(Plastik)Müll sammeln im Siel

Müllwagen am Gradierwerk

Heute haben wir uns vom Ortsverband der Grünen am Freibadparkplatz im Siel getroffen, um anlässlich des “International Costal Day” auf das Müllproblem hinzuweisen. Wir wollten ganz locker ein wenig durch den Siel und entlang der Kanalstraße spazieren und aufsammeln, was dort zu rumliegt. Da ich ab und zu mit dem Rad durch den Siel zur Arbeit fahre, hatte ich da schon Sorge, etwas zu finden. Denn bei der schnellen Durchfahrt morgens oder nachmittags, sah es da echt ganz gut aus.

Um 9 Uhr war eine kurze Zusammenkunft geplant, um dann in kleinen Grüppchen los zu ziehen. Tim und ich hatten unsere Fahrradanhänger dabei, die wir abkoppelten, um Transportmöglichkeiten für die Säcke zu haben. Fand ich anfangs selbst ein bisschen übertrieben, aber nachdem unser Grüppchen mit drei Erwachsenen und drei kleinen Kindern unterwegs war, dauerte es keine 10 Minuten, bis ich schon etwas desillusioniert war. Das was beim drübergucken ganz manierlich aussah, entpuppt sich als Müllhalde. Überall liegen kleine Plastikschnippsel rum, von denen ich noch nicht einmal glaube, dass die dort bewusst weggeworfen wurden. Viel schlimmer, die fliegen einfach so rum! Es scheint normal zu sein, dass das Blattlaub durchaus in sichtbarem Umfang mit Plastik vermengt ist.

Nach ein paar Minuten war schon reichlich im Hänger


Natürlich haben wir auch reichlich Schnapsflachen, Flachmänner und andere Getränkebehälter gefunden. Aus Glas, aber auch aus Kunststoff. Unsere Säcke füllten sich schnell und ich war froh über meine gummierten Arbeitshandschuhe. Für die Kleinen hatten wir Müllgreifer besorgt, welche sie auch mit Eifer und Begeisterung benutzten. Die Flaschen, Kartons, Tücher die beim Pinkeln (und anderem) weggeworfen wurden, alte Bretter, Zigarettenschachteln und -stummel lagen da aber sicher nicht wegen dem Wind, sondern sind ganz bewusst in die Rabatten und das Unterholz geschmissen worden. Was denken sich die Menschen dabei? Ich vermute gar nichts. Dumm.

Auch ekelhaft ist die Unsitte mit dem Hund Gassi zu gehen, den Kot in dunkle oder helle Plastikkotbeutel zu packen, diese hübsch zu verknoten und dann weit in den Wald zu werfen. So ist das nicht gedacht, ihr Vollhonks! Ich habe schon in einigen Foren gelesen, dass die Beutel teilweise verwesen. Ich vermute, dieser Vorgang dauert bei den Exkrementen wirklich nur ein paar Wochen, die Tüten dürften dafür aber Jahrhunderte benötigen … und selbst dann ist es Mikroplastik, welches wir aus dem Kreislauf gar nicht mehr raus kriegen. Super Idee.

Nicht alles war jugendfrei …


Je weiter wir wanderten, desto verständnisloser wurde ich. Mein Eindruck vor dem Spaziergang war wie gesagt, dass gerade gesäubert bzw. darauf deutlich mehr geachtet würde. Und trotzdem haben wir nachher 10 große Säcke mit Müll zusammen gesucht. Mit gut einem Dutzend Leuten, auf einem eher eingeschränkten Areal in nur zwei Stunden. Zu dem ganzen Kleinkram, der in Summe eine große Sauerei ist, gesellten sich noch ein gebrochenes, dickes Regalbrett, ca. 1/3 Fahrrad (eins habe ich nicht aus der Werre geholt), eine Mikrowellen/Backofen-Kombi, eine Felljacke, mehrere Gummi-Automatten, zwei leere Motorölkanister, Regenschirme, ein Vorlegeteppich und ein halber blauer Sack Altglas. Ich habe auch nicht alle Scherben die ich gesehen habe, aus dem Boden buddeln können. Dazu fehlte einfach die Zeit und die Behältnisse. Man kann dort wahrscheinlich den ganzen Tag zwischen den Bäumen rum laufen und findet immer mehr Dreck.

Was machen diese Wegschmeißer eigentlich zu Hause? Leben die da auch auf der Müllkippe? Oder ist es schon im Kopf, dass schon jemand los geht und den Dreck der anderen aufhebt und entsorgt? Ein ganz seelenloser Geselle hat sogar seine Katze in Plastiktüten gewickelt und im Siel nahe des Gradierwerks “entsorgt”. Die Kinder fanden das ziemlich ekelig zu finden – sowas ist dann doch wirklich das allerletzte.

Teppiche, Schirme, Schnappsflaschen …


Nach zwei Stunden waren wir wieder am Ausgangspunkt und haben uns mit selbstgebackenen Zimt-Nuss-Schnecken, frischen Schokobrötchen vom Bäcker und Laugengebäck gestärkt und dann noch mit der Presse gesprochen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir das noch mal machen. Unterwegs sind wir mehrmals darauf angesprochen worden und einige sagten auch, sie würden sofort mit den Müll einsammeln, wenn sie davon im Vorfeld etwas wüssten.

Viel schöner wäre allerdings, wenn das gar nicht nötig wäre. So fragte eine der Reporterinnen denn auch, ob im Siel womöglich zu wenig Mülleimer stünden, woraufhin ich sie wirklich erstaunt gefragt habe, was so schwierig daran sei, seinen mitgebrachten Müll wieder mit nach Hause zu nehmen? Ich habe das in meiner Jugend so gemacht – hat funktioniert. Wir haben über das Thema auch im Freundeskreis schon gesprochen und sind uns einig gewesen, dass wir damals in Wietersheim (oder wo auch immer wir abends Party gemacht haben) nichts hinterlassen haben, was nicht in die Natur gehörte. Da verklärt die Zeit vielleicht auch etwas, aber ich kann mich nicht daran erinnern, ein ganzes Saufgelage einfach im Wald liegen gelassen zu haben.

Der Müllberg nach zwei Stunden sammeln – in einem wirklich sauber aussehenden Wald.


Den Müll haben wir auf die Autofahrenden verteilt. Nach dem Umladen habe ich noch das alte Fahrrad mit dem Heckträger vom Yeti geholt und dann einen Kofferraum voll Restmüll beim Recyclinghof abgeladen. Das kostet dann übrigens je Kofferraum noch einmal 10 Euro. Jedenfalls eine schöne Aktion mit einem – zumindest für mich – so nicht erwarteten Ergebnis. Da war ich wohl deutlich zu optimistisch, was die Ordnungsliebe der Mitmenschen angeht.

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