Jeden Tag musste Tim erzählen, wie oft er noch wach wird bis zu seinem Geburtstag. Und heute morgen war es dann endlich soweit! Abends hatten wir schon das Vorzelt geschmückt mit Luftballons, einer "Herzlichen Glückwunsch"-Girlande und einem Kerzenzug. Da war die Freude nach dem Aufwachen groß! Und die Geschenke sind auch gut angekommen. Nachdem der Vormittag mit Spielen mit dem Freund von nebenan verbracht wurde, wollten wir bei nun endlich blauem Himmel nach Bad Doberan - natürlich mit der Molli!

Wir hatten uns die Loks und den Bahnhof schon am zweiten Tag angeguckt und seit wir einmal mit der Mindener-Museumsbahn gefahren sind, ist Tim ganz versessen auf Züge. Genau richtig für den Geburtstag also. Wir hatten den Waggon für die Kinderwagen für uns allein. Naja, zumindest zwei Stationen lang. Dann stieg eine Gruppe Urlauber Horde Prolls dazu, die es mühelos schafften, das angenehme Rattern des Zuges durch Geschwätz zu übertönen. Ganz, ganz nervig. Das ein Kerl aus der Gruppe auch noch die Waggontüren schloß, damit bloß keine frische Luft reinkonnte, machte ihn nicht symphatischer. Aber was erwartet man von Leuten, die bei 26°C (die wir endlich mal hatten) noch Wildlederjäckchen zum langärmligen Hemd tragen.

Manche Leute können einem wirklich den Spaß an schönen Dingen nehmen. "Rücksicht" ist für viele offenbar ein Fremdwort. Vorbei ging es in dem sich aufheizenden Zug an Heiligendamm und der Rennbahn, um schließlich in Bad Doberan anzukommen. Die Schreihälse stiegen in der Innenstadt aus und wir nutzten die Gelegenheit um noch ein paar hundert Meter alleine weiter zu fahren und erst am Bahnhof in Bad Doberan auszusteigen. Dort bewunderte Tim erst noch die anderen Züge, bevor wir zu Fuß zurück in die schöne Innenstadt gingen.
Es war erstaunlich wenig los und wir schlenderten durch die Straßen, wo wir alsbald ein kleines Eiscafé entdeckten. Sah von außen sehr unscheinbar aus, hatte aber nach hinten raus eine sehr schöne Terrasse. Das wussten offensichtlich auch andere, wir bekamen aber trotzdem noch einen schönen Sonnenplatz. Tim aß mit Begeisterung sein Überraschungs-Spaghettieis und wir den Erdbeer- bzw. Schwarzmädel-Becher. Wer wohl was hatte? Nach dem Essen wollten wir ursprünglich wieder zurück fahren, besannen uns aber noch um. Wenn man schon mal in Bad Doberan ist, muß man sich natürlich auch das Münster ansehen!

Die alte Backsteinkirche ist wirklich schön. So wenig ich auch mit Religionen und "Kirche" im speziellen am Hut habe, so sehr beeindrucken mich die Bauten. Jetzt nicht unbedingt die schmucklosen Häuser der Evangelen, aber die im Schweiße der einfachen Leute für die Kirchenoberhäupter gebauten Paläste sind schon toll. Tragisch wahrscheinlich, wer unter dem Bau alles leiden musste oder wer sich da was vom Munde abgespart hat.
Die 2 Euro Eintritt haben sich jedenfalls gelohnt. Eine Führung haben wir nicht mitgemacht, weil die nächste (und letzte des Tages) die angeboten wurde, die Glocken und den Turm betraf. Warum sollte ich Geld *dafür* bezahlen, wenn ich mir nach 3 Stufen bestimmt schon in die Hosen gemacht hätte ;-)

Und dann war auch schon wieder "nach Hause" gehen angesagt. Natürlich wieder per Molli, aber nicht vom Bahnhof, sondern wir wollten diesmal mitten in der Stadt einsteigen. Die Schmalspurbahn verkehrt in Bad Doberan in der Art einer Straßenbahn einfach mitten durch den Ort und hat dort auch 3 Haltestellen. Wir mussten nur 10 Minuten warten, denn sowohl der Zug als auch wir waren pünktlich :-) 45 Minuten danach, hatten wir eine entspannte Fahrt ohne andere nervende Mitreisende hinter uns und marschierten Richtung Campingplatz durch Kühlungsborn, wo wir den Abend mit ein paar Leckereien vom Grill ausklingen ließen ...
