Auf Zebrastreifen in einer „Gebotsstrecke 30“ tödlich verletzt

Alex schickte mir die Pressemitteilung der Neuen Westfälischen am 20.07. abends und ich habe nur kurz mit „Scheiße“ kommentiert. Habe mich natürlich aufgeregt und darüber geärgert, wie meiner Erfahrung nach Menschen in Autos immer weniger auf den Verkehr achten und Rücksichtnahme gefühlt immer weiter zurück geht. In den letzten Tagen bin ich jeden Morgen deutlich zu eng von Menschen in Autos überholt worden. Teilweise mit einem Hupkonzert und heute morgen, obwohl rechts der Radweg gesperrt war. Einfach nur weil ich da bin, rasten Menschen im Auto aus.

Auf Zebrastreifen von Geländewagen angefahren: 90-jährige Bad Oeynhausenerin gestorben
[…] beim Überqueren eines Zebrastreifens auf der Herforder Straße tödlich verletzt worden. Ein Autofahrer aus Löhne hatte sie mit seinem Geländewagen erfasst. Rettungskräfte brachten die Frau ins Klinikum Minden, wo sie am Montagabend ihren Verletzungen erlag. […]

An dem Abend war noch kein Hinweis auf den Tod in der Zeitung zu lesen. Der fragliche Zebrastreifen vor dem Hotel Bosse überquert die Herforder Straße im Kurviertel. In dem Bereich ist die Geschwindigkeit auf 30 Km/h begrenzt und die Straße ist extrem breit, schnurgerade und super einsehbar.

Man blickt ein breite, schnurgerade Straße hinunter. In der Mitte des Fotos quert ein Zebrastreifen die Fahrbahn und wird zusätzlich links und rechts von zwei großen Hinweistafeln angezeigt. Die Straße ist gesäumt von einigen kleinen Bäumen und Häuserzeilen auf beiden Seiten.
Herforder Straße in Höhe des Hotel Bosse – Blickrichtung Osten in Richtung Innenstadt

Das Bild habe ich heute in meiner Mittagspause aufgenommen, weil ich dort einfach vorbei gehen musste. Gestern morgen rief mich eine Arbeitskollegin an und teilte mir mit, dass die alte Dame gestorben sei und um wen es sich handelte. Es ist die Mutter eines Freundes, den wir schon seit mehr als 30 Jahren kennen und zusätzlich die Mutter einer ehemaligen Arbeitskollegin. Ich habe sie schon viele Jahre nicht getroffen, kenne sie aber von früher und es tut mir unendlich leid, auf welche Weise dieses Ende gekommen ist. Und neben der Traurigkeit bin ich gleichzeitig sauer und wütend.

Denn beide Zeitungen schreiben, der Unfallhergang müsse geklärt werden, die Ursache ist unklar. Nun, die Straße ist super einsehbar, eine 90jährige Frau materialisiert sich nicht einfach auf der Fahrbahn, es war hell und klar, übermäßig Verkehr herrscht dort auch nicht. Mein Büro ist quasi direkt neben einem weiteren Zebrastreifen in einer 30er-Zone, die genauso gerade verläuft und ich höre, wie oft dort Reifen quietschen. Und leider habe ich aus meinem Bürofenster auch schon mehr als einmal jemanden auf dem Zebrastreifen liegen sehen. Und gleichzeitig höre ich die aufheulenden Motoren oder das leise Vorbeirauschen.

Als mir die Nachricht am Telefon die Nachricht erzählt wurde, fiel das Wort „übersehen“ und ich bin sofort gerade geworden. Denn genau das ist der Punkt! Es wird in solchen Situationen nicht „übersehen“. Es ist nicht so, dass da plötzlich und unerwartet etwas erscheint. Es wird – und das ist meine tägliche Beobachtung – einfach nicht mehr aufgepasst. Gesichter hinter dem Lenkrad schauen schräg nach unten oder direkt vor das Lenkrad. Was sich dort wohl befinden mag? Und selbst wenn der Kopf oben ist, wird auf alles Mögliche geachtet, aber nicht auf den Verkehr. Wie oft wurde mir schon gesagt „Ich habe Dich gar nicht gesehen!“ wenn ich wieder mal an einer Einmündung in die Bremsen gehen muss.

Und wir nehmen das alle hin! Im Gegenteil, wenn ich davon rede, dass ich Menschen in solchen Situationen anspreche, dass sie mich (oder meine Familie(nmitglieder)) gerade gefährdet haben, wird mir noch gesagt ich solle doch etwas ruhiger sein. NEIN! Eben nicht! Es geht mit gedankenlosem „quer über den Radweg stehen“ los, dann kommt hupen wenn ich mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn fahre, ein bewusster punishment-pass (Mit Absicht eng überholen – ja, das ist oft mit Absicht. Die Menschen sagen mir das sogar!) und endet nicht beim Nassspritzen mit Scheiben-WischWasch-Wasser. Letztendlich kommt dann sowas dabei raus, dass Zebrastreifen „ignoriert“ werden. Zusätzlich gibt es lediglich lächerliche Strafen für solche Geschehnisse. Darum passiert sowas!

Wie gesagt, ich bin wütend und traurig. Mein herzliches Beileid an euch beide!

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Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

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