{"id":5621,"date":"2007-06-11T18:43:00","date_gmt":"2007-06-11T17:43:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreas-edler.de\/blog\/2007\/06\/und-dann\/"},"modified":"2007-06-11T18:43:00","modified_gmt":"2007-06-11T17:43:00","slug":"und-dann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andreas-edler.de\/blog\/2007\/06\/und-dann\/","title":{"rendered":"Und dann?"},"content":{"rendered":"<p>Heute lese ich bei <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,487787,00.html\">Spiegel Online<\/a> einen Artikel \u00fcber die nicht stattfindenden Fusionen deutscher Banken und Sparkassen und wie schrecklich das alles sei und wie bl\u00f6d die kleinen, bornierten Manager doch sind. Nun m\u00f6chte ich gar nicht so sehr auf dem Gedanken der Fusion untereinander eingehen, aber mich interessiert doch, warum der Autor meint, dass diese Fusionen sein m\u00fcssen und da schreibt er:<\/p>\n<div class=\"postzitat\">&#8230; In der globalen Finanzwelt spielen sie kaum noch eine Rolle &#8230; wurden die [Anm.: &#8222;deutschen&#8220;] Geldh\u00e4user in den Ranglisten nach hinten durchgereicht &#8230; die sie in die Topliga der Bankenwelt katapultierte &#8230;<\/div>\n<p>Es geht nur um die Statistik, den Rang, den ein solches gro\u00dfes fusioniertes Institut in der Welt inneh\u00e4tte. Die Begr\u00fcndung, dass ein solch gro\u00dfes Unternehmen schlechter geschluckt, gefleddert und zerschlagen werden kann, ist ja richtig. Aber wie sagte Obi-Wan lakonisch: &#8222;There&#8217;s always a bigger fish!&#8220;. Auch ein solch riesiges Unternehmen wird irgendwann kleiner sein als ein Was-wei\u00df-ich-fonds. Und dann?<\/p>\n<p>&#8222;Und dann?&#8220; frage ich mich jetzt allerdings auch jetzt schon? Was bringt es der Wirtschaft oder *mir* wenn es solch gro\u00dfe &#8211; und hier verlasse ich den Bankenmarkt mal &#8211; Unternehmen gibt? Gar nichts! Im Zweifel geht es mir schlechter, weil Fusionen immer mit Entlassungen einher gehen. Weniger Besch\u00e4ftigte, weniger Konsum, weniger Arbeit f\u00fcr die noch Besch\u00e4ftigten, weniger Geld, h\u00f6here Abgaben, noch weniger Konsum &#8230; die Spirale dreht sich. Der Erfolg zeigt sich nur an der B\u00f6rse, und wer hat die Aktien? Ich nicht.<\/p>\n<p>Einen Grund f\u00fcr die fehlende Fusionswilligkeit nennt Wolfgang Kaden in dem Spiegel-Artikel: die &#8222;Chefs&#8220; der zu fusionierenden Unternehmen sind dann zum Teil auch \u00fcber. Nicht nur bei den Banken, \u00fcberall. Und diese Chefs sind es, die letztlich entscheiden. Und da kommen wir zur Sache: hilfreich f\u00fcr die Wirtschaft ist es nicht, wenn ein Unternehmen ein anderes schluckt um danach Milliarden Gewinne auszuweisen, die auf putzigen Bewertungen dubioser Immobilien und der Entlassung vieler &#8222;\u00fcberfl\u00fcssiger&#8220; Mitarbeiter basieren. Hilfreich ist es, wenn die Mitarbeiter der unfusionierten Unternehmen das Geld bekommen, damit sie was konsumieren k\u00f6nnen &#8211; im Zweifel etwas, dass etwas teurer ist als Chinaware, aber daf\u00fcr vom Nachbarn hergestellt wurde! Schei\u00df doch auf die Globalisierung. Hilfreich ist auch, wenn ein Manager nicht gro\u00df damit angibt, auf ein Monatsgehalt in H\u00f6he von 200.000 Euro zu verzichten, um damit Solidarit\u00e4t zu zeigen! <\/p>\n<p>Es ist nicht hilfreich, das ist ein Schlag ins Gesicht seiner Angestellten! Hilfreich ist, wenn er gar nicht soviel bekommt! Welcher Mensch &#8211; und das meine ich Ernst &#8211; *verdient* 2.4 Millionen Euro im Jahr? Welche Verantwortung tr\u00e4gt ein solch hoch bezahlter Manager (und da soll ja durchaus noch deutlich mehr drin sein &#8211; von Sportlern rede ich mal gar nicht, das ist eh Humbug), dass diese Summe gerechtfertigt ist? Verantwortung ist f\u00fcr mich, wenn man sich um seine Leute k\u00fcmmert und sich sorgt. Auch und vor allen Dingen um sich selbst sorgt. Um seinen Status nach einem Fehler. Verantwortung ist eben auch, wenn man selbst sp\u00fcrt, was eine Fehlentscheidung f\u00fcr Konsequenzen hat. Und das ist der Kernpunkt auf den ich hinauswollte. Ich und jeder andere Angestellte oder Arbeiter bekommt einen Fehler zu sp\u00fcren. Auch kleine Mittelst\u00e4ndler sp\u00fcren das &#8211; von denen rede ich auch gar nicht.<\/p>\n<p>Aber Niemand an entscheidender Stelle in Deutschland, seien es Wirtschaftsbosse oder Politiker oder Gewerkschaftsbonzen sp\u00fcrt *pers\u00f6nlich* irgendetwas von einem Fehler. Sie m\u00fcssen sich vor nichts f\u00fcrchten, was sie selbst angeht. Was passiert denn mit einem Manager, der durch einen Fehlkauf in knapp 6 Jahren (genaue Zahlen wei\u00df man nicht, aber bei der Summe ist es schon fast egal) zwischen 50 und 100 Milliarden Euro verbrennt? Nichts. Dem geht es weiterhin pr\u00e4chtig. Der hat seine Yacht, seinen teuren Wagen und viele H\u00e4user. Was passiert einem Politiker, der Geld in einem Koffer annimmt und vergisst das irgendwem zu sagen? Nichts! Der kann weiterhin schalten und walten wie er m\u00f6chte und selbst falls er mal straucheln sollte und nichts mehr zu sagen hat, was passiert ihm pers\u00f6nlich? Er hat weiter seine Yacht, sein mehr als gutes Einkommen und alle Zeit der Welt. Je gr\u00f6\u00dfer die Macht, je gr\u00f6\u00dfer das Einkommen, desto weniger Verantwortung \u00fcbernimmt die Person, desto weniger k\u00fcmmert es sie, was mit anderen passiert.<\/p>\n<p>Und genau daran kranken wir, unser Land, unsere Wirtschaft. Die Leute, die was zu entscheiden haben, haben ausgesorgt. Die k\u00fcmmern sich nicht, die tragen keine Verantwortung! K\u00f6pfe rollen nur unten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute lese ich bei Spiegel Online einen Artikel \u00fcber die nicht stattfindenden Fusionen deutscher Banken und Sparkassen und wie schrecklich das alles sei und wie bl\u00f6d die kleinen, bornierten Manager doch sind. 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