Väterkomponente

aus dem dpa-Newsticker:

04.03.2006, 04:55 Uhr
Mannheim (dpa) – Trotz Widerstandes in der Union: Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen will das geplante Elterngeld nur dann ein volles Jahr auszahlen, wenn auch Väter mindestens zwei Monate Auszeit nehmen. «Die Väter-Komponente ist nicht verhandelbar», sagte sie dem «Mannheimer Morgen». Sie werde kommen. Es gehe darum, die Freuden und Pflichten für Kinder gleichmäßig zu verteilen. Union und SPD wollen das Elterngeld 2007 einführen.

Gibt es eigentlich Grundvoraussetzungen, um Politiker zu werden? Dazu gehört sicher, von Anfang an jedem Nachdenken und Verstehen abzuschwören und überhaupt nicht mehr in die Realität zu schauen. Möglichst abstruse Vorschläge zu machen und gar nicht mehr über die Folgen nachzudenken. Alternativ darf man sich auch frontal-lobotomieren lassen.

Das denke ich jedenfalls, wenn ich so einen Blödsinn lese. Was passiert denn bitte in den zwei Monaten, in denen ich nicht im Büro bin? Streichelt mir der Arbeitgeber über den Kopf und sagt “Das ist schön, dass Du jetzt erstmal gehst. Ich halte Deinen Platz mit dem Heizlüfter warm.” Oder sitzt dann eine Vertretung auf meinem Platz und wenn ich zurück komme, darf ich an den Katzentisch? Dieser Vorschlag von Frau von der Leyen ist so dämlich und weltfremd, man könnte fast darüber lachen, wenn es ihr nicht so bitter ernst wäre.

Es ist doch für diejenigen Elternteile, die jetzt komplett zu Hause bleiben schon nur in wenigen Fällen möglich nach der Elternzeit eine adäqaute Stelle zu bekommen. Soll man das jetzt auch noch auf *beide* Elternteile ausdehnen? Damit gar keiner mehr einen Anreiz hat um Kinder großzuziehen, die später Frau von der Leyens dicke Pension bezahlen. Wo lebt die Tante bitte schön?

Man, Man, Man … es ist wirklich kein Wunder, dass es uns schlecht geht, wenn Leute mit solchen Ansichten was zu sagen haben.

Über

Ich schreibe hier über Fahrrad(politik), Politik an sich, Technik, unsere Familie und alles was mich sonst so bewegt.

5 Kommentare zu „Väterkomponente

  1. Hallo? Das sind nur 2 (!!) Monate! 8 Wochen. Wenn Du Dir kompliziert das Bein oder sonstwas brichst, fällst Du auch schon mal 2 Monate aus.
    Bei Arbeitsplätzen, die mit Frauen besetzt sind, klappt die Vertretung sogar über eine längere Zeit, soll man gar nicht glauben. Natürlich ist das kompliziert und umständlich, aber 2 Monate bringen niemanden um, auch den Chef nicht, obwohl der das vielleicht anders sieht.

    Viele Grüße von Sabine, die oft genug Vertretung für Kolleginnen im Mutterschutz war.

  2. Ich war in 2003 auch mal 2 Monate nicht m Büro. Zwischendurch war ich allerdings immer mal ein paar Stunden da, um Dinge zu erledigen. Und zu Hause habe ich auch das ein oder andere gemacht.

    Allerdings bin ich da – soweit ich weiß – bei uns im Betrieb ein Einzelfall mit so einem langen Ausfall durch Unfall. Aber *alle* bei uns im Büro sind innerhalb von 3 Jahren Vater geworden. Das wären zusätzliche 6 Monate, in denen die verbleibenden Personen mehr zu tun gehabt hätten. Eine so kurzfristige Einarbeitung ist in vielen Bereichen schlicht nicht möglich.

    Es geht der lieben Frau von der Leyen ja auch nicht um wirtschaftliche Dinge sondern um “Gerechtigkeit”. Und das ist *lachhaft*. Die Möglichkeit, sich die Elternzeit zu teilen, besteht jetzt schon. Wenn die Leute das – aus welchen Gründen auch immer – nicht nutzen, dann ist das halt so. Da hat niemand was dran zu drehen.

