Blauäugig

Das ist einer der Punkte, die ich bei dem ersten Piratenstammtisch in Bad Oeynhausen kritisch angemerkt habe. Auch dort wurde mit Verweis auf die ehrenamtliche Tätigkeit einiges, was noch im Argen lag, erklärt. Nun ist so ein Stammtisch auf kommunaler Ebene und dort ist es auch bei den anderen Parteien nicht anders, als das die Arbeit ehrenamtlich erledigt wird. Sieht man mal von Ratsmitgliedern ab, die eine Aufwandentschädigung bekommen. Spiegel.de: Pressesprecher der Piraten treten zurück
“Ich bin müde, ausgepowert und erschöpft”: Christopher Lang, Bundespressesprecher der Piratenpartei, tritt mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück. Er fordert “bezahltes und qualifiziertes Personal”. Kurz darauf trat auch der Vizesprecher zurück.
Ab einer gewissen Ebene ist es einfach nicht mehr möglich, solche Tätigkeiten ehrenamtlich zu erledigen, weil dann ganz schlicht und ergreifend zuviel zu tun ist. Man muss irgendwo auch sein Geld verdienen. Und ganz ehrlich: genau da sähe ich dann auch das Problem. Es könnte jemand “ehrenamtlich” in einer Partei arbeiten, gleichzeitig seine Brötchen irgendwo verdienen, dort aber bei vollem Lohn freigestellt werden – womöglich weil sich die Firma etwas davon verspricht! Genau deshalb bin ich dafür, Politikern ab einer bestimmten Ebene soviel Geld zu bezahlen, dass sie davon ordentlich leben können. Ja, ich bin gleichzeitig dafür dass man als Politiker selbstverständlich nicht in irgendwelchen Aufsichtsräten zu sitzen hat oder anderweitig Posten annimmt, die man zweimal im Jahr beim Kaffeetrinken ausfüllt und dafür fürstlich bezahlt wird. Es sei denn, die entsprechende Unternehmung ist eine Tochter der Kommune/Land/Bund.

Das sehen die Piraten nicht anders und meinen, sie könnten das durch die totale Ehrenamtlichkeit heilen. Genau das Gegenteil ist der Fall! Und machbar ist es – wie man jetzt sieht – auch nicht.

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3 Comments on “Blauäugig

  1. Wobei man im Fall der Piratenpartei ausprobieren könnte, diverse Jobs crowdzusourcen (uuaah, welch ein denglishes Wort). Genug Leute und die nötigen Online-Werkzeuge gäbe es, man müßte es nur organisieren, die Leute vernünftig schulen und es einfach mal wagen.

    Das wird vermutlich nicht so gut funktionieren, als wenn man dort ein paar Profis hat. Und für bestimmte Tätigkeiten wird es auch einfach nicht funktionieren können. Aber ausprobieren könnte man es erst einmal, bis man sich überwunden hat, für einige wichtige Tätigkeiten Geld zu zahlen, was ich auch derzeit für alternativlos halte.

  2. Du warst doch auch da: immer wenn es darum ging mehr zu tun als üblich, oder es schwierig wurde, kam das Argument “ehrenamtlich” … keine Zeit. Ich bin überzeugt, es funktioniert nur, wenn bestimmte Dinge von bestimmten Personen erledigt werden, die sich nur einen Kopf um genau das machen. Wenn man quasi nebenher noch für sein Leben arbeiten muss, dann ist die Priorität falsch gesetzt oder die Erwartungen nicht richtig justiert.

    Kommunal geht das noch, Kreis vielleicht auch, aber ab Landtag wird es sicher eng. Zumindest dann, wenn man den Teil der Politik ernst nimmt.

    • Das ist aber auch eine Sache der Einstellung: Man kann durchaus auch ehrenamtlich, auch neben dem normalen Job, einiges bewegen. Insbesondere, wenn man nicht Einzelner oder eine kleine Gruppe ist, sondern mehr als 20000 Leute (!) hat. Man muß es aber wollen und entsprechend gut organisieren.

      Natürlich wird es immer welche geben, die sich spezialisieren (müssen) und mehr machen (müssen) als andere – und die sollten dafür auch bezahlt werden, keine Frage.

      Klar, Landtag oder Bundestag oder Europaparlament ist eine Vollzeitaufgabe. (Und bei manchen habe ich das Gefühl, sie sehen derzeit eine gute Chance, durch die Piraten so einen Posten bzw. eine bezahlte Mitarbeiterstelle dort recht bald einnehmen zu können und allein aus dieser Hoffnung speist sich die Mitgliedschaft in der Partei, nicht so sehr aus Hingabe zu den eigentlichen Parteizielen.) Ich bin auch der Meinung, daß bei den Piraten die Bundes- oder Landesvorstände bezahlt und damit professionalisiert werden sollten; sonst wird das mittel- und langfristig schiefgehen.

      In den niedrigeren Ebenen dürfte aber ehrenamtlich – wie bei den anderen Parteien – bei entsprechendem Einsatz viel zu bewirken sein. Bei der Dynamik und mit den Werkzeugen der Piraten und mit immer mehr Erfahrung könnten sie die anderen Parteien sogar abhängen. Aber dafür wäre es wichtig, eine gute Starthilfe zu geben und sich anfangs richtig (ehrenamtlich) reinzuschmeißen und etwas aufzubauen, was danach dann läuft. Diese Bereitschaft zur »Starthilfe« habe ich beim ersten Stammtisch vermißt und ich bin da auch für die nächsten etwas pessimistisch. Wenn es da aber jetzt zwei, drei Leute gibt, die das in Hand nehmen und ein paar Monate lang einige Stunden in der Woche opfern, um Pläne zu machen und alles zu organisieren, dann dürfte es mit der Piratenpartei lokal und regional gut vorangehen und Interessierte in die weitere (ehrenamtliche) Arbeit recht einfach eingebunden werden können.

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