Bad Oeynhausen will wieder mal “Fahrradfreundliche Stadt” werden

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Heute berichtet die Neue-Westfälische auf der Titelseite der Printausgabe vom erneuten Anlauf Bad Oeynhausens in die AGFS aufgenommen zu werden. Ich denke ja, davon sind wir immer noch viele, viele Jahre entfernt.


Bad Oeynhausen möchte also mal wieder fahrradfreundliche Stadt und in die AGFS aufgenommen werden. Nach zwei expliziten Absagen und einem grandios gescheiterten Versuch in 2008, das Thema erneut aufzurollen. Ich habe mich damals als Bürger mit an den Runden Tisch gesetzt und bin darüber sowohl in den ADFC als auch zu den Grünen gekommen. Das war so ziemlich alles, was sich für mich als Fahrradfahrerender geändert hat – neben etlichen Stunden Arbeit, deren Ergebnisse allesamt irgendwo versickert sind.

Bad Oeynhausen ist nach wie vor eine Autostadt. Als Alltagsradfahrender fühlt man sich eher wie ein störendes Element im Straßenverkehr und Tourismus auf dem Rad … nun, vielleicht nehme ich entsprechende Werbung auch einfach nicht wahr.

Dutzende Bürger haben sich in 2008 und 2009 in Arbeitsgruppen engagiert und viele sehr konkrete Vorschläge erarbeitet. Nur um recht schnell festzustellen, dass diese Dinge alle bekannt waren, da sie in der Vergangenheit in mehreren bereits bestehenden Konzepten erwähnt wurden. Zu allem Überfluss ist der “Runde Tisch für ein fahrradfreundliches Bad Oeynhausen” dann einfach eingeschlafen, von der Verwaltung war nichts mehr zu hören und die erarbeiten Vorschläge wurden lediglich in homöopathischen Dosen umgesetzt.

Wenn ich dann lese, dass solch gefährliche Ecken wie z.B. die bereits am 24.03.2010 beschlossene Ertüchtigung der Unterführung der Eidinghausener Straße aufgrund der desolaten Wirtschaftslage nicht umgesetzt wurden, frage ich mich, warum uns damals im Ausschuss ausdrücklich erklärt wurde, dass dies eine investive Maßnahme ist, die weder von der Haushaltssicherung, noch von der Haushaltskonsolidierung betroffen sei. Es ist einfach nicht gemacht worden! An der Sachlage hat sich seitdem dort nichts geändert. Genauso wie die bessere Anbindung im Bereich Rolandstr./Weserstr./Niederbecksener Str. für den Schülerverkehr (mit in der Druckvorlage geschätzten 3.000,– Euro ungleich günstiger übrigens) – am 11.06.2015 beschlossen, bisher nicht umgesetzt – trotz beständigem Nachfragen im Ausschuss.

Und wenn dann mal was umgesetzt wird, wie z.B. die Einrichtung von Fahrradstraßen oder die Aufhebung von gefährlichen Benutzungspflichten auf desolaten, weil jahrelang unsanierten und viel zu schmalen Radwegen, dann passiert dies ohne ausreichende Information und ohne dass es im Nachgang auch durchgesetzt wird. So sind die Fahrradstraßen immer noch Durchfahrtstraßen für den motorisierten Individualverkehr. Der geforderte und versprochene Umbau an Kreuzungen im Fahrradstraßenbereich ist noch nicht durchgeführt. Dazu war die Zeit zu kurz. Als in 2012 die Fahrradstraße im Verlauf der Bachstraße eingerichtet wurde, ist schon auf die Erfordernisse an Querungen hingewiesen worden, im speziellen wurden Grünlicht-Anforderungstaster für den Radverkehr gefordert. Sechs Jahre sind wirklich viel zu kurz, um entsprechende Maßnahmen zu planen.

Es reicht tatsächlich nicht, neue Fahrradabstellanlagen aufzustellen, die dann am Tag des Aufbaus sofort voll belegt sind und trotzdem nicht reichen, weil es eben viel mehr Radfahrende gibt. Auf der Fahrbahn wird man als Radfahrender geschnitten, eng überholt, angehupt oder mit der Wisch-Wasch-Anlage nass gemacht. An Einmündungen wird regelmäßig die Vorfahrt genommen und gerne wird auf den Radwegen auch geparkt. Bad Oeynhausen wirkt ein wenig unwillig, was den Alltagsradverkehr angeht. Das zeigt auch Platz 342 von 364 im Ranking der Städte bis 50.000 Einwohner des ADFC-Fahrradklimatest-2016.

Wie man es da im nächsten Jahr schaffen möchte, die Kriterien der AGFS zu erfüllen, ist mir schleierhaft. Fehlendes Interesse in Rat und Verwaltung war beim letzten Mal einer der Hauptgründe für die Ablehnung. Den gleichen Eindruck hatte und habe ich allerdings immer noch. Da hat sich meinem Empfinden nach nichts geändert.

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2 Kommentare zu “Bad Oeynhausen will wieder mal “Fahrradfreundliche Stadt” werden
  1. Norbert sagt:

    Erstaunlich, dass man mehrfach die Aufnahme nicht schaffen kann. Mitglieder wie Dortmund haben außerdem ein gleiches Tempo bei der Umsetzung.

    s. http://velocityruhr.net/blog/2018/04/24/oeffentliche-luftpumpe-in-dortmund-verzoegert-sich-um-jahre/

  2. H. Apfel sagt:

    Vielleicht sollte Bad Oeynhausen es mal mit der Bezeichnung “Radlhauptstadt” versuchen? Die ist ja wohl wieder freigeworden nachdem die bisherige “Radlhauptstadt” eingesehen hat das einen lautes “Mia samma Radlhauptstadt”-Gegröhle ohne Taten folgen zu lassen irgendwann der Lächerlichkeit preisgibt.

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