{"id":8431,"date":"2010-09-16T19:10:20","date_gmt":"2010-09-16T17:10:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreas-edler.de\/blog\/?p=8431"},"modified":"2010-09-17T11:17:26","modified_gmt":"2010-09-17T09:17:26","slug":"biogas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andreas-edler.de\/blog\/2010\/09\/biogas\/","title":{"rendered":"Biogas in Bad Oeynhausen"},"content":{"rendered":"<p>Der letzten Sitzung des Ausschuss f\u00fcr Klima habe ich als Gast beigewohnt. Der Zuschauerbereich war gut gef\u00fcllt, denn Rainer Meyer und Heinz-Wilhelm Reker stellten ihre Planungen zur Biogas-Anlage auf dem Gel\u00e4nde der alten Funkstation vor. Das Konzept ist durchdacht, vorausschauend geplant und die Anlage entspricht nach Fertigstellung den allerneuesten Vorschriften und gesetzlichen Regelungen &#8211; nicht zuletzt hinsichtlich des Immissionsschutzes. Der Vortrag der beiden Investoren erkl\u00e4rte eigentlich alle offenen Fragen und vermittelte sehr sachlich einen guten Eindruck vom Vorhaben &#8211; auch und ganz offen hinsichtlich der finanziellen \u00dcberlegungen.<\/p>\n<p>Nun ist es so, dass bei jeder gr\u00f6\u00dferen baulichen Ver\u00e4nderung die Anwohner Sorge um ihren Status Quo haben &#8211; und das ist verst\u00e4ndlich. Dann muss es Aussprachen und Informationsfluss geben. Und bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Anwohner &#8211; diese Informationen liegen vor und sind meiner Meinung nach stichhaltig.<!--more--><\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund immer l\u00e4ngerer Laufzeiten f\u00fcr Atomkraftwerke, Strommonopolisten und eifriger Lobbyarbeit, die nat\u00fcrliche Energien sehr stiefm\u00fctterlich behandelt ist es sehr zu begr\u00fc\u00dfen, dass Anlagen die regenerative Energien ausnutzen gebaut und betrieben werden! Die Kommunen machen sich dadurch unabh\u00e4ngiger von gro\u00dfen Konzernen und verbessern die Verhandlungspositionen. Au\u00dferdem ist es ein deutliches Zeichen Richtung nachhaltiger Klimapolitik. Dies ber\u00fccksichtigt finde ich die <a href=\"http:\/\/www.westfalen-blatt.de\/nachrichten\/regional\/luebbecke_rss_erg.php?id=41972\">Berichterstattung in der Lokalpresse<\/a> \u00e4u\u00dferst einseitig, un\u00fcberlegt und wenig differenziert.<\/p>\n<p><b>Warum hier?<\/b> Das n\u00e4chste bewohnte Geb\u00e4ude liegt ca. 200 Meter von der geplanten Anlage entfernt. In Bad Oeynhausen wird man wohl schwerlich ein Areal finden, welches halbwegs zentral liegt und gleichzeitig einen solch gro\u00dfen Radius zu Wohnbebauung hat. Warum zentral? Weil es schlicht keinen Sinn macht eine solche Anlage zu bauen ohne die komplette entstehende Engergie zu nutzen. Und dazu geh\u00f6rt auch die Abw\u00e4rme, die beim Stromerzeugungsproze\u00df aus Gas zwangsl\u00e4ufig entsteht und die man effektiv nur an nahe gelegene Abnehmer verkaufen kann. Der Ort ist also ein nicht unwesentlicher Punkt der ganzen Planungen und in diesem Fall essentiell. Nun haben alle Anwohner unisono bekundet, dass regenerative Energien n\u00f6tig und sinnvoll sind. Aber &#8211; O-Ton &#8211; &#8222;&#8230; muss das bei uns vor der Haust\u00fcr sein?&#8220;!<\/p>\n<p><b>Das Ding stinkt.<\/b> Das Gas wird in drei Beh\u00e4ltern erzeugt, die zweifach gasdicht abgeschlossen sind. Hier wird nichts nach au\u00dfen dringen &#8211; und das macht Sinn, denn man m\u00f6chte mit dem Gas arbeiten und es nicht in die Atmosph\u00e4re entweichen lassen. Bemerkbar machen wird sich das Lager f\u00fcr die Rohmasse. Diese wird in Betonsilos vorgehalten, die ebenfalls abgedeckt sind. Im Betrieb wird es sich nicht vermeiden lassen, dass bei Anlieferung und Entnahme die Abdeckung wom\u00f6glich ge\u00f6ffnet wird.<\/p>\n<p>Und ja, Silage riecht man und es nicht unbedingt angenehm. Aber wie weit riecht man diese? In Bad Oeynhausen gibt es das ein oder andere Silage-Silo. Z.B. auch unten am Weserradweg. Selbst als der Wind von vorne kam und mir Ger\u00fcche zuf\u00fchrte, habe ich Anfang dieser Woche auf einer kleinen Radrunde die Silage erst wahrgenommen, als ich ca. 50 Meter vom Silo entfernt war. Nach einhelligen Berichten der Ausschussteilnehmer, die eine vergleichbare Anlage besichtigt haben, ist das dort nicht anders gewesen. Sehr interessant fand ich in dem Zusammenhang, dass die Anwohner dieselbe Anlage besucht haben und den Geruch bei der ersten Erw\u00e4hnung erst  direkt auf dem Gel\u00e4nde als sehr st\u00f6rend empfanden, nach ein wenig Diskussion um die Entfernungen dieser &#8222;St\u00f6rungsradius&#8220; schnell immer gr\u00f6\u00dfer wurde.