Baumarkt auf dem Hockeyplatz

Allerorten wird zu Recht gejammert, die Innenstädte seien verwaist. In Bad Oeynhausen sieht es nicht viel anders aus. Richtig proppevoll ist es nur zu besonderen Anlässen. Nicht zuletzt liegt das an dem großen Einkaufszentrum an der Mindener Straße, welches mittlerweile auch von Nachbarkommunen u.a. als Grund für das Ausbleiben von Kaufkraft in den Cities ausgemacht wurde. Nun gut, die Entscheidung ist gefallen ich hätte das damals nicht so gemacht, aber man kann es nicht ändern.

Verkehrstechnisch gut gelegen ist der Werrepark zweifelsohne. Und wenn die Nordumgehung gebaut ist, ändert sich daran auch nichts. Immer noch gut angebunden – mit etwas Geschick ist die Mindener Straße dann vielleicht optisch ansprechender und mit ganz viel Glück nicht mehr so laut und voll. Plant man nun vernünftig und bezieht alles mit ein, was schon angedacht wird – z.B. ein Kombibad im Siel – kann man aus der Achse “Innenstadt bis Werrepark” vielleicht etwas Hübsches und eine – einer Kurstadt, einem Bad – angemessene Verbindung gestalten.

Der Hockeyplatz an der Kreuzung Steinstraße/Mindener Straße ist dabei ein zentraler Punkt, ist er doch seit Jahren ein unansehnlicher und weitgehend nutzloser Fleck. Schön, dass sich nun jemand dafür interessiert und beschlossen wurde, sich mit der Umgestaltung zu beschäftigen. Ein Baumarktbetreiber möchte dort eine Filiale eröffnen. Auf dem ganzen Gelände inkl. Sportplatz, ehemalige Leiter, womöglich dem Jugendtreff und inwieweit das Amarillo davon betroffen ist, weiß ich nicht. Nun überlege ich mal kurz, was in der Vergangenheit passiert ist …

  • Kaufkraft wurde aus der Innenstadt abgezogen
  • Sortiment der Innenstadtgeschäfte wird an zentraler Stelle vorgehalten
  • Verkehrsaufkommen mitten in der Innenstadt wurde generiert

und was man in der Zukunft erreichen möchte …

  • Beruhigung der Mindener Straße
  • optische Aufwertung der Mindener Straße
  • Kaufkraft in die Innenstadt holen
  • Innenstadt(nahes)sortiment nicht an zentraler Stelle vorhalten

Der Baumarkt wird in Bad Oeynhausen das verkaufen, was auch an anderer Stelle in Baumärkten verkauft wird. Also Baumaterialien, Werkzeuge, Zierrat, Dekoration, Blumen, Gartenbedarf, Möbel, Geschenkartikel. Es wird ein Café geben, sehr wahrscheinlich auch Fressbuden. Das haben wir innenstadtnah ja alles noch nicht, oder? Nunnenkamp, Spellmann, Schlüter, Horstmann und richtig, 500 Meter weiter gibt’s ja auch noch einen Praktiker. Es ist also jetzt schon klar, dass ein Baumarkt an der Stelle exakt das verkaufen wird (und noch mehr), was die kleinen Innenstadthändler teilweise (oder sogar als einziges) auch vorhalten. Zudem gibt es in unmittelbarer Nähe vergleichbare ortsansässige Händler mit gleichem Sortiment.

Und dann wird so ein Baumarkt ja auch noch beliefert. Die Zeit der Pferdekutschen ist vorbei, es werden für die Baumaterialien sicher keine 7,5-Tonner vorfahren, sondern fette LKWs. Zudem kommt weiterer Verkehr durch Kundes des Marktes an dem Verkehrsknotenpunkt von Bad Oeynhausen, wo jetzt schon immer die Hölle los ist. Und nicht zuletzt sieht so ein Baumarkt auch beim besten Willen nicht “schön” aus. Das ist eine große Blechhalle mit einem riesigen Parkplatz davor. Und das alles an einer Stelle, wie sie zentraler in Bad Oeynhausen nicht zu finden ist.

