Schutzstreifen für Radfahrende auf der Werster Straße
Ich bin leider inzwischen nach 17 Jahren im Stadtrat und im Ausschuss für Stadtentwicklung sehr desillusioniert, was den Alltagsradverkehr in Bad Oeynhausen angeht. Ich sehe seitdem wirklich keine grundsätzlichen, strukturellen Verbesserungen. Es wird recht viel für und an touristischen Wegen getan, aber auf den Straßen der Stadt passiert gar nichts. Und wenn, dann geht es in die falsche Richtung. Im Ausschuss ist mir der Punkt ehrlich gesagt nicht aufgefallen und auch im Nachgang konnte ich dazu nichts schriftliches in den Ratsunterlagen finden, aber die Neue Westfälische berichtete am 06.05.2026:
Drei Institutionen lehnen Tempo 30 auf der Werster Straße in Bad Oeynhausen ab
[…] Weil die Straße einen Schutzstreifen für Radfahrer bekommen soll und damit der Querschnitt der Straße neu gestaltet wird, müssen „zusätzliche Planungsleistungen erbracht werden und für die wiederum sind zusätzliche Vermessungsdaten nötig“, heißt es vonseiten des Landesbetriebs. […]
Der Vorgang beruht auf unserem Antrag aus Februar 2021(!) und ist somit schon gut abgehangen. Nichts von den damals angeregten Verbesserungen wurden bisher umgesetzt oder sind überhaupt in den Bereich des Möglichen gedacht worden. Aber FUCKING „Schutzstreifen“ werden ins Spiel gebracht. Die nachweislich gefährliche Maßnahme, die dazu führt, dass Radfahrende noch enger überholt werden, soll auf die Fahrbahn gepinselt werden.
Hochschule Kempten: Studierende der Elektrotechnik beweisen: Zwei Drittel der Autofahrer überholen Radfahrer zu eng
[…] „Viele fahren trotzdem viel zu dicht an uns vorbei, weil sie glauben, die Markierungslinie auf der Fahrbahn dürfe als Grenze dienen.“ Dabei ist ein Mindestabstand von 1,50 Meter stets verpflichtend. Die Studierenden raten: „Wo kein Radstreifen markiert ist, machen die Autos meist automatisch einen größeren Bogen – das ist sicherer für Radfahrer!“ […]
Modellprojekt von AGFK-BW und HKA untersucht Überholabstände im Straßenverkehr
[…] Die Umwandlung von Mischverkehrsführungen in Schutzstreifen oder Piktogrammketten führte häufig zu engeren Überholabständen, was möglicherweise auf das territoriale Verhalten der Verkehrsteilnehmer zurückzuführen ist. Die Verkehrsführung auf Schutzstreifen führte tendenziell zu engeren Überholvorgängen als im Mischverkehr, während die Implementierung von Piktogrammketten zu weniger Überholvorgängen, allerdings auch zu keinen signifikant größeren Überholabständen führte. […]
Wenn es um das Fahrrad geht, machen wir in Bad Oeynhausen nicht das, was Fahrradfahrende möchten, sondern dass was Autofahrende gut finden und was nachweislich nichts bringt oder die Situation sogar verschlechtert. Und wenn ich darauf hinweise bin ich undankbar und meckere nur. Es macht wirklich keinen Spaß.

Vor ein paar Jahren haben sie hier in Pirmasens das neue „Radverkehrskonzept“ abgefeiert. Es besteht quasi ausnahmslos aus der Markierung vollkommen hirnkranker „Schutzstreifen“. Die vorwiegend an Stellen markiert werden (sollen), an denen ein legales Überholen von Radfahrern gar nicht möglich ist. Man stellt nebenbei klar, dass nötigendes Engüberholen von Amts wegen erwünscht ist.
Auch in der Nachbarstadt Zweibrücken hat man neulich in der Landauer Straße Striche aufgemalt, welche der hierfür verantwortlichen Person eigentlich einen sofortigen Aufenthalt in der Gummizelle einer geschlossenen Psychiatrie bescheren müsste. Aber was rege ich mich denn auf? Der hiesige ADFC, die Presse und auch das normale Radfahrervolk meint: „Besser als gar nichts!“