füllt ruhig eure Pools

füllt ruhig eure Pools
Unser Wasserverbrauch

Die Trinkwasserampel in Bad Oeynhausen steht (mal wieder) auf rot. Die Gründe dafür sind in einer Wassermängellage und den aufgrund der aktuellen Hitze stark gestiegenen Wasserverbräuche zu suchen. Damit steht unsere Kurstadt auch nicht allein da. Den dem Wasserverband am Wiehen angeschlossen Kommunen geht es natürlich ähnlich, aber auch bundesweit kommt es zu immer mehr Engpässen und Städte weisen auf die Knappheit hin. Bei uns gibt es dazu nun auch eine ordnungsbehördliche Verordnung:
Trinken, Kochen und Hygiene sind selbstverständlich weiterhin uneingeschränkt möglich. Jedoch ist es von nun an verboten, Trinkwasser zu verschwenden. Dies betrifft insbesondere:

* die Garten- bzw. Rasenbewässerung mit Trinkwasser
* das Befüllen von Pools, Zisternen oder sonstigen Wasserspeichern mit Trinkwasser
* die Verwendung von Trinkwasser zum Waschen von Fahrzeugen und Anhägern

In den sozialen Medien sind die Meinung recht eindeutig: „Da hat wohl jemand gepennt!“, „Die wollen uns kontrollieren!“, „Die verarschen uns doch!“, „Aber es hat doch geregnet.“. Erläuterungen, warum es so ist wie es ist und dass das nicht nur Bad Oeynhausen betrifft, werden ignoriert und teilweise Vergleiche zu Corona gezogen (Häh, was hat das miteinander zu tun?). So gut wie niemand ist dort allerdings bereit, sich in irgendeiner Form einzuschränken. Weil „niemand verbraucht doch 190 Liter Wasser am Tag!“ – ich vermute aber auch, dass niemand dort überhaupt einen Überblick hat, wie die eigenen tatsächlichen Verbräuche aussehen.

Eine Person in Deutschland verbraucht ca. 122 bis 126 Liter Trinkwasser am Tag. Das sind dann bei einem vierköpfigen Haushalt ca. 170 bis 180 m³ im Jahr. Und da ich Zahlen ganz gerne mag, erfasse ich all unsere Verbräuche seit wir hier vor 24 Jahren ins Haus eingezogen sind mehr oder weniger regelmäßig in einem Tool, dem Energiesparkonto. Ganz einfach, damit ich überhaupt ansatzweise abschätzen kann, ob wir was ändern können oder müssen und ob die Abrechnungen plausibel sind bzw. in welchen Bereichen was umgestellt werden muss. Unter anderem hat dies dazu geführt, dass ich von einem Fileserver auf ein (bzw. zwei) NAS umgestiegen bin. Das hat jetzt nicht ganz die damals ausgerechneten kWh eingespart, aber doch rund 600 kWh im Jahr.

Beim Wasser ist es so, dass ich mich schon seit Jahren wundere, warum wir einen deutlich niedrigeren Verbrauch als der Durchschnittshaushalt haben. Sogar unseren kleinen Gartenteich müssen wir ab und an mit Wasser auffüllen. Das ist dann ja auch im Gesamtverbrauch mit drinnen. Nun, haben wir noch nie unseren Garten gewässert oder das Auto auf dem Hof eingeseift und abgewaschen (alle zwei Jahre mit dem Hochdruckreiniger das Moos entfernen schon) und wir baden auch praktisch nicht. Ich habe unsere Badewanne in den letzten zwei Jahrzehnten so oft genutzt, dass ich es an einer Hand abzählen kann. Wir haben keinen Pool und betreiben keine Gartendusche. Und selbst als die Kinder noch sehr klein waren, hat das gelegentliche „mit dem Schlauch im Garten abspritzen“ zu keinen im Gesamtjahresverbrauch erkennbaren Ausreissern geführt. Wir duschen alle fast täglich – ich auf jeden Fall.

Wir haben seit der Hitzewelle auch nichts am Wasserverbrauch erhöht. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, wie andere auf so hohe Verbräuche kommen. Gleichzeitig fühle ich mich deshalb von den Sparappellen auch nicht angesprochen. Wir verbrauchen Wasser seit jeher so, als sei es ein kostbares und seltenes Gut. Was es offensichtlich auch ist!

Ich wünschte mir, dass viele Menschen einfach mal selbst anfangen zu denken, wenn sie eine öffentlich Aufforderung oder Erklärung lesen, die zu Einschränkungen im eigenen Verhalten führt. Selbst denken, selbst suchen. Nicht bei Telegram, Youtube oder Facebook, nicht am Stammtisch. Seit nahezu 50 Jahren wissen wir, dass wir uns ändern müssen, dass wir anders mit der Umwelt und den Ressourcen umgehen müssen. Sehr wenige taten es, viele waren nicht bereit ihre Individualität und ihre Bequemlichkeit aufzugeben. Und nun haben wir den Salat. Immer wenn man Dinge vor sich herschiebt, wird der geschobene Hügel zu einem Berg. Und irgendwann ist der so hoch, dass die zu ergreifenden Maßnahmen um ihn wieder abzutragen nahezu unmöglich umzusetzen scheinen. Allerdings sind die Alternativen meist noch schlimmer. Wenn der Berg einen dann unter sich begräbt, ist es zu spät.

Also füllt weiter eure Pools, bewässert den Rasen oder lasst das Wasser beim Zähneputzen laufen. Wenn keins mehr da ist, sind sowieso die anderen Schuld.

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Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

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