Reparaturstau am Fahrrad

Ich fahre im Moment mit dem Auto zur Arbeit – gezwungenermaßen. Am 30.09. habe ich mein Bergamont Sweep zum Händler gebracht, weil mich viel Kleinigkeiten nervten und zu guter Letzt der Shimano-Nabendynamo von einem Tag auf den anderen anfing vernehmlich zu surren. Das kann ich ja gar nicht leiden, nervige Geräusche beim Radfahren gehen mir auf den Keks. Ich habe extra die Schwalbe-Landcruiser mit durchgehendem Steg montiert, damit die Stollen im Reifenprofil keine lauten Abrollgeräusche machen, fahre keine Scheibenbremsen, weil ich das vermeintliche Quietschen nicht haben möchte und Knackgeräusche werden umgehend auf deren Ursache untersucht und eleminiert. Und nun ein durchgängiges RRrrRRRrrrRRrrr des Dynamos unter Last. Unerträglich.

Das Rücklicht hatte bereits vor Wochen bereits endgültig den Geist aufgegeben – die LEDs zeigen nur noch rudimentäres Glimmen, die Standlichtfunktion ist seit Monaten nicht mehr in Funktion. Zusätzlich hat die Werkstatt es beim letzten Besuch ebenfalls nicht hinbekommen, den Steuersatz so zu verbauen, dass ich nicht alle paar hundert Kilometer nachziehen muss. Ständig merkt man beim Bremsen oder auf Huckeln ein leichtes Spiel in der Lenkung. Das hat kein anderes meiner Räder … und die fahre ich teilweise ganz anders. Da musste ich noch nie nachstellen. Eigentlich wollte ich nicht mehr in diese Werkstatt, nachdem mir beim letzten Mal mitgeteilt wurde, das leichte Spiel sei nicht das Lenkkopflager, sondern die V-Brake. Warum man das Spiel dann auch merkt, wenn man das Vorderrad vor einen Wand stellt und ohne Bremsen, nur mit leichtem Druck, das Rad bewegt, verstehe ich nicht. Hatte bei der Aussage jedenfalls ganz große Augen.

Da ich aber noch die Händlergewährleistung habe und es inzwischen mehrere Mängel sind, habe ich mich entschlossen, das Rad doch wieder dem Händler zu übergeben. Das war wie gesagt am 30. September. Kurz auf den Kalender geschaut: heute ist der 18.10. …

Wenn jemand ein 1 ½ Jahre altes Auto hätte, bei dem die Lichtmaschine kaputt wäre und das Auto stünde fast 3 Wochen in der Werkstatt, weil die Lichtmaschine eingeschickt werden müsste … kann sich jemand diese Situation vorstellen? Nein, kommt auch nicht vor. Genau das zeigt aber den Stellenwert, den das Rad in unserer Gesellschaft einnimmt. Selbst der Händler zeigte sich überrascht, dass ich nach zwei Wochen nachfragte, ob das Rad fertig sei. Das Rad ist mein Hauptverkehrsmittel, um zur Arbeit zu gelangen. Ich benutze jetzt – trotz trockener Witterung im Herbst – das Auto, meine anderen Fahrräder haben leider keine Schutzbleche. Wie gesagt, bei einem neuen Auto ist es unvorstellbar, dass der Besitzer so lange wegen einer solchen Lappalie auf sein Fahrzeug verzichtet. Zeter und Mordio würde geschrieen.

Das Fahrrad wird immer noch nicht als gleichberechtigtes Verkehrsmittel gesehen. Mein Arbeitsweg ist zu lang, um ihn bequem zu Fuß zu bewältigen und zu kurz, um sinnvoll das Auto zu benutzen. Aber selbst der Getriebetausch an meinem alten Volvo lief trotz hakeliger Abwicklung und inkl. eigener Beschaffung eines Ersatzes vom Schrottplatz schneller ab. Das zeigt auch sehr schön die Prioritäten. Das Fahrrad wird nicht für voll genommen.

Über

Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

2 Kommentare zu „Reparaturstau am Fahrrad

  1. Welcher Dynamo ist das denn? Der DH3-N20 ist ja für schlechte Abdichtung bekannt und einfach nichts für Allwetter-Fahrer.

    Ich wollte für mein Fahrrad in der ersten September-Hälfte einen Termin für die Jahresinspektion vereinbaren. Der Mechaniker (der Laden ist ein Ein-Mann-Betrieb) bat mich, doch etwas später im Jahr wiederzukommen, wenn “nicht mehr so viel Betrieb” sei. Er selbst ist da von ganz starken saisonalen Zyklen bei der Kundschaft abhängig, die ihrerseits das Fahrrad eben als jahreszeitabhängiges Freizeitgerät betrachtet.
    Wenn ich das Rad dann abgebe, ist es auch für mehrere Tage weg. Deswegen wollte ich mir immer ‘mal ein taugliches Ersatzrad herrichten, aber es mangelt an der Zeit dafür …

    Ich habe auch den Eindruck, dass der Großhandel die Einzelhändler am langen Arm verhungern lässt. Als ich letztes Jahr eine Lenkertasche bei dem Händler bestellt habe, musste ich sieben Wochen(!) darauf warten. Hätte ich online bestellt, wäre sie nach zwei Tagen bei mir gewesen. Auch andere Ersatzteile brauchen oft eine ganze Woche, bis dass sie bei ihm sind. Aus Solidarität mit dem Händler warte ich dann eben manchmal, aber wenn es schnell gehen soll, bekommt er eben nicht mehr eilige Aufträge …

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