PC-Hilfe von Professionellen

PC-Hilfe von Professionellen
Mein Arbeitsplatz zu Hause in 2008

Ich helfe manchmal Menschen mit ihren „Computern“ im weiteren Sinne. Telefon einrichten, Backup vorbereiten, Providerwechsel, neuen Drucker kaufen, Betriebssystem retten, das was man als jemand der „irgendwas mit IT“ in den meisten Beschreibungen stehen hat eben so macht. Meist im Freundes- und Verwandtenkreis, aber auch bei Arbeitskollegen und Ehemaligen. Bei einigen schon seit Jahrzehnten. Und ich mache das eigentlich immer gerne. Meistens habe ich sogar ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht sofort Zeit habe. Denn die meisten Menschen, denen ich so helfe nehmen das nicht in Anspruch, weil sie zu faul sind und mich als Dienstleister „engagieren“, sondern sie können es schlicht nicht und sind dann aufgeschmissen, wenn Telefon, PC, Tablet oder Smartphone nicht funktionieren. Und ich weiß, wie es mir dann geht.

Der Schreibtisch in einem "Computerzimmer" Ende der '90er Jahre. Ein riesiger Laptop, DOS-Rechner und ein modernerer PC bilden ein Ensemble.
Computerecke Ende 1999
Immer wieder gern erzählte Anekdote: Am Tag unserer standesamtlichen Trauung rief mich abends, als wir chillen wollten und uns auf die kirchliche Hochzeit am nächsten Tag und die anschließende Feier vorbereiten wollte einer unserer Trauzeugen an und berichtete, dass sein DSL-Anschluss nicht mehr funktionierte. Und trotz der Augen meiner dann Frau – so groß wie Untertassen – bin ich „kurz“ dort vorbei gefahren, bin unter dem Schreibtisch gekrabbelt, habe den Fehler lokalisiert und „das Internet“ wieder gängig gemacht. Ich hab’s auf dem Weg zum Chinamann gemacht, bei dem wir gebratene Nudeln als Snack bestellt hatten, aber es bleibt, dass ich sogar am Tag der Hochzeit irgendwas repariert habe.

Vor ein paar Wochen rief mich die weit über 80jährige Frau eines ehemaligen und inzwischen bereits verstorbenen Arbeitskollegen an, weil ihr Sohn nicht mehr bei Amazon bestellen konnte. Er ist leider physisch und psychisch eingeschränkt und ich schaue da schon seit Jahrzehnten vorbei. Online-Bestellungen sind dort fast die einzige Möglichkeit, Kleinigkeiten schnell zu bekommen. Dementsprechend war ich sehr „mitleidig“, dass das nun wohl schon seit einem Dreivierteljahr nicht mehr funktionieren sollte und habe mich noch am gleichen Tag abends auf den Weg gemacht. Vor Ort wurde mir erzählt, dass die Situation besteht, seitdem ein Elektronikhändler einen neuen Laptop geliefert und auch eingerichtet hat, inklusive der Migration der alten Daten. Na dann wollen wir mal schauen.

Es stellte sich im Gespräch raus, dass es schon viele Gespräche mit dem Dienstleister gab und dieser inzwischen mehr oder weniger unwirsch war. Seit der neuen Installation konnte man bei Amazon kein „Passwort vergessen“ mehr nutzen. Der Dienstleister war wohl schon ein paar Mal vor Ort, hatte per Fernwartung geschaut und per Telefon-Support (was in dem Fall vergebene Liebesmühe ist). Auf der Amazon-Seite konnte ich ganz normal ein neues Passwort anfordern, es kam aber nichts an. Auch merkwürdig, dass das alte Passwort nicht mehr funktionierte. Das steht nämlich alles fein notiert auf „Spickzetteln“. Im Mail-Postfach war keine Rücksetzungsmail. Merkwürdig. Bin dann mal in die Einstellungen gegangen und fand eine Weiterleitung an eine kryptische Googlemail-Adresse. Die war dem User völlig unbekannt. Erstmal raus gelöscht! Bei den Regeln fand ich eine, die alle Amazon-Mails in einen kryptischen Unterordner verschob und auf gelesene setzte! Was zur Hölle? In dem Ordner waren denn auch gesammelte Rücksetzungsmails der letzten Monate. Regel gelöscht, neues Passwort angefordert, Mail kommt an, Passwort neu vergeben, zack, läuft. Eine Sache von 10 Minuten. Weder kann der User Weiterleitungen einrichten, noch Regeln anlegen.

Dann wurde mir berichtet, dass auch alle seine Daten und Bilder weg seien. Häh? Auf dem Rechner gesucht und im User-Verzeichnis war wirklich nichts. Recht schnell sah ich dann aber die Profilordner „Bilder“, „Musik“ usw. auf dem Desktop! Was sind das denn für Dienstleister. Habe die Inhalte in die passenden Ordner verschoben und es war wieder wie vorher. Dabei sah ich dann auch, dass der Dienstleister ein Microsoft-Konto angelegt hatte, weil lokale Konten unter Windows 11 ja nicht mehr „einfach so“ funktionieren. Das ist auch OK, aber dann sollte man doch den Namen bitte richtig schreiben! Auch das online geändert, nur um dann festzustellen, dass das verwendete Geburtsdatum einfach willkürlich gewählt wurde und nicht zum tatsächlichen Alter passte – um mehrere Jahrzehnte! Alter! Aus den alten persönlichen Ordnern konnte ich dann auch noch einen alten Stand der Favoriten wieder herstellen, so dass auch wieder seltener benutzte Seite gefunden werden konnten.

Dass die alte Hardware gleich vom Händler mitgenommen wurde und auch noch der Drucker/Scanner gegen einen neuen getauscht wurde, weil „der geht nicht mehr mit dem neuen Laptop“ war da nur die Kirsche auf der Torte! Ich würde diese externe Arbeit als lieblos, schluderig, nicht zu Ende gedacht und der persönlichen Situation als völlig unangemessen bezeichnen. Was es mit der merkwürdigen Konfiguration des Mailkontos auf sich hat und wie dies zustande gekommen ist, weiß ich absolut nicht. Es wurde jedenfalls für diese Umstellungsarbeit reichlich Geld bezahlt und viel Ärger verursacht.

Jedesmal frage ich mich dann, was Menschen in solchen Situationen tun, die keinen „Andreas“ kennen?

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Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

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