Fassen wir zusammen: ein Baumarkt auf dem Hockeyplatz zieht mehr Verkehr an, wo wir eigentlich abbauen möchten. Er verändert das Stadtbild nicht zum Guten, wo wir eigentlich aufhübschen wollen. Er zieht Kaufkraft aus der eh schon angeschlagenen Innenstadt, wo wir die lokalen Händler stärken wollen. Natürlich hat er auch Vorteile: Arbeitsplätze und Gewerbesteuer. Aber muss man dafür alles andere wegwerfen?

Nun verändert aktuell ein anderen Geschäftsbetrieb in Bad Oeynhausen seinen Standort. Weg von der Vlothoer Straße hin auf den alten “Aqua Magica”-Parkplatz zieht Mercedes-Bollmeyer. Völlig OK und sinnvoll. Nun weiß ich nicht, was und ob am alten Standort der Vlothoer Straße passiert, aber so ein Baumarkt wäre dort sicher deutlich sinnvoller aufgehoben. Angebunden ist er dort ebensogut wie an der Mindener Straße, Fläche ist reichlich vorhanden und nicht zuletzt: dort stört er das Erscheinungsbild nicht. Arbeitsplätze und Gewerbesteuer sind immer noch in Oeynhausen. Nachdenken kann man sicher auch über so eine Lösung.

Und den Hockeyplatz dann vernünftig umgestalten. Was spricht dagegen, das Stadion dort zu belassen? Vielleicht mit einer anderen Ausrichtung und einem Kunstrasenplatz direkt daneben? Die alte “Leiter” abreissen und zusammen mit dem Parkplatz zu einem “grünen Parkplatz” (viele Bäume, Lochrastersteine, Grasflächen dazwischen) umwandeln? Dann hätte man von der Weser bis nach Löhne eine fast zusammenhängende grüne Achse durch Oeynhausen. Der Else-Werre-Radweg führt direkt hindurch. Und es passt eher zum Charakter einer “Kur”stadt.

Ich glaube, ein Baumarkt auf dem Hockeyplatz wäre städtebaulich eher schlecht für Bad Oeynhausen – um nicht zu sagen ein weiterer Nagel im Sarg der lokalen Händler. Aber vieleicht übersehe ich da auch etwas.

Über

Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

2 Kommentare zu „Baumarkt auf dem Hockeyplatz

  1. Also jetzt mal vom “Nützlichen” betrachtet. Ich sehe da für einen Baumarkt keine Chancen. Also vom geschäftlichen Erfolg für einen Baumarkt.
    Alles gibt es schon wie du beschreibst ein paar Meter weiter und der “Kuchen” wird nicht größer. Er wird nur anders verteilt.
    Von der Idee her fände ich einen Sport- und Freizeitpark an der Stelle auch besser !
    Ich weiß noch, was auf der Ecke los war bevor der Werrepark gestartet wurde und wie schnell sich alles dahin zog.
    Der Hintergrund wird wohl der sein, daß man sich von einem Baumarkt viel Gewerbesteuer verspricht ?
    Während ein Umbau als Sport- und Freizeitcenter oder Park der Stadt erstmal richtig Kohle kosten würde.

  2. Jein, ich denke schon, dass ein Baumarkt dort laufen würde – das ist ja das Problem ;-) Es gibt zwar alles ein paar Meter weiter, aber eben auch etwas verteilt. Der Baumarkt hätte es konzentriert. Das gleiche Problem wie beim Werrepark. Gab’s auch alles in der Innenstadt, aber eben nicht so auf einem Fleck. Und da kann ich die Konsumenten voll verstehen, die gehen dorthin, wo es bequem ist.

    Städteplanerisch ist es aber m.E. nahezu Selbstmord, dort einen Baumarkt zu platzieren. Eine Neugestaltung mit zwei Fußballfeldern (Rasen und Kunstrasen) nebst Laufbahn und großem, begrünten Parkplatz. Meinetwegen unter Einbeziehung von “Ramke” und “Amarillo” als Gastronomie auch für den Abend und Abseits von Sportveranstaltungen kann ich mir dort sehr gut vorstellen. Und der Baumarkt dann an die Vlothoer Straße!

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