NSDAP-Vergangenheit

Correctiv.org hat kostenlos und ohne Registrierungszwang die NSDAP-Akten einfach durchsuchbar zur Verfügung gestellt.

In 2015 – vor elf Jahren – habe ich aus der erweiterten Verwandschaft einen Brief bekommen, in dem ziemlich rumgeschwurbelt wurde.

[…] es gibt doch keine Partei die für christliche Werte eintritt und die Meinung der Bürger akzeptiert. Pegida hat man mundtot gemacht und die AfD zerstreitet sich. Die CDU ist unterwandert von Linken und Homos und bis auf die Bayern-Partei CSU ist keine Hoffnung in Sicht. […]

Naja, und das uns der Islam überrollt, dass die NSDAP eine linke Partei war, wir mit Rot-Grün verblöden und so’n Quatsch halt.

Liebe XXXXXX, ich würde gerne mal mit Andreas E D L E R sprechen und ihn fragen was ihn bewogen hat einer Partei anzugehören, die Homo-Ehen, offene Arme für Wirtschaftsmigranten vertritt und von der Mehrheit der Antichristen umgeben ist.
Ausschnitt aus dem Brief

Liebe XXXXXX, ich würde gerne mal mit Andreas E D L E R sprechen und ihn fragen was ihn bewogen hat einer Partei anzugehören, die Homo-Ehen, offene Arme für Wirtschaftsmigranten vertritt und von der Mehrheit der Antichristen umgeben ist.

Leider steht Andreas E. nicht im Telefonbuch, sonst hätte ich ihm längst geschrieben.

Unser Großvater … hat sich in Hitler geirrt, wie die Mehrheit der Deutschen damals. Der Teufel ist eben schlecht zu durchschauen, aber wenn Opa das sehen könnte was aus Deutschland geworden ist, würde er sagen: Die Deutschen haben nichts dazu gelernt.

Überflüssig zu erwähnen, dass ich selbstverständlich im Telefonbuch stand (und immer noch stehe, glaube ich). Den Brief habe ich dann über eine andere Verwandte zugestellt bekommen. Habe ihn gescannt und weggeworfen. Persönlich hatte ich mit der Verfasserin sehr, sehr selten und vor langer, langer Zeit Kontakt. Seit diesem Brief allerdings auch keine Lust mehr darauf. Sie ist inzwischen auch verstorben.

Warum ich mich jetzt an diesen Brief erinnerte? Weil ich heute bei Correctiv gefunden habe, dass der in dem Brief erwähhnte Großvater am 01.04.1933 in die NSDAP eingetreten ist. Praktisch sofort nach der Machtergreifung. Das hat mich etwas betroffen gemacht.

Screenshot eines Briefes aus 2015 an mich: Meine Anmerkung: Die Nazipartei - - NSDAP - war eine linke Partei! Die rechten Parteien: Konservative und Centrum hatten mit den Nazis nichts gemeinsam. Leider wurde nach dem Krieg das Volk in einen Topf geworfen und schuldig gesprochen.
Dieser Blödsinn ist nicht neu :-(

Zu Hause war Politik nie ein großes Thema. Mein Opa war im Krieg, aber er hat nie darüber gesprochen – jedenfalls nicht mit uns Enkelkindern. Vielleicht waren wir auch noch zu jung – er ist gestorben, als ich 14 Jahre alt war. Eine große Kiste voller Bilder meines Opas aus dem Krieg hat mein Vater irgendwann verbrannt. Das finde ich ein wenig schade. Unter anderem, weil meine Kinder neulich sogar mal nach den Urgroßeltern und deren Geschichte fragten.

In welchem Verwandschaftsverhältnis der im Brief erwähnte Großvater zu mir stand, möchte ich gar nicht erläutern. Es geht mir nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Das in dem Brief transportierte Gedankengut ist aktuell immer noch in den Köpfen vielen Menschen und wird von Generation zu Generation weiter gegeben. Aufklärung und Bildung sind extrem wichtig. Der Brief ist unter anderem der Grund, warum ich nirgends mehr den Mund halte, sobald jemand mit abstrusen und schwurbeligen Aussagen um die Ecke kommt. Das ist manchmal unangenehm, weil es eben auch in der eigenen Familie vorkommen kann. Aber es ist wichtig, dann dagegen zu halten, gerade zu rücken und den gefährlichen Quatsch als solchen zu benennen!

Impressum

Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

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