Familienausflug zur Mühle Großenheerse – 2011

Zur Mühle Großenheerse und zurück … 27. und 28.04.2011

Eckdaten

Fahrrad Andreas:

  • Scott Purgatory, Schwalbe Land Cruiser, Sattel Selle Italia Explorer, LX-Altus-Deore Mischmasch
  • mit Gepäck 30 Kg

Fahrrad Alex:

  • ewig altes KTM-Damenfahrrad mit Brooks-Sattel und 7-Gang Shimano Nabenschaltung

Fahrrad Tim:

  • Raleigh, 26er Kinderrad mit 7-Gang Shimano-Nabenschaltung

Die Tour:

  • Mittwoch:
    Ab. BO: 8:30 Uhr
    An. Mühlencafé: 16:50 Uhr
    Strecke: 38,6 Km
    Schnitt: 12,3 Km/h
    Fahrtzeit: 3h 07m 45s
    max.: 24,8 Km/h
    Höhenmeter: 69
  • Donnerstag:
    Ab. Mühlencafé: 09:35 Uhr
    An. IBIS/Bremen: 14:55 Uhr
    Strecke: 39,0 Km
    Schnitt: 13,2 Km/h
    Fahrtzeit: 2h 57m 44s
    max.: 27,3 Km/h
    Höhenmeter: 75

Nach Ostern haben wir uns eine Woche Urlaub gegönnt und in diesem den ersten Kurzausflug mit dem Rad und der ganzen Familie geplant. Ich war damals ganz angetan von der Übernachtung im Mühlencafé Großenheerse und hatte Alex so sehr davon vorgeschwärmt, dass sie auch unbedingt dort hin wollte.

Und der kleine Junge fährt neuerdings auch halbwegs gerne mit dem Rad. Da haben wir ihn in den letzten Wochen richtig heiß gemacht und kleinere Runden geübt. 20 Kilometer nach Porta und zurück in 1 1/2 Stunden mit Pausen ist inzwischen kein Problem, da sollte auch die doppelte Strecke an einem Tag und mit Halt an jedem Kirchturm zu schaffen sein.

Ich habe schicke Packtaschen von Vaude, für Alex’ Rad habe ich mir von meinem Vater Taschen ausgeliehen, die ich ihm mal aus dem Aldi oder Lidl besorgt hatte und Tim bekam von einem Freund ein Paar für den Gepäckträger. Und natürlich waren alle 6 Taschen picke-packe voll. Ist klar, man hat immer viel zu viel mit. Und das obwohl ich versucht habe, mich einzuschränken.

Nur braucht man ja nun mindestens einen Satz Klamotten für Abends – wenn man nicht in den staubigen Radklamotten essen möchte. Bisschen was zum Wechseln, weiß man wie das Wetter wird, und natürlich noch etwas Proviant. Vor allen Dingen Getränke.

Mittwochmorgen um ca. halb 9 haben wir dann alles an die Drahtesel gehängt, und uns auf die laaaange Reise gemacht.

Tatsächlich war die erste Minirast schon nach 2 Kilometern auf dem Alten Postweg. Schnell einen Schluck trinken, die Hose richten und weiter bis zur Porta-Westfalica. Unter der Brücke durch und schon war der Nachwuchs weiter mit dem Rad von zu Hause weg, als je zuvor. Das musste erstmal genossen werden.

Gegen 10 Uhr erreichten wir dann schon recht hungrig – wir sind ohne Frühstück los gedüst – die Schiffmühle in Minden.

In dem Café wuselten schon Leute umher, die Tür war aber noch verschlossen. Ein bisschen enttäuscht wollten wir gerade weiter fahren, als doch jemand schnell öffnete und wir die ersten Gäste an diesem Morgen waren. Prima, klappt ja wie geplant. Wir haben uns dann jeder ein ordentlichs Frühstück bestellt. Spiegelei mit Salami, mit Schinken und ein “normales” Frühstück mit Brötchen und Marmelade und so …

Ein ganzes Stündchen haben wir uns dort aufgehalten, bevor es wieder in den Sattel ging. Pünktlich zu unserem Aufbruch begann es zu tröpfeln. So ein Mist! Alle vorher abgefragten Wetterdienste hatten den Regen erst für den Nachmittag vorher gesagt!

