Immer mehr Beton

Im letzten Ausschuss für Stadtentwicklung haben wir den neuen Standort für ein Autohaus an der Mindener Straße Kanalstraße beschlossen. Ich habe ebenfalls meine Hand gehoben. Ich finde die Stelle für das Projekt passend und bin auch der Meinung, dass man dem Interessenten dort entgegen kommen sollte. Jedoch habe ich auch deutlich geäußert, dass mir die Ausgleichsmaßnahme für die Versiegelung von 1,5 Hektar Land bei weitem nicht ausreicht. Nach einem Punktesystem einen kleineren Bereich Grünfläche “aufwerten” kann nicht Sinn der Sache sein. Das führt über kurz oder lang dahin, dass wir überall Beton haben und dafür einen klitzekleinen Garten Eden irgendwo an der Ecke. Das ist Mist! In der letzten Ratssitzung war der Verwaltung nicht bewusst, dass solches gefordert worden wäre. Scheint einen Grund zu haben, warum die Protokolle der Sitzungen nur aus deren Abstimmungsergebnissen bestehen und Diskussionsverläufe nicht festgehalten werden. Dann muss man sich auch nicht daran erinnern. Jedenfalls wurde das Thema im Rat nicht nur von mir erneut vorgebracht. Die Verwaltung geht darauf mit keinem Wort ein.

Wenn jemand angesichts unserer Industrie- und Gewerbebrachen in Bad Oeynhausen eine neue Fläche bekommt, dann muss an anderer Stelle eine gleich große Fläche wieder aufgerissen und begrünt werden. So einfach ist das. Nur so kann man der fortschreitenden Betonierung der Landschaft Einhalt gebieten. Gleichzeitig schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klappe – denn die Verwaltung wird nicht müde zu betonen, dass Gewerbetreibende lieber Freiflächen belegen, statt bestehende Brachen zu übernehmen. Warum dann also nicht Freifläche schaffen, wo jetzt schon Brache ist?

In Bad Oeynhausen geht man allerdings in vorauseilendem Gehorsam und ohne einen konkreten Anlass dazu über, großflächig Geld unter die Erde zu buddeln und darauf zu warten, was passiert. In den fast 4 Jahren, die ich nun hier Kommunalpolitik mit betreibe, wird mir vom Gewerbegebiet Lohe erzählt, dass es schon so gut wie unter die Leute gebracht ist. 96.000 m² warten auf Bewirtschaftung und werden von der Stadt dafür mit siebenstelligen Beträgen erschlossen. Allein: bisher waren bis auf 10% alle “ganz konkreten und kurz vor dem Abschluss stehenden” Vorhaben Luftschlösser. Ende letzten Jahres wurde zuletzt gesagt, dass schon fast die Hälfte – wenn nicht alles – verplant ist. Daraus geworden ist wieder mal nichts! Statt nun zu lernen und bedarfsbezogen zu erschließen oder das viele Geld in das Freiräumen bestehender, bereits erschlossener Brachen zu stecken, wird weiter gebuddelt und Taler für Taler weg geschmissen.

Für die schlichte Erkenntnis, dass das Irrsinn ist, wird einem dann von den Lokalredaktionen auch noch Mut- und Ideenlosigkeit vorgeworfen. Mutig wäre, wenn man einfach mal anders vorgeht, Bestehendes verändert und die Idee, eine Brache zu renaturieren (oder für einen Interessenten frei zu machen) umsetzt. Zum Geld anderer Leute ausgeben, freie Flächen umbuddeln und leere Versprechungen machen, braucht man weder Mut noch Ideen.

Über

Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

2 Kommentare zu „Immer mehr Beton

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