Morgens aufgewacht und einen grauen, wolkenverhangenen Himmel erblickt. Der Wetterbericht war zwar verhalten positiv und behauptete, es bliebe bis Mittags trocken, aber die Realität machte einen ganz anderen Eindruck. Nach dem Frühstück waren wir daher ziemlich unentschlossen, was wir nun tun. Tim nutzte die Zeit um ein wenig Fußball zu spielen.

Es wurde allerdings noch ein bißchen wärmer und die Wolken verzogen sich immer mehr. Räder fertig gemacht, Hänger angehängt und los geht's ... ab nach Heiligendamm. Hin und zuück sind das knapp 20 Kilometer. Selbst wenn es anfangen sollte zu regnen, sind 10 Kilometer schnell abgerissen. Die Strecke verläuft auf dem Ostseeküstenradweg ... und ist nicht zu finden. Was glauben die, wozu damals die "Beschilderung" erfunden wurde. Radtechnisch ist man hier eh merkwürdig unterwegs. In 30-Zonen gibt es auf beiden Seiten der Straße Gehwege, die in beiden Richtungen für den Radverkehr freigegeben sind und deutlich unter 2 Meter breit sind. Auf der Fahrbahn möchte man wegen der groben Pflastersteine allerdings auch nicht unterwegs sein. Die unbedachten Autofahrer erwähnte ich schon. Nein, radfahren kann man hier nicht entspannt.
Nachdem wir dann den Weg gefunden hatten - er war an einem Gatter als "Wanderweg" ohne Ortsangaben ausgewiesen - entpuppte sich dieser als recht schmaler Sandpfad. Zudem auch noch sehr stark bevölkert. Da mit dem Hänger durchzukommen gestaltete sich leicht nervig. Bei einer Dame, hinter der ich sicher 5 Minten hergurkte, war ich kurz davor zu fragen ob ich ihr Rad reparieren sollte. Es musste defekt sein, denn über 7 Km/h kam sie nicht hinaus. Ein Wunder, dass sie bei dem Tempo nicht umgekippt ist. Übrigens, der Rasenstreifen links im Bild ist ein Reitweg ... keine Ahnung ob da so viele Pferde unterwegs sind, dass man den wertvollen Platz so verschwenden muß ...

Ansonsten ist die Gegend wirklich schick. Weg im Wald, an der Küste, mit schönem Blick. Gefiel uns gut. Naja, die Bodenbeschaffenheit hat Tim im Hänger sehr vergrätzt, der wurde arg durchgeschüttelt und hat sich desöfteren bitterlich beschwert. Soll er halt radfahren lernen - da weigert er sich noch ein wenig, ist im Hänger üblicherweise ja auch bequemer ;-)

Kurz nachdem wir eine Pause gemacht hatten, weil der Filius sich die Beine vertreten wollte, öffnete sich der Waldweg und wir standen direkt am Eingang nach Heiligendamm. So muß es also aussehen, wo sich 8 Staatsoberhäupter zum Schwätzen und Geldverbrennen treffen. An den Hotels standen in dunkle Anzüge gekleidete Herren, die aufpassten, dass die Zufahrten zu den Eingangshallen nur von den richtigen Leuten passiert wurden ... auf keinen Fall gehörten wir auf unseren Rädern dazu!
Ich habe denn auch lieber die Häuser fotografiert die mir zuerst vor die Linse gekommen sind. Offensichtlich ist man da mit der Renovierung noch nicht ganz durch.

Auch entlang der Promenade hat das Ostseeklima tiefe Spuren an den Fassaden einer Reihe von Villen hinterlassen. Das Kempinksi ist weiß, weißer geht's nicht, aber die Häuser daneben hätten einen Anstrich dringend nötig gehabt. Gerade deshalb habe ich die wohl auch viel lieber abgelichtet. Die hatten einen sehr eigenen Charme. Eigenlich schade, dass die wahrscheinlich irgendwann auch aussehen wie gebleichte Zähne.

Einmal quer durch den Ort, am Molli-Bahnhof vorbei erreichten wir die Promenade. Da diese nicht komplett überfüllt war, ignorierten wir die auf Schildern fixierte Bitte, die Räder auf dem Radparkplatz abzustellen und schoben Richtung Seebrücke. Ganz nett. Leider fing es gerade als wir am Ende der Seebrücke waren, wie angekündigt an zu regnen. Zuerst nur vereinzelte Tropfen, wurde es schnell heftiger. Als wir von der Promenade wieder runter waren und Richtung Zeltplatz rollten, hatte es sich richtig eingeregnet. Tim fand es nicht lustig, dass ich bei dem Wetter keine Lust auf gemütliches Bummeln hatte und ziemlich fix gefahren bin.

Eine lockere halbe Stunde später waren wir wieder am Wohnwagen und hingen die Sachen zum Trocknen im Vorzelt auf. Vergebene Liebesmüh wie sich rausstellen sollte. Etwas später musste ich sogar noch einen kleinen Graben vor dem Zelt her ziehen, da das Wasser sich seinen Weg unter den Spritzlappen entlang bahnte. Nur gut, dass der Teppich im Zelt auf einer dicken Plastikfolie liegt - blieben die Füße wenigstens trocken. Und gemütlich ist es bei Regen im Wohnwagen, das prasselt so schön!
