Renaturierung der Werre
Jedesmal wenn in der Lokalpresse etwas über die Renaturierung der Werre geschrieben wird, eskalieren die Kommentarspalten auf Facebook unter den Teasern zu den Beiträgen. Die Kommentierenden werfen den Politikern, den Architekten und allen dies gut finden „Blödheit“, „Unwissen“ und „Umweltzerstörung“ vor. Haben sich mit der Thematik aber wahrscheinlich außerhalb von Facebook noch nie beschäftigt.
Ich fahre in letzter Zeit echt wenig mit dem Fahrrad. Ich bin jetzt aber mal nach der Arbeit einen Umweg zu fahren, um zu schauen, wie es dort voran geht. Ganz ehrlich: das sieht super aus. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die in den Ausschüssen präsentierten Visualisierungen recht nah am Ergebnis sein werden. Denn dieses Projekt wurden schon oft und seit sehr langer Zeit in der Politik und Verwaltung diskutiert. Als ich 2009 in die Kommunalpolitik einstieg, habe ich damals die ersten Gutachten zur Renaturierung gelesen. Und dazu, dass uns gar keine andere Möglichkeit bleibt, als das Wehr abzureißen und die Werre aus ihrem starren Bett zu holen.

Jeweils wechselnde Protagonisten waren zeitlich versetzt gegen eine Renaturierung und haben die jeweils aktuellen Pläne „torpediert“ bzw. nicht zugestimmt. Die CDU ist recht früh umgeschwenkt und stimmte irgendwann für den Rückbau des Wehrs, die SPD brauchte ein paar Jahre länger. Aber vor 13 Jahren haben wir den Knoten dann durchgeschlagen und sind zumindest angefangen konkreter zu planen.
Und nun wird schon seit Monaten gebuddelt, gebaggert, geschoben und versenkt. Ja, es sind sehr viele Bäume gefallen. Die werden aber in größerer Anzahl – wenn auch teilweise an anderer Stelle – wieder aufgeforstet. Und es waren sicher nicht alles Buchen oder Eichen. Da war auch ziemlich viel dünnes, buschiges Holz dabei. Weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass wir die Werredeiche nicht erhöhen müssen, um dem Hochwasserschutz gerecht zu werden. Wir bekommen dort eine richtig schöne Naherholungslandschaft. Vorher war es auch schön, aber es war ein begradigter Kanal, der in einen morastigen See vor dem Wehr endete.
Ich bin davon überzeugt, dass die neue Landschaft wesentlich attraktiver und vor allen Dingen natürlicher sein wird. Aber wir sind ja alle blöd und haben keine Ahnung.

Ich kann mich den Worten nur anschließen. Hinzu kommt, dass es Baustellen so an sich haben, dass es erstmal etwas schlechter wird, bevor die Verbesserungen fertiggestellt sind.
Rückblickend betrachtet ist die Welt voll von Dingen, die wir nicht mehr missen möchten, die zugleich von den Zeitgenossen bei Einführung belächelt oder beschimpft wurden. Manchmal kommt es auf den Weitblick an.
Was mich seinerzeit etwas gestört hat, war die Streichung der Wasserkraftanlage wegen einer vermeintlichen doppelten Förderung. Wobei doch klar ersichtlich war und ist, dass es sich dabei um ein weiteres Projekt handelt, welches als Ersatz des alten Wasserkraftwerks geschaffen werden sollte. Immerhin werden die Renaturierung und der damit verbundene Hochwasserschutz ja nun nachweislich ohne diese (zusätzliche) Anlage angegangen.
Es wäre vielleicht ein Thema für die Politik, frühzeitig den Bau einer solchen Anlage als separates Projekt nach Fertigstellung der Renaturierung wieder anzuschieben. Wirtschaftliche Darstellbarkeit vorausgesetzt.
Das ist dann übrigens der Unterschied zwischen konstruktiver Kritik und allgemeinem Genöle, welches weder recht noch billig ist, da es sich weder durch persönlichen Einsatz, Sachlichkeit, noch Alternativen auszeichnet. Es wird genölt, wenn nichts unternommen wird, aber Maßnahmen zur Veränderung gefallen grundsätzlich auch nicht. Na ja … okay. Billig ist es dann vielleicht für den einzelnen schon.