{"id":7192,"date":"2010-02-18T19:16:10","date_gmt":"2010-02-18T18:16:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreas-edler.de\/blog\/?p=7192"},"modified":"2010-02-18T22:28:41","modified_gmt":"2010-02-18T21:28:41","slug":"maslosigkeit-und-krisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andreas-edler.de\/blog\/2010\/02\/maslosigkeit-und-krisen\/","title":{"rendered":"Ma\u00dflosigkeit und Krisen"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte ja schon erw\u00e4hnt, dass der ehemalige Finanzminister Hans Eichel in seiner Rede anl\u00e4sslich des Aschermittwochempfangs im Wittekindshof Bad Oeynhausen einige gute Thesen vertrat. So habe ich auch schon in Gespr\u00e4chen erw\u00e4hnt, dass die Gierigkeit der Investoren nicht unma\u00dfgeblich Schuld an der derzeitigen Situation ist. Eichel erkl\u00e4rte, dass  z.B. ein kleiner Unternehmer\/Handwerker eine Maschine kauft und die \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum finanzieren muss. Dem Unternehmer ist klar, dass sich diese Investition \u00fcber eben diesen Zeitraum amortisieren wird und nicht in einem Quartal. Finanzinvestoren rechnen aber nicht in so langen Perioden. Das Geld soll schnell flie\u00dfen! Nun ist ein kleiner Krauter weit von Finanzinvestoren entfernt, aber auch in der Automobilindustrie dauert z.B. die Markteinf\u00fchrung eines neuen Fahrzeugs (vom ersten Entwurf bis zur Ausmerzung der Kinderkrankheiten) ein gutes halbes Jahrzehnt. Wie kann man da mit Gewinnen in Quartalen rechnen?<\/p>\n<p>Weiterhin hatte Herr Eichel den Handel mit Optionen auf Produkte (seien es nun Versicherungen, Kredite oder Vorkaufsrechte) auf dem Kieker. Und auch hier stimme ich ihm zu. Welchen produktiven und mit normalen Menschenverstand zu begreifenden Sinn macht es mit einem Produkt zu einem Produkt zu einem Produkt zu handeln? Das ist nichts anderes als pures Gl\u00fccksspiel. Da stecken keine Werte dahinter, sondern es bl\u00e4hen sich riesige Geldblasen auf, die zwangsl\u00e4ufig irgendwann platzen. Stimmt nicht? Nun, wie ist denn die letzte Finanzkrise entstanden? Pl\u00f6tzlich war das eigentliche Produkt (Immobilienkredite in den USA) nichts mehr wert und alles was darum herum gestrickt worden war (Fonds, Verbriefungen etc.) auch nicht &#8230; der Rest ist bekannt.<\/p>\n<p>Wenn ich mit Kartoffeln handele, dann habe ich Kartoffeln und jemand anderes m\u00f6chte sie haben. Es ist wom\u00f6glich sinnvoll, einen Preis f\u00fcr die Zukunft auszuhandeln f\u00fcr eine bestimmte Menge Kartoffeln und diese dann zu kaufen. Es ist aber ein reines Gl\u00fccksspiel diesen ausgehandelten Preis widerum weiter zu verkaufen und noch mal und noch mal an jemanden, der gar keine Kartoffeln haben m\u00f6chte. Im Gegenteil, das geht irgendwann nicht mehr gut. Bei dieser Art Spiel wird nichts produziert und der Gewinn der wom\u00f6glich bei Leuten entsteht, die gar keine Kartoffeln haben m\u00f6chten, wird von wem bezahlt? Genau: vom Konsumenten (damit es deutlich wird: von Dir!).<\/p>\n<p>Weiterhin habe ich ja schon immer gesagt, dass ab einer bestimmten Ebene Manager und Unternehmensleitung keine Verantwortung tragen! Die bekommen soviel Geld &#8211; vor allen Dingen nachdem sie Murks gemacht haben und freigestellt werden &#8211; dass es zu gar keiner langfristigen und nachhaltigen Auseinandersetzung mit den entstehenden Problemen kommen kann. Auch hier war Herr Eichel mit seiner Meinung sehr nach meiner M\u00fctze. Manager verhandeln ein Grundgehalt mit einem oftmals nicht unbetr\u00e4chtlichen Bonianteil. Daher haben sie nat\u00fcrlich gro\u00dfes Interesse an kurzfritigen Erfolgen, denn nur diese schlagen sich auf die j\u00e4hrlichen Boni und somit ihr Einkommen nieder. Zus\u00e4tzlich werden in diesen Arbeitsvertr\u00e4gen gro\u00dfz\u00fcgige Abfindungen vereinbart &#8211; wei\u00df denn der Manager, was nach seiner aktiven Zeit kommt und wie lange diese dauert? Dann doch gleich vor- und aussorgen. Beides f\u00fchrt dazu, dass er nichts zu verlieren hat. Schnelle Gewinne bringen schnelle, hohe Boni, diese sind kontraproduktiv f\u00fcr die meisten langfristig agierenden Unternehmen und da das dann zu Problemen f\u00fchrt, wird der Manager freigesetzt und bekommt daf\u00fcr noch eine f\u00fcrstliche Abfindung. Wie soll bei so einer Konstellation ein nachhaltiges Wirtschaften zustande kommen?<\/p>\n<p>Was w\u00fcrde wohl passieren, wenn alle &#8222;normalen&#8220; Arbeitnehmer Vertr\u00e4ge h\u00e4tten, die ihnen im Falle des Ausscheidens (aus welchen Gr\u00fcnden auch immer) Abfindungen garantierten? Abfindungen, die ein jahrelanges (bis ans Ende ihrer Tage!), sorgenfreies Leben erm\u00f6glichen w\u00fcrden?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte ja schon erw\u00e4hnt, dass der ehemalige Finanzminister Hans Eichel in seiner Rede anl\u00e4sslich des Aschermittwochempfangs im Wittekindshof Bad Oeynhausen einige gute Thesen vertrat. 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