{"id":21249,"date":"2013-11-08T13:55:08","date_gmt":"2013-11-08T12:55:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreas-edler.de\/blog\/?p=21249"},"modified":"2013-11-08T13:56:54","modified_gmt":"2013-11-08T12:56:54","slug":"repressive-massnahmen-gegenueber-fahrradfahrern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andreas-edler.de\/blog\/2013\/11\/repressive-massnahmen-gegenueber-fahrradfahrern\/","title":{"rendered":"Repressive Ma\u00dfnahmen gegen\u00fcber Fahrradfahrern"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.andreas-edler.de\/blog\/2013\/06\/geisterfahrer-ermahnen\/\" title=\"Geisterfahrer ermahnen\">Anfang Juni<\/a> habe ich bei der Polizei angefragt, warum sie richtigerweise in Pressemitteilungen regelm\u00e4\u00dfig darauf hinweist, das Geisterfahren mit dem Fahrrad gef\u00e4hrlich ist, gleichzeitig aber nicht die derart benutzungspflichtigen Radwege anprangert. Am 19. September habe ich an die Beantwortung der recht einfachen Frage erinnert und tats\u00e4chlich am 07.11. endlich eine Antwort bekommen, die ich auch sogleich beantworten musste. <span style=\"font-size: smaller;font-weight: bold;\">[Hinweis: Ich habe in dem Brief unten einige l\u00e4ngere Zitate in eigene Worte gefasst und nur die Statistikdaten 1:1 \u00fcbernommen. Diese Stellen sind kursiv geschrieben, in der Originalmail habe ich einfach das Zitat aus dem Brief belassen.]<\/span><!--more--><\/p>\n<hr>\n<p>Sehr geehrter Herr xxxxx,<\/p>\n<p>inhaltlich sind die Polizei und ich offensichtlich einer Meinung, Geisterfahren ist gef\u00e4hrlich. In dem, was man gegen die eigentlichen Gef\u00e4hrdungen tun kann, unterscheiden sich unsere Ansichten aber gravierend. Zum Beispiel wird wieder das Tragen eines Helmes und &#8211; jetzt neu &#8211; auch von reflektierender Kleidung am Tag propagiert. <em>Sie schreiben, dass das Tragen eines Fahrradhelms oder das Anlegen reflektierender Kleidung auch am Tage, diese Folgen mindern k\u00f6nnen, sie aber nicht generell ausschlie\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p>Mir geht das nicht weit genug. Sie behandeln an den Folgen herum und vermischen auch noch. Reflektierende Kleidung kann nat\u00fcrlich keine Folgen mindern, genausowenig ein Helm einem Unfall vorbeugen. Aber auch andersherum wird kein Schuh draus. Denn wie inzwischen mehrfach festgestellt wurde, gibt es keine Unterschied bei der Unfallh\u00e4ufigkeit reflektierend gekleideter Verkehrsteilnehmern gegen\u00fcber solchen mit &#8222;normaler&#8220; Kleidung (siehe auch: <a href=\"http:\/\/www.rad-spannerei.de\/blog\/2013\/09\/05\/erhoeht-reflektierende-kleidung-die-sicherheit-von-radfahrern\/\">http:\/\/www.rad-spannerei.de\/blog\/2013\/09\/05\/erhoeht-reflektierende-kleidung-die-sicherheit-von-radfahrern\/<\/a>) und behelmte Radfahrer landen genauso h\u00e4ufig im Krankenhaus, wie solche ohne Helm. Ich habe durchaus auch schon mit dem Helmherstellern Gespr\u00e4che gef\u00fchrt und deren Aussagen zur Schutzwirkung sind &#8211; sagen wir mal &#8211; ern\u00fcchternd.<\/p>\n<p>Im Wesentlichen wird durch diese Empfehlungen die Verantwortung auch wieder nur auf den schw\u00e4cheren Verkehrsteilnehmer abgew\u00e4lzt, damit ein anderer unbek\u00fcmmerter und schneller fahren kann. Genauso gut k\u00f6nnte man seitens der Polizei auch an die Autofahrer appelieren, langsamer und umsichtiger zu fahren. Entgegen dem Aufruf zum Tragen eines Helmes oder &#8211; jetzt neu &#8211; auch tags\u00fcber reflektierender Kleidung, finde ich solche Hinweise an Autofahrer niemals in ihren Pressever\u00f6ffentlichungen.<\/p>\n<p>Und wie sch\u00f6n ihre eigene Statistik die von ihnen durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen ad absurdum f\u00fchrt, ist ebenfalls ern\u00fcchternd. <cite>Zur speziellen Situation von Radfahrern im Kreis Minden-<br \/>\nL\u00fcbbecke im Jahr 2012:<br \/>\n* In 26,6% aller Verkehrsunf\u00e4lle mit Personensch\u00e4den wurden Radfahrer verletzt oder get\u00f6tet, insgesamt 264 Personen.