Der Baader Meinhof Komplex

Ich mag Dokumentationen, Biographien ab und an, leider kommt sowas hauptsächlich auf Arte, 3Sat und Konsorten. Umso schöner, wenn dann etwas Ähnliches auch mal im Kino läuft. Neuere deutsche Geschichte und dann der Anspruch, den Regisseur Uli Edel an sein Werk hat. Er will zeigen, wie die RAF wirklich war. Ungeschönt. Na bitte, dann gucke ich mir das doch mal an. Überraschend viele Ältere Gäste im Saal – darunter sehr, sehr viele Eltern mit ihren Kindern. Das Thema scheint zu interessieren.

“Außen hui, Aussage pfui” auf filmfacts.de …

Der Film ist wunderbar ausgestattet, mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und sehr gut fotografiert. Die Musik passt. Ich habe formal wirklich gar nichts zu meckern. Aber diese unreflektiere Darstellung der Geschehnisse aus einer weitgehenden einseitigen Sicht ist bei der Darstellung von Extremen gefährlich – ich würde sagen “falsch”. So erreicht der Film meiner Meinung nach genau das Gegenteil von dem, was eigentlich gezeigt werden sollte. Und von daher kann ich wirklich keine Empfehlung aussprechen.

Über

Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

4 Kommentare zu „Der Baader Meinhof Komplex

  1. Auch wenn die Sicht der Dinge teilweise einseitig wirken mag, finde ich den Film durauchaus sehenswert.

    Dies bestätigt sich für mich auch in der Klientel, die sich den Film anguckt. Ich habe selten so viele “Ü-Dreißiger/Vierziger” und “Ü-Fünfziger” auf einmal im Kino gesehen.

    Die meisten davon habe die ganze Angelegenheit damals life erleben müssen und was ich so mitbekommen habe, sind die meisten vom Film und dessen Umsetzung positiv überrascht und ich kann mich da nur anschließen.

  2. Ich sage ja nicht, dass der Film formal schlecht ist. Im Gegenteil! Und die Vierziger und Fünfziger im Saal sollten die Sache auch verarbeiten können. Ich kritisiere, dass Edel in keiner Weise Stellung nimmt – und das ist bei dem Thema unangebracht bis gefährlich.

    Er nimmt auch nicht – wie eine andere Leserin anmerkte – durch die bloße Zurschaustellung der Morde und Attentate Stellung, weil man als Zuschauer ja wissen muß, dass Mord schlecht ist. Für diejenigen, die die Materie nicht kennen, die nicht wissen was da passiert ist – und das werden nicht wenige sein angesichts der Tatsache, dass viele Jugendlich nicht mal wissen, wo die Mauer verlief – ist das schlicht ein Actionfilm, in dem sich “das Volk” (immerhin sind etliche Außenstehende dort wohlwollend gesinnt) gegen die Staatsmacht auflehnt. Und das besonders Baader schon ziemlich sympathisch rüberkommt, geht das bei Unbedarften nach hinten los.

    Es soll Leute geben, die ‘Saving Private Ryan’ “Ey, voll geil ey” finden. Das ist zwar abgesehen von der Einganssequenz ein langweiliger Stinker, aber gerade diese Landung in der Normandie zeigt sehr schön, wie man solch brutales Verhalten darstellen kann, ohne dass es verherrlichend wirkt. Und selbst da hat das nicht bei allen geklappt.

    Bruno Ganz bildet da als einziger einen Gegenpol. Und gerade dadurch wirkt sein philosophieren ziemlich aufgesetzt. Nein, je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr halte ich die Machart des “Baader-Meinhof Komplex” für falsch.

    Super gespielt, sehr gut gefilmt, klasse ausgestattet – alles. Aber mit der Intention zu zeigen “wie es wirklich war” ziemlich daneben.

  3. Wenn man das ganze so betrachtet, liegt aber die Gefahr nicht am Film und etwaigen Verherrlichungen, sondern in der “Generation Doof” und die wirst Du auch mit Stellungnahmen im oder zum Film nicht intelligenter machen können. Das ist leider ein Fakt.

    Jeder, der einen halbwegs gesunden Menschenverstand hat, wird wissen, was der Film ist und was der Film darstellen soll und jeder bewertet ja anders. Ich zum Beispiel fand Baader absolut unsympathisch…

  4. Das hat mit “Generation doof” wenig zu tun, sondern mit Regisseur wichtig. Ich verlange keine Stellungnahmen – die hat “Saving Private Ryan” auch nicht. Ich erwarte einer etwas differenzierterr Darstellung. *Mir* muß Edel nicht erzählen, das die RAF mehr als Mist gebaut hat.

    Wenn er das aber Leuten erzählt, die davon noch nie gehört haben, dann darf er das nicht auf diese Art und Weise tun. Das ist mein einziger – wenn auch gewichtiger – Kritikpunkt an dem Film.

    Mit Deiner Begründung dürfte es keine Indizierung von Filmen/Bücher/was auch immer geben.

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