Volmerdingsen ohne Bäume

Auf der Fraktionsseite der FDP finden sich mitunter recht amüsante Texte. Aktuell z.B. ein Antrag zur Volmerdingsener Straße und den dortigen – gefällten – Platanen. Die Verwaltung plant nun an der Stelle die Neubepflanzung. Und ich finde das gut. Es sieht einfach besser aus, es ist umweltfreundlich, man fühlt sich wohler … normal halt. Die FDP sieht das anders und möchte dort keine neuen Bäume. Die Argumente sind zunächst gar nicht mal von der Hand zu weisen. Das Wurzelwerk der Bäume drückt die Gehwegplatten nach oben und macht den Weg holprig. Genau das war der Status Quo an der Volmerdingsener Straße. Hier hört dann für mich allerdings die Stichhaltigkeit auch schon auf. Denn eine Sichtbehinderung durch die Bäume – wie in einem Pressebericht erwähnt, kann ich an der Stelle beim besten Willen nicht als Sicherheitsmanko ausmachen. Dann fährt man halt langsamer und vorsichtig. Genau das bekomme ich von der Verwaltung jedesmal als Antwort, wenn ich auf einen Mangel hinweise: ‘Guck’ halt wo Du langfährst.’ und ‘Jeder muss sich den Gegebenheiten anpassen.’

Im Rahmen des runden Tisches für eine fahrradfreundliche Stadt Bad Oeynhausen haben wir uns im August 2009 exakt diese Stelle bereits angesehen und darüber diskutiert, wie hier verfahren werden könnte. Im übrigen ohne Beteiligung der FDP, die sich an der ganzen Fahrradgeschichte – so weit ich das überblicke – überhaupt nicht beteiligt(e) und die bisher auch nicht mit Fachwissen zu dem Thema aufgefallen ist. Man korrigiere mich, falls bei dieser Exkursion doch jemand von den Liberalen dabei war, ich saß damals noch nicht im Rat und habe die Namen nicht notiert.

Jedenfalls haben wir während dieser Exkursion bereits festgestellt, dass an der Volmerdingsener Straße unter anderem die Bäume ein Hinderungsgrund sind, den vorhandenen Gehweg auch als benutzungspflichtigen Radweg zu nutzen. Es ist ganz einfach zu wenig Platz. Selbst wenn es – wie von der FDP beantragt – keine Bäume dort gäbe und man die komplette Breite nutzen könnte, wäre der Weg zu schmal.


Mein Rad misst von Aussenkante Hinter- bis Aussenkante Vorderrad genau 178 Zentimeter.

Es würde sich an dieser Stelle um einen innerörtlichen, einseitig angelegten, beidseitig benutzungspflichtigen kombinierten Geh- und Radweg handeln. So ein Konstrukt dürfte überhaupt nur bei einer überdurchschnittlich großen Gefährdung des Radverkehrs auf der Fahrbahn angeordnet werden. Dazu bedarf es deutlich mehr als die 8.500 Fahrzeuge, die dort täglich verkehren. Und es müsste ein Unfallschwerpunkt sein mit deutlich höhrer Unfalldichte als an vergleichbaren Straßen. Und es müsste mindestens 3 Meter breit sein. Zuzüglich mindestens einem halben Meter Sicherheitsfläche zur Fahrbahn. Macht mehr als 3,50 Meter Breite (denn man darf Mindestmaße nicht kombinieren) – und nicht 2 Meter, wie von Herrn Ober-Sundermeyer generös und ohne Sachkenntnis vorgeschlagen.

Der Vorschlag der FDP beschleunigt den motorisierten Verkehr, belastet somit die Umwelt und erhöht das Gefährdungspotenzial für Radfahrer und Fußgänger. Dafür kann man als Autofahrer viel bequemer durch den Ort sausen! Ist doch egal, wenn sich Rollstuhlfahrer, Fußgänger, Mütter mit Kinderwagen und Radfahrer einen viel zu schmalen, holprig gepflasterten Weg teilen müssen – noch dazu mit der Besonderheit des Wittekindshof an der Stelle – und ich spreche hier vom Zustand nach einer “Verbesserung” im Sinne der FDP. Hauptsache man kann im Auto unbehelligt von seiner Umwelt voran kommen.

In das gleiche Horn bläst auch ein Bürger in einem Leserkommentar in der heutigen Ausgabe der Neuen-Westfälischen. Ich freue mich, dass ich nicht ganz allein da stehe, wenn ich auf solche Dinge hinweise.

Nach der Geschichte an der Weserstraße bin ich nämlich mehrfach angesprochen worden, warum ich nun mit einem Zollstock die Breiten der Wege messe. Genau das ist der Knackpunkt: die meisten wissen gar nicht, wann und wie man einen Radweg anlegen muss und welche Voraussetzungen dafür gegeben sein müssen. Es geht mir bei solchen Sachen nicht um 5 Zentimeter, sondern darum, dass Fahrräder verdammt noch mal auf die Fahrbahn gehören. Das steht so in der Straßenverkehrsordnung, das erhöht die Sicherheit, das entschleunigt den Verkehr, das entlastet die Umwelt, das erhöht den Komfort der Fußgänger. Alles Dinge, die in Volmerdingsen gewollt sind.

Leider kann man mit diesen “weichen” Faktoren bei Verwaltungen und Behörden keinen Blumentopf gewinnen. Darum messe ich Breiten und zitiere Bauvorschriften, weil das der einzige Weg ist, wie man auf formellem Wege so einem Mist und verschrobenen Anträgen begegnen kann. Ich habe überhaupt nichts gegen einen vernünftigen Gehweg dort. Der wird dringend benötigt. Aber Fahrräder haben darauf nichts zu suchen. Abgesehen von kleinen Kindern bis um die 10 Jahre, die sowieso den Gehweg benutzen müssen bzw. dürfen. Dann ist die Schulwegsicherung nämlich schon mal erledigt. Es schadet gar nichts, wenn man sich mit Themen auch mal beschäftigt.

Über

Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

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