Allerdings war es auch wirklich nur ein ganz leichtes Nieseln. Nichts wovon man ernsthaft nass werden würde. Das kam dann erst, als wir auf einem kleinen Umweg, der den Umbaumaßnahmen an der Schachtschleuse geschuldet war, oben am Mittellandkanal ankamen. Hier war es dann doch so naß von oben, dass wir uns für eine Viertelstunde unter einen Baum stellten. Glücklicherweise wurde es nicht schlimmer und wir waren schon bald wieder für 500 Meter im Sattel. Bis wir an die Baustelle kamen.

Dort war natürlich wieder Rast angesagt, der kleine Junge musste sich erst noch alles ganz genau ansehen und besonders beeindruckt hat ihn der riesige Bagger! Nach einem guten Dutzend Schaufeln voller Sand sind wir aber doch ein bisschen weiter geradelt. Jedenfalls bis wir uns erneut unter einen überhängenden Busch flüchteten.

Allerdings nicht lange, denn wenn andere das bisschen Wasser von oben wegstecken, dann können wir das auch. Und wir waren sogar noch deutlich fixer unterwegs, als die bedröppelten Pudel auf dem Floss ;-)

Das Wetter war eigentlich ideal: windstill, kein Lüftchen regte sich, um die 20°C und der Regen … naja, mal ein kleiner Schauer, aber eigentlich sind wir nicht mal naß geworden. Wenn ich alleine oder mit ‘nem Freund unterwegs bin, fahre ich deutlich fixer. Mit dem Kleinen habe ich mir allerdings gleich zu Anfang vorgenommen, keine Rennen zu fahren. Und wenn irgendwer irgendwo halten möchte, dann wird das auch gemacht. So haben wir dann wirklich jeden Spielplatz und jeden halbwegs interessanten Stein am Wegesrand angeschaut. Wozu auch die Eile, das Zimmer im Mühlencafé ist reserviert und dort ist im wahrsten Sinne des Wortes, plattes Land. Und sonst nichts. Da kann man sich Zeit lassen.

In Gernheim sahen wir einen Wegweise zum Industriemuseum “Glashütte Gernheim” – machen wir doch einen Abstecher. Die Glashütte ist fast ein kleines Dorf. Für einen sehr schmalen Eintritt kann man sich dort die alten Lager, die Schleiferei, Ausstellungen mit Gläsern, die Wohnung einer Glasbläserfamilie und natürlich die Brennerei und Schleiferei ansehen! Eine Führung fand leider nur am Wochenende statt, aber für die jüngeren Besucher ist eine dauernd durchführbare Rally installiert. An verschiedenenen Stationen im Museum gilt es Fragen zu beantworten und am Ende der Tour steht dann ein Lösungswort fest, mit dem sich der Absolvent ein Zertifikat und eine Überraschung erarbeitet hat. Tim war eifrig dabei und darf sich nun “Glasspezialist” nennen :-)

Aber auch für Erwachsene ist der Besuch sehr zu empfehlen. Wir haben uns über 2 Stunden in dem Komplex aufgehalten und es war nie langweilig.

Man muss viel mehr gucken, was es in der direkten Umgebung für Sehenswürdigkeiten gibt. Ich habe von dem Museum noch nie etwas gehört. Definitiv eine Empfehlung – vielleicht auch mal für einen Sonntagsnachmittagsausflug.

Von Gernheim bis zur Mühle Großenheerse ist es nur ein Katzensprung. Lediglich an einer Stelle sind wir ein bisschen unschlüssig gewesen, weil ich eigentlich wesernäher fahren wollte, der Weg aber in einem großen Bogen ausgeschildert ist. Ich meine mich zu erinnern, dass ich auch vor 6 Jahren an dieser Stelle in Glissen gestutzt habe. Wir sind jedenfalls Richtung Kleinenheerse abgebogen und von dort zur Mühle gelangt. Wie wir am nächsten Tag feststellten, ist aber die ausgeschilderte Route nicht einen Meter länger oder kürzer.

Ganz entspannt erreichten wir nach 8 Stunden Fahrt (mit Pausen, ja sicher!) unser Nachtquartier. Die Räder schnell in der Mühle geparkt, das Zimmer belegt und dann haben wir uns draußen in die verhalten scheinende Sonne gesetzt, gedöst, ausgeruht, ein bisschen was getrunken und auf das Abendessen gewartet. Wenn man früh dort einkehrt und nichts weiter vor hat, sollte man bedenken, dass da wirklich weiter nichts ist. Ideal zum Ausruhen – wenn man hyperaktiv ist, sollte man sich etwas zum Zeit totschlagen mitbringen :-)

Zum Abendessen gab es lecker Zigeuner- und Jägerschnitzel in Portionen, die die verbrauchten Kalorien des Tages locker wieder auffüllten. Leider ging’s dem Nachwuchs schlecht und er hat nicht mal eine Suppe gegessen. Der Ärmste, tat mir richtig leid. An einer zu forcierten Fahrweise kann es nicht gelegen haben. Wir sind dann nach dem Essen sofort auf’s Zimmer und lagen um 20:30 Uhr bereits im Bett. Unglaublich!

