Massentest

Westfalen-Blatt: DNA-Spur führt zum Witwen-Mörder
… Gütersloh (WB). Im ungelösten Mordfall Ingrid Amtenbrink (67) gibt es in Gütersloh den größten Massen-Gen-Test. Bislang sind 1000 Speichelabstriche genommen worden, ohne einen Treffer zu erzielen. Doch die Chefermittler Ralf Gelhot und Martin Wowro bleiben hartnäckig: »Wir machen so lange weiter, bis wir den Täter haben.« 50 000 Männer könnten gespeichelt werden …
In Gütersloh nimmt die Polizei Speichelproben, um den Mord an einer Rentnerin aufzuklären. Man hat am Opfer(?) DNA-Spuren gefunden – und mehr ganz offensichtlich nicht. Bis zu 50.000 Männer, denn es handelt sich wohl um eine männliche DNA, sollen “freiwillig” eine Speicherprobe abgeben, die “selbstverständlich” nur für diesen Fall verwendet und im negativen Abgleichsfall auch sofort vernichtet wird.

Was ist eigentlich aus der guten alten Unschuldsvermutung geworden? Eine Speichelprobe “freiwillig” abzugeben, ist doch nichts anderes, als den Verdächtigen seine Unschuld beweisen zu lassen. Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn es einen abgegrenzten Kreis verdächtiger Personen gibt, bei diesen mittels DNA den Schuldigen zu ermitteln. Bei “bis zu 50.000” hat man aber überhaupt gar nichts in der Hand und verdächtigt pauschal erstmal alle. Ich halte das für eine zutiefst beunruhigende Vorgehensweise. Natürlich bin ich mißtrauisch und glaube nicht, dass die Proben vernichtet und nicht gespeichert werden. Garantiert stellt sich irgendwann heraus, dass man “versehentlich” die Daten an ein Zentralregister übermittelt hat und nun leider nicht mehr nachvollzogen werden kann, wer wo und weshalb DNA-technisch verewigt ist. Und wenn schon, ist ja auch nicht schlimm, es hat ja niemand was zu verbergen.

Freiwillig (“… natürlich haben wir den richterlichen Beschluß in der Tasche …”) machen die Leute auch angeblich begeistert mit. Was ist wenn ich sage “Kommt wieder, wenn ihr einkreisen könnt, dass ich konkret verdächtig bin.”? Was passiert denn, wenn die Jungs mit dem Richterbeschluß wedeln? Muß ich wirklich die Zunge raus strecken und mir mit dem Wattestäbchen im Mund rumprokeln lassen? Bin ich der Einzige der sich vorstellen kann, dass Ermittlungsarbeit irgendwann bedeutet “Kratzt mal die DNA ab und schick’ sie durch den Rechner!”, weil aufgrund solcher “freiwilliger” Massentest sowieso jeder gespeichert ist? Biometrischer Ausweis? 1984 …

Über

Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

1 Kommentar zu „Massentest

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