4.000,- € die der Autoindustrie je Elektro-KFZ in den Pöter geblasen werden

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Tesla stellt ein neues großes Elektroauto vor und alle überschlagen sich vor Begeisterung. Leider ist das nur ein Teil der Lösung. Man geht weg von der Verbrennung fossiler Energieträger hin zur Nutzung von Elektrizität. Solange diese aber aus Atom- und Kohlekraftwerken kommt, hat man genau gar nichts gewonnen. Also in dem Punkt nur ein kleiner Tropfen auf einen nicht mehr ganz heißen Stein. Das andere – ebenso gewichtige – Problem, nämlich der Infrastrukturkollaps, wird durch soetwas kein bisschen gelöst.

Wenn mehr Elektroautos unterwegs sind, dann stehen die Muttis morgens vor der Kita eben in einem Elektroauto und meckern über fehlende Parkplätze. Dann wird vor Grundschulen vor dem gefährlichen Verkehr gewarnt, der aus Elektroautos besteht und die Mütter “zwingt”, ihr Prinzesschen nicht mit dem Rad oder zu Fuß zum Lernen zu schicken. Es wird auf der Eidinghausener Straße weiterhin jeden Morgen Stau sein, weil sich dann eben ein 10m² Verkehrsfläche beanspruchendes Elektroauto an das nächste reiht. Und natürlich fährt ein Elektroauto die Infrastruktur der Kommunen genauso kaputt, wie eines mit Verbrennungsmotor.

Hilfreich ist da nur ein grundsätzliches Umdenken, wie es in vielen Ländern – außer Autodeutschland – bereits stattfindet. Auf Strecken in der Stadt lässt man einfach das Auto stehen und geht zu Fuß (zur Schule oder in den Kindergarten -> kurze Wege, kurze Beine) oder nimmt das Rad. Das ist keine Utopie, das funktioniert. Auch bei uns. Und es muß es niemand mit der 80jährigen Seniorin kommen, die fährt nicht jeden Morgen zur Arbeit oder in die Kita. Ich rede vom Alltagsverkehr, das was morgens und nachmittags den Verkehr kollabieren lässt und über das sich alle aufregen – aber so gut wie niemand bei sich selbst anfängt.

Nun hat die Autolobby unseren Bundespolitikern wieder ordentlich gesagt, wo es lang zu gehen hat und brav machen die das Portemonnaie auf, um von meinen Steuern den Autoherstellern je verkauftem Elektroauto 4.000 € zu schenken. Der Industrie, die gerade durch großflächigen Betrug technische Einschränkungen bei der Abgasreinigung von sich reden macht. Der Industrie, die jahrzehntelang verschlafen hat, etwas zu tun. Der Industrie, deren Erzeugnisse jährlich tausende von Menschen allein in Deutschland töten und wir das als nicht änderbar hinnehmen.

Wir können das ändern! Ein brauchbares Elektrofahrrad bekommt man für weit weniger als 4.000 € und wenn ich diesen Betrag für den Kauf eines Elektro*fahrzeug* bekommen würde, hätte ich nächste Woche ein Coboc auf dem Hof stehen. *Das* würde das Infrastruktur- und Energieproblem in Städten lösen. Gleichzeitig aber der Autolobby vor den Kopf stoßen. Für mich Win-Win, für die Politiker undenkbar. So machen die schön kopflos weiter wie bisher, bloß keine Änderungen, bloß kein Umdenken, bloß nicht “die Märkte” verärgern. Wenn E-Autos mit 4K€ subventioniert werden, glaubt denn auch nur ein Einziger, dass es dadurch günstiger für den Käufer wird? Ich bin fest davon überzeugt, die Hersteller schlagen in der Kalkulation die Subvention oben drauf! Wie hilfreich für die Umwelt war die Abwrackprämie damals noch gleich? Wer hat dabei Gewinn gemacht?

Politik für Menschen sieht anders aus. Politik mit Nachdenken auch.

