{"id":18393,"date":"2013-06-22T08:51:27","date_gmt":"2013-06-22T06:51:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreas-edler.de\/blog\/?p=18393"},"modified":"2013-06-23T23:10:03","modified_gmt":"2013-06-23T21:10:03","slug":"radfahren-oder-nicht-das-ist-die-frage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andreas-edler.de\/blog\/2013\/06\/radfahren-oder-nicht-das-ist-die-frage\/","title":{"rendered":"Radfahren oder nicht, das ist die Frage"},"content":{"rendered":"<p>Soll ich \u00fcberhaupt noch das Fahrrad benutzen? Wenn es nach dem Oberlandesgericht Schleswig geht, ist das durchaus zu erw\u00e4gen: <cite><b><a href=\"http:\/\/schleswig-holstein.de\/OLG\/DE\/Service\/Presse\/Pressemeldungen\/201309fahrradhelm.html\">Fahrradunfall ohne Helm \u2013 Mitverschulden an der Kopfverletzung? <\/a><\/b> Kollidiert ein Radfahrer im \u00f6ffentlichen Stra\u00dfenverkehr mit einem anderen \u2013 sich verkehrswidrig verhaltenden \u2013 Verkehrsteilnehmer (Kfz; Radfahrer usw.) und erleidet er infolge des unfallbedingten Sturzes Kopfverletzungen, die ein Fahrradhelm verhindert oder gemindert h\u00e4tte, muss er sich grunds\u00e4tzlich ein Mitverschulden wegen Nichttragens eines Fahrradhelms anrechnen lassen. Dies hat der 7. Zivilsenat des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts vergangene Woche entschieden und im konkreten Fall den Mitverschuldensanteil mit 20 % bemessen<\/cite> Es gibt in Deutschland keine Helmpflicht. Die weitaus meisten Verletzungen bei Unf\u00e4llen mit dem Rad betreffen nicht den Kopf, sondern die Gliedma\u00dfen. Und ob ein Helm bei solchen Unf\u00e4llen sch\u00fctzt, wage ich erstmal zu bezweifeln. Tats\u00e4chlich \u00e4ndert ein Helm auch nichts daran, dass die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Unf\u00e4lle nicht abgestellt werden: unaufmerksame oder sogar mutwillige Autofahrer.<\/p>\n<p>Letzteres ist wichtig. Denn die Argumentation des OLG Schleswig l\u00e4sst sich auf beliebige andere Situationen \u00fcbertragen. Man denke nur an kurze R\u00f6cke und Bel\u00e4stigungen (oder schlimmer). In so einer Situation soll mal einer &#8222;Selbst Schuld&#8220; sagen. Was ist mit Parkunf\u00e4llen? Wenn einem parkenden Auto der Au\u00dfenspiegel abgefahren wird &#8211; wie lange dauert es nach diesem Urteil noch, bis die Versicherung des Unfallverursachers nachfragt, ob der Spiegel abklappbar war? Wenn ja: warum war der Spiegel ausgeklappt? Da ist der Halter das Wagens wohl selbst Schuld, wenn das Teil abgefahren wird!<\/p>\n<p>Was das Oberlandesgericht hier &#8222;verzapft&#8220; hat ist ein ganz, ganz mieses Signal an Autofahrer. Habe ich bisher noch argumentiert, dass Autofahrer niemandem absichtlich an die Karre fahren, bin ich mir nun gar nicht mehr so sicher. &#8222;Dem zeig ich&#8217;s!&#8220; ist nicht mehr so weit. Vor ein paar Tagen wurde ich von einem Autofahrer verfolgt, der mir auf einem stra\u00dfenbegleitenden, benutzungspflichtigen Radweg die Vorfahrt nahm und mich beschimpfte, nachdem ich einen Schlenker vor ihm her macht. Er wollte mich wegen N\u00f6tigung anzeigen, weil er beim Einbiegevorgang <b>wegen mir<\/b> warten musste, obwohl auf der Fahrbahn keine Fahrzeuge unterwegs waren. Ich m\u00fcsste auf dem vorfahrtberechtigten Radweg warten, wenn er quer vor mir steht, weil er zuerst da war! Der Mann outete sich in der Diskussion als Fahrlehrer! Solche Gerichtsurteile sind Wasser auf die M\u00fchlen dieser Menschen.<\/p>\n<p>Sehr sch\u00f6ner Artikel dazu auch bei <a href=\"http:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/2013\/06\/20\/helm-ja-bitte-aber-nicht-immer\/\">Andrea Reindl im Zeit-Online Fahrradblog &#8222;Velophil&#8220;<\/a>. Es ist &#8211; anders als das OLG es sieht &#8211; nicht gef\u00e4hrlich mit dem Rad zu fahren. Im Auto ist die Gefahr einer Kopfverletzung viel gr\u00f6\u00dfer. Und als Fu\u00dfg\u00e4nger ist das Risiko bei einem Unfall mit einem Auto am Kopf verletzt zu werden ebenfalls gro\u00df. Niemand kommt aber auf den Gedanken zu verlangen, Fu\u00dfg\u00e4nger oder Autofahrer sollten einen Helm tragen. Bei Autorennen wird das selbstverst\u00e4ndlich gemacht. Wom\u00f6glich macht man hier einen Unterschied zwischen normalen Alltagssituationen und Rennbetrieb. Beim Fahrrad tut man aber so, als w\u00fcrde man sich im Rennbetrieb befinden, sobald man in den Sattel steigt. Warum? Es ist das Gleiche wie beim Auto &#8211; dort ist man sich der Tatsache bewusst, dass Kopfverletztungen auftreten, darum tragen in bestimmten Situationen Autofahrer trotz \u00dcberrollb\u00fcgel und umgebender Karrosserie einen Helm. Aber eben nicht beim Weg auf die Arbeit.<\/p>\n<p>Diese f\u00fcr mich nicht nachzuvollziehende Angst, es k\u00f6nnte einem der Himmel auf den Kopf fallen (denn dagegen sch\u00fctzt der Helm am offensichtlichsten) f\u00fchrt dazu, dass ich inzwischen Kleinkinder auf Bobbycars mit Helm rumfahren sehe. Auf BOBBYCARS!<\/p>\n<p>Fahrradfahrer und Kinder auf Bobbycars werden am effektivsten gesch\u00fctzt, wenn die Eltern vern\u00fcnftig und aufmerksam werden. Im Auto langsam fahren, auf den Verkehr achten, beim Abbiegen \u00fcber die Schulter gucken und in 30-Zonen verdammt noch mal 30 und nicht 40 oder gar schneller fahren. Man muss an den Ursachen etwas \u00e4ndern und nicht als Allheilmittel einen Schutz f\u00fcr eine seltene Extremsituation propagieren.<\/p>\n<p>Update: Habe noch einen <a href=\"http:\/\/ekkart.de\/rauhesitten\/?p=2914\">sch\u00f6nen Blogartikel zu dem Thema<\/a> gefunden! Auch sehr differenziert und gar nicht mal so sehr gegen den Helm. Eigentlich genau das, was ich in Diskussionen auch immer sage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soll ich \u00fcberhaupt noch das Fahrrad benutzen? Wenn es nach dem Oberlandesgericht Schleswig geht, ist das durchaus zu erw\u00e4gen: Fahrradunfall ohne Helm \u2013 Mitverschulden an der Kopfverletzung? 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