Ich habe tatsächlich zuerst nur eine neue Bremstrommel hinten montiert und versucht die Karre zu starten. Das klappte auch auf Anhieb. Elf Monate nicht bewegt und beim vierten Kick tuckerte der Motor los :-) Da war ich ob des guten Wetters natürlich heiß und wollte die Vespa sofort zum TÜV schleppen - dreckig wie sie war.
Nach ein paar Testfahrten auf unserer Zufahrtsstraße bemerkte ich, daß die Tachowelle ab war. Mist, die PK-Welle, die ich hier noch rumliegen hatte, war zu kurz und Ersatz bestellen dauert auch 3 Tage. Also entschied ich mich die PX doch komplett zu zerlegen und erst zum Lackierer zu bringen. Gott-sei-dank wie ich im nachhinein sagen kann!
Den Motor habe ich nicht zerlegt. Er lief ja zufriedenstellend und ich möchte nicht damit anfangen, gleich einen großen Zylinder - den ich von meinem Führerschein her sowieso nicht fahren darf - zu montieren. Was aber wirklich dringend notwendig war, war eine gründliche Reinigung der Dreckschleuder. Was der TÜV wohl gesagt hätte, wenn ich mit dem Geschoß aufgekreuzt wäre?
In der Schlamm- und Ölkruste konnte man auch gut erkennen, daß das Hinterrad ziemlich lose gewesen sein mußte. Deutliche Schleifspuren zeichneten sich an Schwinge und Kupplungsdeckel ab. Letzterer war übrigens auch nicht richtig fest angezogen, so daß ein kleiner Spalt offen war. Ich wurde immer zufriedener mit meiner Entscheidung, nicht sofort zum TÜV zu fahren.
Mit Kärchers Hilfe und etlichen Litern hochverdichtetem Wasser gelang es mir die unter dem Dreck befindliche Metallschicht sichtbar zu machen. Das erste Lächeln bei dieser Aktion, auch wenn es mittlerweile schon recht spät und nicht mehr wirklich warm war. Die Karosserie wurde ebenfalls noch wassergestrahlt und vom gröbsten Unrat befreit. Damit ging der erste Tag für mich zu Ende.
Ein paar Tage lang kratzte ich danach noch an der Karosse rum, versuchte den Lack mit Schleifpapier halbwegs matt zu bekommen und dem Rost den Garaus zu machen. Zwar war das Blech nirgends durch, aber der Vorbesitzer war trotzdem nicht sehr pfleglich mit seinem fahrbaren Untersatz umgegangen. Ich merkte aber recht fix, daß diese Arbeiten nichts für mich sind. Der örtliche Lackierer hatte also schnell einen Auftrag mehr und nach einer Woche war ich mit seiner Arbeit sehr zufrieden!
Leider war mein Urlaub zu Ende und die weiteren Basteleien erfolgten je nach Zeit. Meistens abends nach dem Büro oder Samstags. Da ich blöderweise nach der Arbeit noch zur Schule gehe, blieben nicht viele Stunden zum Schrauben übrig. Trotzdem konnte man immer mehr und mehr Fortschritte sehen. Meine bessere Hälfte war zwar nicht dazu zu bewegen, mich mal zur "Werkstatt" zu begleiten, aber der Fotoapparat war ein dankbarer Bewunderer ;-)
Besondere Schwierigkeiten taten sich beim Zusammenbauen nicht auf. Fehlende oder erneuerungsbedürftige Teile hatte ich im Vorfeld bestellt. Kleinigkeiten wie die Trittleisten waren während der Lackierzeit wieder blank gemacht worden und so kam es wie es kommen mußte. Eines schönen Samstags war plötzlich der Motor wieder unter der Karosserie und ich bediente mich der üblichen Werkzeuge, um die Bowdenzüge wieder einzuhängen.
Nachdem das erledigt war, wurde die Elektrik wieder angeschlossen, die Reifen aufgezogen und montiert. Runter mit der Vespa von den Holzböcken, Ständer drunter und - hey, die steht ja von alleine. Natürlich juckt es zu so einem Zeitpunkt in den Fingern und die PX schnupperte das erste Mal in ihrem zweiten Frühling frische Luft. Doch irgendwie klappte das Anspringen nicht so wie beim ersten Mal. Nach mindesten 40 Minuten immer vehementeren Kickens kam ich darauf, daß eine originale PX ohne Luftfilter nicht startet.
Zwar noch ohne vernünftigen Leerlauf, aber durchaus willig drehten die 125ccm die Kurbelwelle. Schön <seufz> Sonntagabend gerettet. Für Montag hatte ich mir Urlaub genommen, um den TÜV und das Straßenverkehrsamt zu besuchen. Da nervte es natürlich ungemein, daß die Blinker nicht so wollten wie ich. Es stellte sich aber als ein simples Masseproblem wegen der neuen Lackierung heraus.
Der kaputte Gleichrichter für die Hupe war recht einfach mit der Batterie aus meiner elestart zu "faken" und tatsächlich hat der TÜV-Mensch nicht einen einzigen Kritikpunkt gehabt. Die weißen Blinker sind mittlerweile Standard und alles andere war blitzsauber. Tja, das war's! Meine erste PX ist fertig und läuft sehr gut. Naja ... mittlerweile kommt sie mir doch nicht mehr so fix vor ;-) Ich glaube, ich muß mich mal wieder auf die V50 setzen ...