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4 Comments on “4.000,- € die der Autoindustrie je Elektro-KFZ in den Pöter geblasen werden

  1. Naja, laut div. Pressemitteilungen ist das ja eine 50%/50% -Regelung zwischen Herstellern und BRD, also kommen auf den Steuerzahler “nur” 2000 Euro Subventionen pro Fahrzeug zu, der Rest wird vom Hersteller vom 2000 Euro erhöhten Kaufpreis dann wieder abgezogen. Ich bin ja schon froh das zum Einen (noch?) nicht der ganze Batteriesatz gesponsort wird und zum Anderen wohl diesmal wenigstens Oberklassekarossen und Alibi-Hybride außen vor bleiben bzw. deutlich niedriger gesponsort werden. Das hätte in dieem unseren Lande auch ganz anders ausgehen können – ich hätte mir auch eine Argumentation nach “im Schnitt kosten die Batterien 30% daher werden alle Fahrzeuge mit e-Reichweite ab 25 km(man NEFZ von Hybridfahrzeugen) mit 30% gefördert”.
    Ich bin doch gespannt wieviel dieses Tröpfchen jetzt bewirken wird. Immerhin hat die Regierung jetzt wohl offiziell zugegeben das es mit der Mio e-KfZ bis 2020 nix wird und peilt jetzt erstmal nur die Hälfte an. Bin ja mal gespannt wann das auch wieder nach unten korrigiert wird.

    Zur Förderung von e-Bikes: das war ja klar das das nix wird. Die gehen ja auch so wie die warmen Semmeln weg, da braucht es keine Subvention. Zumindest nicht in Form eines Geldregens beim Kauf. Eine indirekte Subvention hingegen, wie häufigere Kontrollen des Verkehrsgeschehens, Vorrang für Radfahrer und Fußgänger, Straßensperren auf Nebenstraßen für den Durchgangsverkehr – ja, das wär was. Wird es aber nicht geben denn das würde die indirekten Subventionen des KfZ-Verkehrs konterkarieren.

  2. Die 1 M Elektroautos bis 2020 wären schon etwas mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein (EU-Vorgaben). Gerade weil in Deutschland der Verkehr einen recht großen Anteil am Primärenergieverbrauch hat (1/5; von der Endenergie sogar ein gutes Drittel) und unser Strommix mittlerweile tatsächlich einen Primärenergiefaktor vorweisen kann, der auch in absehbarer Zeit besser sein wird als der von Benzin.

    Um 10% der vom Verkehr umgesetzten Energie aus EE zu beziehen (EE RL 2009/28/EG), hilft es nicht, wenn mehr Leute auf’s Fahhrad steigen. Die an den Pedalen verrichtete Arbeit wird leider nicht mitbilanziert.

    Das kann man sicher kritisieren, aber dann eher in Richtung EU als in Richtung unserer Bundespolitiker. Obwohl das natürlich nicht vollkommen entkoppelt ist.

    Unsere behäbige Autoindustrie anzutriggern ist hoffentlich ein besserer Weg als das quasi gescheiterte E10, um an die 2020-Vorgaben heranzureichen. Schaffen werden wir es bis 2020 eher nicht mehr…

  3. Das witzige ist ja das die Bundesregierung, und die Autohersteller sich wieder in ihr eigenes Knie schießen.

    Es ist wie bei der Abwrackprämie vor ein paar Jahren, welche Autos werden dann verstärkt gekauft? Hauptsächlich ausländische.

    Peugeot, Renault, Mitsubishi und Nissan haben funktionierende und vernünfte Elektrofahrzeuge auf dem Markt.

    Der E Golf ist sicher interessant, aber der Rest? Da wird nicht viel in Deutschland hängen bleiben.

    Der Staat sollte seine Finger aus der Privatwirtschaft halten. Wenn etwas gut ist, dann verkauft es sich, wenn nicht dann geht es halt unter.

  4. > Der Industrie, deren Erzeugnisse jährlich tausende von Menschen
    > allein in Deutschland töten und wir das als nicht änderbar hinnehmen.

    Dieser Absatz hat mir am besten gefallen. Und nein, gefreut habe ich mich darüber nicht, es ist traurig. Und leider nimmt es nicht nur die Industrie als nicht änderbar hin, sondern auch Gesetzeslage und Rechtsprechung und letztlich auch die Gesellschaft insgesamt. Das ist das schlimme daran.

    Ansonsten zeigt der ganze Sachverhalt zum wiederholten Male, wir korrupt unsere Politik )inzwischen?) ist.

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