Alles gut?

Das scheint die gängige Begrüßungsformel zu sein oder zu werden. Jedenfalls habe ich die in den letzten Jahren immer häufiger gehört. Meist begeleitet von einem breiten, freundlichen Lächeln. Und ich glaube sogar, dass es dann wirklich freundlich gemeint ist.

Aber nein, es ist nicht “alles gut”. Vor sieben Monaten ist mein Vater gestorben. Ich komme da immer noch nicht so richtig mit klar. Das ist nicht gut. Das erzähle ich aber nicht, wenn ich begrüßt werde. Morgen wäre Papa 72 Jahre alt geworden und ich denke schon seit Wochen daran. Das ist auch nicht so gut, weil es von anderen Dingen ablenkt. Erzähle ich aber auch nicht.

Heute am späten Nachmittag schrieb mir meine Schwester, dass “unser” Hund Tiffy gestorben ist. Tiffy war schon fast 14 Jahre alt, hat Tim mit groß gezogen und war ein total lieber Hund. Leider bekam sie im letzten Jahr eine Fettgeschwulst am rechten Vorderlauf, die ziemlich schnell immer größer wurde. Zwar verursachte die Geschwulst keine Schmerzen, behinderte sie seit der letzten Woche aber so stark, dass sie nicht mehr richtig laufen konnte. Das ist ebenfalls nicht gut. Heute war es dann leider vorbei. Und ich bin richtig traurig. Nicht gut.

Ich begrüße niemanden mit “Alles gut?”, weil ich es niemandem übel nehme, dass er das in dem Augenblick gar nicht sagen möchte. Und ich vielleicht von anderen auch gar nicht wissen möchte, warum es gerade nicht so gut ist. Ich glaube, bei Freunden weiß ich das auch ohne diese Floskel. Ich finde “Hallo” ist eine perfekte Begrüßungsformel!

Über

Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

3 Kommentare zu „Alles gut?

  1. Ich begrüße auch häufig mit “Alles gut?” und ertappe mich ganz oft dabei, dass es mich eigentlich gar nicht interessiert. Es ist zwar freundlich, aber selten ehrlich gemeint. Ich werde diese Floskel definitiv überdenken.

    Als Antwort auf “Alles gut?” erwidere ich meistens: “Für einen gehts!”

  2. Traurig. Und mich bringt das gleich auch auf trübe Gedanken. Und das, obwohl meine Nichte doch vorgestern erst ihren Sohn geboren hat. Natürlich ist dies ein Anlass zur Freude.

    Wenn es einem nicht gut geht, kommen solche Floskeln, wie du sie beschrieben hast und über die man sich sonst keine Gedanken macht, nicht gut. Ich habe ein ganz ähnliches Erlebnis wie Herr D. mal mit einem Kollegen gehabt. Er – ganz Verkaufsleiter – fragte grundsätzlich immer wie es ginge. Einmal antwortete ihm eine Kollegin: “Ach, nicht so gut”. Er darauf: “Das freut mich”. Das hatte schon leicht tragikkomische Züge. Aber es zeigt, wie oberflächlich wir mit unseren Mitmenschen manchmal umgehen.

    Ich wünsche dir, lieber Andreas, dass du diese Phase gut überstehst. LG Horst

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*