Dafür waren wir aber auch um 8 Uhr morgens putzmunter. Auch Tim hatte keine Beschwerden mehr und einen Bärenhunger. Das Frühstück im Mühlencafé ist reichlich und lecker. Frische Brötchen, selbstgemachte (?) Marmelade, Wurst vom Fleischer, Kaffee soviel man möchte und angenehme Unterhaltung. Frisch gestärkt und entspannt haben wir uns um halb 10 wieder in den Sattel geschwungen und den Rückweg unter die Räder genommen.

Diesmal so, wie es die Schilder vorgaben. Und die Strecke ist mindestens genauso schön, wie die zwischen Glissen und Kleinenheerse. Immer zwischen Bäumen und auf glatten Wegen geht es Richtung Heimat. Tim hatte irgendwie viel weniger Verlangen nach Rast, als am Vortag. Das Zuhause ruft.

In Petershagen haben wir die am Abend geschriebenen Postkarten verschickt und gerade als wir am alten Amtsgericht vorbei fuhren und ich für ein Foto anhalten wollte, brach der Himmel auf und es prasselte ein gewaltiger Platzregen zu Boden.

Da standen wir genau passend unter den dichten Bäumen – nur blöd, dass sich Tim beim plötzlichen Anhalten und Auffahren auf den Gehweg leider auf die Nase gelegt hat. Im zu spitzen Winkel den leidlich abgesenkten Bordstein überfahren und zack … dumm gelaufen. Ist aber außer etwas Dreck an der Hose nichts passiert. Der Schreck war das Schlimmste was allen in die Knochen gefahren ist.

Weiter ging es entlang der Weser, die alle hundert Meter Material für Fotos bietet. Der Weserradweg ist echt gut ausgebaut und geführt – auch wenn der Teil durch die Norddeutsche Tiefebene etwas langweiliger ist, als der Teil von Oeynhausen nach Hannoversch-Münden. Das machen wir dann nächstes Mal.

Es wurde immer wärmer und mit meiner Radjacke begann ich doch ein bisschen zu schwitzen. Aber nur mit kurzen Ärmeln und dünner Weste fühlte ich mich auch nicht gut. Ist halt noch so ein bisschen Übergangswetter und wenn sich dann der April noch so verhält wie man es sich denkt, dann ist richtig anziehen manchmal Glückssache :-)

Weil das Wetter nun doch besser als am Vortag war, haben wir uns die Schachtschleuse genauer angesehen. Und – so ein Glück – da läuft dann auch noch ein voll beladener Kohlefrachter in die Schleuse ein. Erst haben wir uns das Einlaufen genau angesehen, dann schnell hoch gelaufen und den “Fahrstuhl” bewundert. Ich war erstaunt, wie schnell das Schiff in der Schleuse nach oben gepumpt wurde.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mich nicht erinnern kann, am Wasserstraßenkreuz schon einmal gewesen zu sein. Unglaublich. Da ist so was großes und interessantes direkt vor der Haustür und wir waren da noch nie.

In diesem Punkt hatte der Nachwuchs uns was voraus, denn er war wohl schon mal mit Oma & Opa vor Ort und hat sich Schiffe angesehen.

Vom Mittellandkanal bis zu uns nach Hause sind es dann nur noch ein paar Kilometer, die ganz entspannt unter den Rädern vorbei gingen. Wir haben noch kurz am Spielplatz in der Porta gehalten und gechillt, die Landschaft genossen und sind dann die letzten 10 Kilometer nach Hause geradelt.

Schön war’s! Keins der angekündigten Gewitter hat uns die Tour verhagelt, wir sind nicht einmal nass geworden. Die Räder haben alle gehalten, niemand hat sich verletzt und Zank gab es auch nicht. Prima Kurzurlaub. Da der kleine Junge so klasse mitgemacht hat und nicht klaputt war, können wir vielleicht im Sommer auch mal eine Tour mit zwei Tagen à 60 Kilometer in Angriff nehmen. Ich weiß auch schon was …

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