel Zeit, weil ich noch nach Minden zur 25-Jahr-Feier des ADFC Minden wollte. Mit einer Dame sprach ich trotzdem, weil sie wissen wollte, was ich dort fotografierte. Die war dann nach ein paar Sätzen auch sehr erstaunt und verstand worum es ging. Wusste sie nicht!

Jetzt, vier Monate später, bin ich in der Mittagspause noch mal hingegangen, um zu dokumentieren wie es dort jetzt läuft. Auslöser war jemand, der mich am Samstag fast den Westkorso mit seinem Auto hinunter geschoben hat, weil ich mich (ebenfalls im Auto) an die vorgegebenen 30 km/h gehalten habe. Ich wurde dann unten an der Einmündung auch noch lautstark belehrt – und natürlich stand der Mann neben mir komplett auf dem Radstreifen.

Es wird sich immer schön eingeordnet, der Schutzstreifen komplett ignoriert.


Dabei fahren die KFZ im Einmündungsbereich dann meist vom Streifen wieder runter.


Und es sind nicht nur die „dicken Kutschen“, die sich nicht an Regeln halten.


Zum einen wird die Straße weiterhin zweispurig genutzt, zum anderen hat sich die Fahrerin des Polos ganz rechts sogar noch den Weg frei gehupt!


Der Fahrer dieses Transporters war ein besonderer Spaßvogel und sagte mir ungefragt (Ich habe nur fotografiert!) er würde ja nur mit zwei Rädern auf der Spur fahren. Depp des Tages.


Man kann also festhalten, dass diese Maßnahme ganz exakt gar nichts gebracht hat. Der Gedanke ist gut, so wie es vorher war, war’s ’ne Katastrophe, aber genutzt hat die Pinselei leider nichts. Das liegt aber weniger an dem Streifen, denn am Unwillen der KFZ-Fahrenden. Die waren sich – wie man am Beispiel des Transporters gut erkennt – ihres Fehlverhaltens zum Teil durchaus bewusst. Es interessiert bloss keinen!

Der Fahrer eines Bullis dachte sogar, ich wollte über die Fahrbahn und hat mir mehrfach bedeutet, ich könne gehen. Als er dann verstanden hat, dass ich nicht rüber wollte, ist er vorbei gefahren … und stand mitten auf der Radspur. Das war dann der einzige Fahrer, den ich angesprochen habe. Er wäre so höflich und nett gewesen und nun würde er den ganzen Eindruck zunichte machen! Er gab dann an, es wäre doch gar kein Fahrradfahrer zu sehen – und war sehr überrascht, als ich ihm erklärte dass die Spur für den Gegenverkehr sei und er doch gar nicht um die Ecke gucken könne. Erstaunlicherweise hat er sich dann aber sofort nach rechts orientiert, sogar obwohl er warten musste, weil natürlich alle wieder zweispurig standen. Und als er rechts rüber fuhr, wollte natürlich sofort wieder jemand links über die Radspur vorbei.

Ich würde auf die weiße Linie einfach noch diese kleinen Kunststofffahnen platzieren. Die klackern unter dem Auto, wenn man sie überfährt und machen Kratzer an den lackierten Frontspoiler. Das würde helfen. Und man sollte den Streifen breiter machen, der entspricht keinerlei Mindestmaß. Und hilfreich wäre auch ein Parkverbot auf dem Westkorso selbst.

Also liebe Verwaltung, ist jetzt „abgenommen“ ;-) und für „gut gemeint“ und schlecht umgesetzt befunden.

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2 Kommentare zu “Mit dem Fahrrad „verkehrt“ in die Einbahnstraße am Westkorso
  1. Martin sagt:

    Hallo Andreas,

    ich gestehe, ich gehöre auch zu den Dummis, die diese seltsame Regelung nicht verstehen.
    Ich halte aber die Regel, dass Radfahrer entgegen der Einbahnstraße fahren dürfen für ausgemachten Bullsh….
    Ich fahre selber viel Rad, würde aber nicht auf die Idee kommen gerade den Westkorso in falscher Richtung zu befahren.
    Eben weil ich weiß, dass es vielen Autofahrern so geht wie mir, die immer noch der Meinung sind, dass sie in einer Einbahnstraße (der Name sagt es bereits!) kein Gegenverkehr erwartet.
    Dazu kommt, dass sich mancher (?) Autofahrer gerade im Stadtgebiet mit Tempo 30 Zonen nicht an die Geschwindigkeit hält.
    Ich habe mich in letzter Zeit mal durch einige Radfahrer-Seiten gelesen und komme immer mehr zu dem Schluss, dass auf deutschen Straßen „Krieg“ unter den Verkehrsteilnehmern herrscht.
    Fußgänger schimpfen über Radfahrer die durch Fußgängerzonen fahren, Radfahrer schimpfen über Autofahrer, die diese nicht als Verkehrsteilnehmer wahr nehmen, etc.
    Wo fängt es an, wo hört es auf.
    Darf ich Verkehrsteilnehmer auf ihr Fehlverhalten ansprechen?
    Artet dass dann in Pöbeleien oder sogar Schläge aus?
    Habe ich da Bock drauf??
    Eine Entzerrung dieser vielen Verrücktheiten und komplizierter Regelungen wird es nur geben, wenn die einzelnen Verkehrsgruppen räumlich voneinander getrennt würden.
    Warum eine Fahrradstraße in der Anlieger erlaubt sind??
    Das klingt für den normalen Autofahrer, der nur rudimentäre Verkehrskenntnisse besitzt nach Empfehlung.
    Ich bringe meine Kinder morgens mit dem Auto zur Schule, ergo bin ich Anlieger!
    Nochmal Bullsh…..
    Warum so ein Wischiwaschi? Ein Durchfahrtverboten-Schild mit dem Hinweis „Anlieger frei“, 3 Wochen regelmäßige Kontrolle durch die Polizei mit empfindlichen (!!!) Geldbußen und die Sache wäre für einige Zeit erledigt!
    Ich finde es gut, dass Du dich für den Radverkehr einsetzt. Du hast mir damit schon manchmal die Augen geöffnet.
    Ich bin aber auch offen dafür.
    Wenn es Dir aber gelingt, Paketboten, Taxifahrer oder auch sonstige Verkehrsteilnehmer dazu zu bringen, Verkehrsregeln zu beachten, Abstand zu halten und Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer zu nehmen, gebührt Dir der Friedensnobelpreis! ;o)

    Beste Grüße

    Martin

  2. Martin (ein anderer) sagt:

    Unwissenheit ist nur vorgeschoben.
    Das ist eine reine Trotzreaktion der Autofahrer.
    Kann ich bei uns gut vor Kreuzungen bei rechts markierten Schutzstreifen und ausreichend breiter Fahrbahn beobachten: der ein oder andere an dritter, vierter Position fährt mit dem Pkw bei roter Ampel bis an den Bordstein, nur um den Angebotsstreifen zu blockieren. Bei grün fährt er dann zur wieder zur Mitte und über die Kreuzung.
    Reiner Neid auf den Radfahrer, der aus solchen Konstrukten, mit denen ich übrigens noch nie gute Erfahrungen gemacht habe, einen Vorteil (gegen die Einbahns./rechts vorbei am Ampelstau) haben könnte.

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