Wir brauchen keine Bäume! Früher war es auch warm!

Wir brauchen keine Bäume! Früher war es auch warm!
Nicht das dichteste Laub im Kurpark.

Am 09.06.2026 hat CDU in Bad Oeynhausen zusammen mit der AfD im Umweltausschuss für die Abschaffung der Baumschutzsatzung gestimmt. Einen Monat später wurde dieser Beschluss mit dem gleichen Stimmverhältnis in der Ratssitzung am 09.07. bestätigt und wir haben nun keine explizite Baumschutzsatzung mehr. Diese hatte in der Zeit ihres Bestehens laut Recherchen der NW rund 380 Bäumen das Leben gerettet. Nunja, die Argumentation der CDU war, dass Menschen vernünftig sind und nicht einfach so Bäume absägen. Mit der Begründung können wir natürlich so ungefähr alle Satzungen, Verordnungen und Gesetze abschaffen. Dabei ist die CDU gerne dabei, Dinge zu reglementieren. Den Alkoholkonsum auf der Straße zum Beispiel. Sei’s drum.

In der Sitzung gab es sogar Menschen denen es nicht peinlich war den Klischeesatz „Früher war es auch schon warm!“ zu bringen, uns vorzuwerfen wir würden Klimahysterie betreiben und fatalistisch unterwegs sein. Wir hatten vorher fast alle Ratsmitglieder persönlich mit einem Appell angeschrieben, ich habe vor der Abstimmung – wie andere auch – noch versucht die Punkte zu verdeutlichen. Die anschließend beantragte geheime Abstimmung sollte es Menschen, die vielleicht doch ein bisschen was für Klimaschutz übrig haben und dafür in der falschen Partei sind, zu ermöglichen ohne Gesichtsverlust abzustimmen. Nun, das hat nicht geklappt. Fraktionstreue und so.

Zu dem Zeitpunkt sprach das RKI bereits von ca. 5.500 Hitzetoten in Deutschland in diesem Jahr. Aktuell wurde diese Zahl, auch aufgrund der erneuten Hitzewellen, auf ca. 10.000 nach oben korrigiert. Aber klar, Tante Erna sagt, dass es früher auch schon mal warm war! Die halbe Welt brennt, hundertausende Menschen müssen evakuiert werden, weil große Städte in Flammen stehen. Eine sehr gute Zeit, um zu zeigen was man von Klimaschutz hält und welchen Stellenwert Bäume haben, indem man den expliziten Schutz einfach abschafft!

Das Thermometer eines Google Pixel 9 pro wird ca. 30 Zentimeter über die von der Sonne beschienenen Pflastersteine eines Weges gehalten und zeigt 40,5°C an.
40,6°C in der Sonne über den Steinen
Heute Mittag im Kurpark habe ich mit Alex bei nicht heißem, aber sehr warmem Wetter eine Funktion meines Smartphones ausprobiert, um den Unterschied zwischen Baum oder nicht zu demonstrieren. Das „Experiment“ fand unter dem im Beitragstitelbild gezeigten Baum statt. Dieser warf einen Schatten auf den gepflasterten Weg durch den Kurpark. Und fairerweise ist das nicht der dichtbelaubteste Baum in Lennes Garten, ich habe extra einen Nadelbaum gewählt. Ich habe mein Google Pixel 9 Pro gezückt und das eingebaute Thermometer genutzt, um die Temperatur ca. 30cm über den Steinen vor dem Baumschatten zu messen. Es waren 40,6°C – und genauso fühlte sich das auch an! Ich hatte beim Spaziergang ein bisschen Schweiß auf der Stirn.

Das Thermometer eines Google Pixel 9 pro wird ca. 30 Zentimeter über im Baumschatten liegende Pflastersteine eines Weges gehalten und zeigt 24,5°C an.
24,5°C zwei Meter weiter im Baumschatten
Zwei Meter weiter warf der Baum seinen Schatten auf die Steine und dort habe ich das Smartphone mit dem Thermometer in gleicher Höhe über die Steine gehalten und es waren 16,1°C weniger. Nur noch „angenehme“ 24,5°C wurden dort erreicht. Natürlich wesentlich angenehmer! Und dabei ist es ganz egal, wo ich das Thermometer hinhalte, natürlich ist der Kopf im Schatten auch kühler! Und das ist nur das Ergebnis eines einzelnen Nadelbaums. Keine überlagernden Schatten. Wenn man an die Stellen im Park geht, an denen die Bäume dicht stehen, ist es noch kühler.

Und wir entscheiden uns, dass wir Bäume nicht mehr schützen? Mir ist auch klar, dass es nicht um die Bäume im Kurpark geht, wenn wir von der Baumschutzsatzung sprechen. Der Effekt den Bäume haben, ist aber überall gleich! Und natürlich wirkt sich das auf das Mikroklima ringsherum aus. Das sind Binsenweisheiten, seit Jahren bekannt und es will mir nicht in den Kopf wie man sowas einfach ignorieren kann und ein solch fatales Zeichen setz.

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Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

1 Kommentar zu „Wir brauchen keine Bäume! Früher war es auch warm!

  1. Da hast du so recht . Und es geht weiter … Dürre. Ja, das Problem ist gerade wieder massiv.
    Der Rhein steht an der Engstelle Kaub bei nur *24 cm* – das ist Rekordtief und hat sogar den Wert von 2018 eingestellt. Prognosen sagen, er fällt bis Samstag auf *17 cm*.
    Grund: Hitzewellen + kaum Regen + wenig Zufluss aus Nebenflüssen und Bodensee.

    Folge: Frachtschiffe können nur noch zu ∼1/5 beladen fahren. Die Transportkosten sind explodiert: von 45€ auf 150-160€ pro Tonne Rotterdam-Karlsruhe. Industrie und Landwirtschaft klagen über Lieferprobleme und höhere Preise. 1a608fa187e4
    Und was fällt dem Verkehrsminster ein :
    *“Flüsse tiefer machen“ – bringt das was?*
    Kurz: Nein, nicht mehr Wasser.

    Wenn die Bundesregierung Bagger schickt und die Fahrrinne vertieft, schafft das nur _mehr Tiefe bei gleichem Wasservolumen_. Das hilft Schiffen, weil sie dann wieder mehr laden können. Aber es zaubert kein Wasser herbei.

    Das eigentliche Problem ist: Es kommt schlicht zu wenig Wasser rein. Ursachen laut Experten:
    1. *Zu wenig Niederschlag + Dürre* in den letzten Wochen
    2. *Gletscherschwund in den Alpen* – der Rhein wird im Sommer zu >50% aus Gletschern gespeist. Seit 1850 haben die Alpengletscher über die Hälfte verloren
    3. *Klima*: Niedrigwasser-Sommer werden vom Ausnahmefall zum Normalfall

    Vertiefen = Symptom bekämpfen. Wie eine Badewanne mit 2cm Wasser: Wenn du den Boden 10cm tiefer klopfst, hast du immer noch nur 2cm Wasser drin.

    *Was die Bundesregierung gerade macht:*
    Sie hat ein neues Informationssystem für Niedrigwasser gestartet, damit Behörden und Wirtschaft besser planen können. Außerdem wird auf Schiene/Straße/Pipeline umgestellt.
    Alles ein Witz.

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