    Wenn die Frau/der Mann sowieso 3 (oder 2 oder 1) Jahre zu Hause bleibt, bringen ihr jobtechnisch die 2 Monate, die ihr Mann/Frau zu Hause ist, gar nichts. Im Zweifel bekommt sie/er für die 2 Monate keine Arbeit und beide sitzen zu Hause.

    Die Idee ist total bekloppt. “Es gehe darum, die Freuden und Pflichten für Kinder gleichmäßig zu verteilen.” Also mal ehrlich, hat die Frau einen an der Waffel? *Das* soll der Grund sein?

  3. Tja, die Elternzeit. Ist eh ein Witz – was machen denn die Selbständigen (die Frage stellt sich mir nämlich irgendwann mal)? Und da muß es auch irgendwie gehen.
    Alles in allem halte ich es für machbar, auch wenn die Begründung (Gerechtigkeit) in der Tat ein bißchen mager ist. Machbarkeit hängt auch ein bißchen davon ab, was man eben im Betrieb gewohnt ist. Und wenn es halt nicht sooo unüblich ist, daß auch mann mal 2 Monate net da ist, seh ich eigentlich kein Problem. Sabbaticals / unbezahlter Urlaub geht meist auch irgendwie.

    Was ich mich allerdings frage: Frau kriegt Kind und geht im Normalfall nach dem Mutterschutz in die Elternzeit. Und was macht sie in den 2 Monaten, die der Kerl dann “ableisten” muß? Liegen die am Anfang, mittendrin, am Ende der max. 3 Jahre? Gegen Ende wär ja ok, sie sucht sich nen neuen Job, er bleibt mal kurz beim Kinneken, aber sonst?

    Naja… alles noch etwas unausgegoren.

  4. Die Elternzeit ist natürlich kein Witz. Auch Selbständige treten dann kürzer oder bleiben zu Hause. Ein Problem wird das erst dann, Du plötzlich das Kind allein hast. Egal ob als Mann oder Frau.

    Wenn Du ganz allein bist und auch noch allein in Deinem Beruf, dann wirst Du doch auch kein Kind bekommen? Es sei denn, Du heißt Maria …

    Wenn Du selbständig bist, dann hast Du im Zweifel auch irgendwann mal Mitarbeiter. Und dann machen die eben mehr oder Du musst Dich für die Zeit der Erziehung um einen Ersatz kümmern. Willkommen im Leben! So sieht das in einer Firma nämlich auch aus.

    Der entscheidende Vorteil, den Du hast: Du bist dann der Chef und suchst Dir aus, wann Du wieder kommst und was Du mit Deiner Vertretung machst. Wenn Du angestellt bist, sucht sich der Arbeitgeber aus, was er mit Dir macht! Im Zweifel steckt er Dich auf einen anderen (i.d.R. schlechter bezahlten Platz) … wenn überhaupt.

  5. Hm, naja, den Selbständigen möcht ich sehen, der zu Hause bleibt (ok, ich red von Freiberuflern). Komplett auf keinen Fall, kürzer treten ok, wenn irgendwie machbar.

    Und was die Angestellten angeht, möchte ich mal folgendes (mich vermutlich erwartendes) Szenario darlegen: Steuerberaterin und Rechtsanwalt eröffnen eine neue (!) Gemeinschaftskanzlei. Das Ding läuft an, beide sind Anfang 30, da denkt man schon mal sehr intensiv über Kinder nach. Und ganz ehrlich, ich werd dann nicht zu Hause bleiben. Die Angestellten in so ner Kanzlei sind dann meist die Azubine beim StB und die Tippse beim RA, evtl. noch die Putzfrau. Grad wenn die Praxis noch nicht ewig und drei Tage besteht, man sich also noch was aufbaut, hat man keine Angestellten, v.a. keine auf gleichem Berufslevel (Studierte mit Berufsexamina), weil es einfach (finanziell) nicht drin ist. Andererseits ist man rechtlich alleinverantwortlich. Setzt man für längere Zeit aus, kann man den Laden auch gleich einstellen. Von daher ist – aus meiner Sicht – die Elternzeit ein Witz. Und zwar kein wirklich komischer.

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