<\/p>\n<p><b>Das Ding macht L\u00e4rm.<\/b> Der G\u00e4rungsprozess d\u00fcrfte weitgehend lautlos sein, Traktoren verursachen keinen &#8222;L\u00e4rm&#8220; &#8211; jedenfalls nicht, wenn man nicht direkt auf dem Trittblech neben der Fahrerkabine steht. In 200 Meter Entfernung wird man deren Motoren wohl nicht mehr h\u00f6ren. Ich habe 28 Jahre auf einem landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb gewohnt &#8211; ich habe durchaus eine kleine Vorstellung, wovon ich rede. Au\u00dferdem sind die nicht immer in Betrieb. St\u00e4ndig laufen wird der Generator. Ein Verbrennungsmotor, der laut ist. Dieser steht allerdings in einem schallisolierten Geb\u00e4ude, aus dem nur ein Summen dringt. Ein Summen, welches 50 Meter weiter schon nicht mehr h\u00f6ren kann. Immerhin wohnt der Betreiber auf dem Gel\u00e4nde &#8211; so masochistisch wird ja niemand sein. Im \u00fcbrigen auch, was den Geruch angeht.<\/p>\n<p><b>Der Verkehr nimmt massiv zu!<\/b> Die Betreiber rechnen mit etwas mehr als 1.200 Fahrten im Jahr &#8211; inkl. Anfahrt der Rohmasse (Getreide, G\u00fclle) und Abtransport des Substrates. Rein rechnerisch wurde von 3,7 Fahrten am Tag gesprochen. Sagen wir mal pessimistisch, die Fahrten finden alle in einem Halbjahr statt und runden auf (nur um die Anzahl zu erh\u00f6hen), dann sind wir bei 10 Fahrten\/Tag (und einige Tage, an denen nicht gefahren wird). Wieviele KFZ passieren die Weserstra\u00dfe t\u00e4glich? Ganz, ganz optimistisch gesch\u00e4tzt 2.000 KFZ? Je mehr es w\u00e4ren, desto besser die Bilanz zu Gunsten der Biogasanlage. Also 2.000 Bewegungen, dazu kommen 10 am Tag. Habe ich mich verrechnet, oder sind das 0,5% mehr Verkehr? Ich glaube, auf der Weserstra\u00dfe ist deutlich mehr los, so dass der Prozentsatz deutlich geringer ist. Mithin wird die Verkehrszunahme nicht sp\u00fcrbar sein!<\/p>\n<p><b>Das ist gro\u00df!<\/b> Ja. Ich find&#8217;s auch total doof, dass 50 Meter weiter jemand ein Haus gebaut hat und ich jetzt in der Richtung keine freie Sicht mehr vom Balkon habe. Im Fall der Biogasanlage haben die Betreiber von sich aus sogar schon Mehrkosten eingeplant, indem sie die Fermenter 2 Meter in den Boden einlassen und so ein Drittel der H\u00f6he einsparen.<\/p>\n<p>Wie eingangs geschrieben, verstehe ich die Einw\u00e4nde &#8211; sehe sie allerdings entkr\u00e4ftet. Ich kann jedoch nicht gelten lassen, dass mir vorgeworfen wird, die Einw\u00e4nde einfach vom Tisch zu wischen, nur weil ich eine andere Meinung habe! Das empfinde ich als unversch\u00e4mt. In dem Zeitungartikel des Westfalen-Blatt wurde au\u00dferdem erw\u00e4hnt, den Anwohnern sei eine Viertelstunde Redezeit gew\u00e4hrt worden. Das ist richtig, jedoch wurde die Zeit sehr gro\u00dfz\u00fcgig ausgeweitet bis auf nahezu eine halbe Stunde und selbst in der anschlie\u00dfenden Fragerunde, die eigentlich den Ausschussmitgliedern vorbehalten war, wurden die Anwohner geh\u00f6rt und Fragen beantwortet. Sogar wenn diese als lautstarke Zwischenrufe gestellt wurden. Dann auch noch w\u00e4hrend einer sachlichen \u00c4u\u00dferung eines Ausschussmitgliedes wutentbrannt und t\u00fcrenknallend den Saal zu verlassen, ist schlicht unh\u00f6flich.<\/p>\n<p>Angesichts der aktuellen energiepolitischen Lage ist so eine Biogasanlage selbstverst\u00e4ndlich zu begr\u00fc\u00dfen. Dass der Betreiber damit Geld verdienen m\u00f6chte ist wohl ebenfalls nicht \u00fcberraschend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzten Sitzung des Ausschuss f\u00fcr Klima habe ich als Gast beigewohnt. Der Zuschauerbereich war gut gef\u00fcllt, denn Rainer Meyer und Heinz-Wilhelm Reker stellten ihre Planungen zur Biogas-Anlage auf dem Gel\u00e4nde der alten Funkstation vor. 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