<br \/>\n* 39,6% dieser F\u00e4lle wurden von Radfahrern selbst verursacht. Lediglich in 10 F\u00e4llen waren beide Beteiligte Radfahrer.<br \/>\n* Als Hauptunfallursache der Radfahrer gelten mit 31,7% Verst\u00f6\u00dfe gegen die Stra\u00dfen-\/Fahrbahnbenutzung sowie Verst\u00f6\u00dfe gegen das Rechtsfahrgebot. Hierunter f\u00e4llt auch die Benutzung des linken (\u201efalschen\u201c) Radweges.<\/cite> Mehr als 60% der Unf\u00e4lle werden <b>nicht<\/b> durch Fahrradfahrer verursacht. Wenn ich ihre Zahlen so wie so dort stehen richtig lese, dann sind von den 39,6% der durch Radfahrer verursachten Unf\u00e4lle, lediglich weniger als 1\/3 durch eine falsche Benutzung der Wege entstanden. Mithin lediglich knapp 12% aller Unf\u00e4lle mit Radfahrerbeiteiligung ist auf die falsche Benutzung von Wegen zur\u00fcck zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Es ist auch leider bezeichnend, wie sie in den Formulierungen f\u00fcr die Autofahrer Partei ergreifen. Das f\u00e4llt nicht nur mir auf, sondern ist bundesweit festzustellen. Bitte sehen sie das nicht als Affront, es ist wahrscheinlich &#8222;so eingefahren&#8220;, dass es gar nicht auff\u00e4llt. <em>Sie schreiben, dass die Kraftfahrzeugf\u00fchrer analog dem Rechtsfahrgebot sich meistens nach links orientieren und ein Blick nach rechts h\u00e4ufig unterbleibt. Der Kraftfahrzeugf\u00fchrer folge dabei dem Vertrauensgrundsatz, dass sich alle Fahrzeugf\u00fchrer und damit auch der Radfahrer an das Rechtsfahrgebot halten.<\/em><\/p>\n<p>Der Autofahrer folgt einem Vertrauensgrundsatz, an welchen sich der Radfahrer nicht h\u00e4lt. Merken sie denn gar nicht, wie wenig das mit ihrem direkt danach folgenden Absatz zusammen passt, in welchem Sie mir zustimmen, <em>dass insbesondere f\u00fcr ortsunkundige Kraftfahrzeugf\u00fchrer kaum oder nicht erkennbar ist, dass eine Freigabe des Radwegs in beiden Fahrtrichtungen vorliegt<\/em>.<\/p>\n<p>Es gibt keinen Vertrauensgrundsatz! Auch eigentlich Ortskundige k\u00f6nnen mir hier in Bad Oeynhausen in Gespr\u00e4chen nicht benennen, wo ein Radfahrer entgegen der Fahrtrichtung auf dem Radweg unterwegs sein darf oder sogar muss. Selbst Polizisten waren dazu teilweise ad hoc nicht in der Lage. &#8222;Es gibt keinen Vertrauensgrundsatz&#8220; ist die einzig m\u00f6gliche Schlu\u00dffolgerung aus dieser Tatsache.<\/p>\n<p>Und nachdem Sie mir nun mitgeteilt haben, dass die weitaus meisten Unf\u00e4lle gar nicht durch Fahrradfahrer verursacht werden und die Benutzung von Radwegen in die falsche Richtung (\u00fcbereinstimmend mit meiner Meinung) sehr gef\u00e4hrlich ist, aber nur einen sehr kleinen Teil aller Unfallursachen ausmacht (was mich \u00fcberraschte), weiterhin Autofahrer aber an Einm\u00fcndungen schlicht nicht auf den Verkehr achten, ist ihre Ma\u00dfnahme um die Sicherheit des Radverkehrs zu erh\u00f6hen <em>neben zielgerichteten Pr\u00e4ventionsveranstaltungen eine deutliche Zunahme an repressiven Ma\u00dfnahmen gegen\u00fcber Radfahrern<\/em>.<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr XXXXX, gestatten Sie mir, dass ich durch Ihre Antwort leider noch desillusionierter bin, was die polizeilichen Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Sicherheit von Radfahrern angeht. Repressionen gegen Radfahrer sind das Mittel der Wahl? Wann beginnen Sie, den anderen 60% der Unfallverursacher repressiv zu begegnen?<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Andreas Edler<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang Juni habe ich bei der Polizei angefragt, warum sie richtigerweise in Pressemitteilungen regelm\u00e4\u00dfig darauf hinweist, das Geisterfahren mit dem Fahrrad gef\u00e4hrlich ist, gleichzeitig aber nicht die derart benutzungspflichtigen Radwege anprangert. Am 19. 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