Fahrrad in der Politik nur als Wirtschaftsfaktor

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Seit einiger Zeit gibt es einen “fraktionsübergreifenden Parlamentskreis Fahrrad” – womöglich ist das sowas ähnliches, wie der nun vor über einem Jahrzehnt gestartete “Runde Tisch für ein fahrradfreundliches Bad Oeynhausen”, der dann ziemlich sang-, klang- und erfolglos eingeschlafen ist. Vom ersten Fahrradbeauftragen noch halbwegs engagiert geleitet und verwaltet, hat die zweite Radverkehrsbeauftragte nichts damit zu tun haben wollen und zu Beginn ihrer Tätigkeit sogar geäußert, sie wolle lieber selbst etwas erarbeiten, statt auf die Arbeit in Schubladen zurück zu greifen. Nunja, Bad Oeynhausen ist kurz davor, in die AGFS aufgenommen zu werden … oder nicht?

Nun hat der Bundestag also auch so einen Kreis. Und im Bericht lese ich dann Radfahren.de vom 11.10.2018: Bundestag will Radverkehr fördern
Erklärtes Ziel des Kreises sei, eine „große Koalition für das Rad“ zu schmieden … Es ging um die Industrie, den Fachhandel, die Fahrrad-Start-Up-Szene sowie die neuen Möglichkeiten in der Logistik dank Lastenrädern. Auch Fahrradtourismus und die gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Vorteile des Radfahrens besprachen die Teilnehmer an diesem Abend.

Wahrscheinlich ist die Gründung dieses Kreises gut. Sagen jedenfalls viele andere. Allerdings lese ich im letzten Absatzes des Textes – der sich so auch auf anderen Seiten findet – zuviel Wirtschaftsfaktoren und zuwenig davon, dass das Rad eine Alternative für das Auto ist. Die wirtschaftlichen Faktoren ergeben sich daraus von ganz alleine. Man zäumt das Pferd meiner Meinung nach schon wieder von der falschen Seite auf. Wenn ich die Voraussetzungen schaffe, dass Fahrrad gefahren werden kann, dann machen das Menschen auch – teilweise sogar gerne. Stelle ich am Bahnhof Fahrradständer auf, dann sind die plötzlich auch voll. Baue ich einen Radschnellweg, dann wird der auch genutzt. Händler, Hersteller und Industrie sind dann ganz automatisch auch davon betroffen.

Wichtig ist meiner Meinung nach nicht, dass die Politik sich darum kümmert, wie es der Wirtschaft geht, sie muss dafür Sorgen, dass es für den Radverkehr sicherer wird und dieser für Menschen attraktiv ist. Das kann man durch geänderte Verkehrsregeln (Tempo-30 in Städten, Idaho-Stop etc. …) und durch eine positive Kommunikation lösen. Was die Wirtschaft dann daraus macht, sollte der Politik egal sein.

Übrigens ist meiner Überzeugung nach das Interesse der Politik an dem damaligen Runden Tisch in dem Augenblick gestorben, als die anwesenden, engagierten Bürger genau sowas forderten, ganz viel kritischen Stellen benennen konnten, gar Forrderungen stellten und gar nicht an einer Verschönerung der touristischen Wege interessiert waren.

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