
So ein Wohnwagen ist schon ganz praktisch. Man hat sein Dach immer dabei, kann die Klamotten für den Urlaub vor der Abreise schon in die richtigen Schränke packen und muß sich nicht über pekige Betten oder unappetitliche Kochnischen im Apartment ärgern. Gut, bei den sanitären Anlagen kann man auch mit dem Wohnwagen Pech haben, aber zur Not gibt's da auch was im Hänger.
Nachteile gibt es wenige - dafür aber Gewichtige. So ein Wohnwagen ist relativ teuer und steht die meiste Zeit des Jahres ungenutzt rum. Außerdem ist es schon etwas enger, als ein Apartment. Und man braucht eine Anhängerkupplung am Auto. Wir waren nach dem Hauskauf und dem Einzug des Nachwuchs jetzt ca. 5 Jahre nicht richtig im Urlaub, wird also Zeit. Praktischerweise haben meine Eltern seit ich 4 Jahre alt bin schon immer einen Caravan. Und bis ich 14 Jahre alt war bin ich auch immer mit gefahren. Campingplätze sind mir also nicht ganz fremd. Wenn die Eltern dann auch noch direkt nach uns in Urlaub fahren wollen, bietet es sich förmlich an, den Stellplatz zu teilen.
Was dazu allerdings fehlte war die Anhängerkupplung am Volvo V40. Die wurde kurzentschlossen nachgerüstet und seit 2 Wochen ziert eine feste Bosal-Kupplung das Heck der Renn-Familienkutsche. Da der Lack ebenfalls frisch ist, bedeutet das wohl, dass ich die Karre noch min. 2 Jahre fahren muß ;-) aber das nur am Rande.

Dieses Jahr also Camping. Das erste Mal selbst den Hänger ziehen und aufbauen. Stellte ich mir nicht besonders schwierig vor, war aber trotzdem etwas unruhig, wie wir den 6,97 Meter langen Wohnwagen an die Ostseeküste bringen sollten. Denn das war der Wunsch von Frau und Sohn. Ich bin ja mehr so für Berge und kann Sandstrand überhaupt nicht leiden, aber 2 zu 1 ... was will man da machen? Die "Ich fahre!" Karte lasse ich wohl lieber im Stapel ;-)
Am 19.08. sollte es morgens ganz früh los gehen. Alles war am Vortag gepackt, der Motor hatte eine neue Aufhängung bekommen, das Öl war gewechselt, die Bremsen fast neu, an mehr kann man eigentlich nicht denken. Hänger von Hand auf den Wendehammer geschoben, den Volvo davor gespannt. Im Haus noch mal nach dem Rechten gesehen und ... danach geht der doofe Wagen einfach nicht mehr an. ÖddelÖddelÖddel, ums Verrecken startet der Motor nicht. Natürlich haben wir vor ca. einem Monat unser Überbrückungskabel entsorgt, da die Plastikklemmen im Laufe der Zeit zerbröselt waren. Blöd. Kurz telefoniert, halbe Stunde gewartet und mit Starthilfe sprang der Volvo dann auch an. Los geht's!

Die ersten 50 Kilometer ist man noch ein bißchen unsicher und zaghaft. Das legt sich aber mit jedem Meter. Und wenn die Tachonadel 90 anzeigt, vermeldet das GPS 80 Km/h - was einem dann tatsächlich ganz schön gemächlich vorkommt. Ich habe mich teilweise ein bißchen erschrocken, wenn ich ein paar Kilometer einfach im Verkehr mitgeschwommen bin und dann feststellte, dass die Tachonadel doch schon über 100 anzeigte. Der Volvo zieht den großen Wagen problemlos ohne Schwanken oder Wanken. Natürlich merkt man die fast 1 1/2 Tonnen, die hinten am Heck zerren, aber deutlich weniger als ich befürchtet hatte.
Kurz vor Hamburg wurde die Frau dann etwas unruhig, weil die von Google-Maps errechnete Route in der Gegenstandslosigkeit zu versinken drohte, als plötzlich Umleitungschilder auftauchten und im Radio ununterbrochen von Sperrungen wegen der heute stattfindenen Cyclassics geredet wurde. Aber das kurzerhand angeworfene Navi behauptete wir wären immer noch auf Kurs ... nur die Ruhe. Lübeck flog an uns vorbei und zack waren wir in Mecklenburg-Vorpommern. Was ich vor allen Dingen daran merkte, dass der Asphalt plötzlich furchtbar laut wurde und - wahrscheinlich genau deshalb - kaum ein Fahrzeug auf demselben unterwegs war. Umso besser, kommen wir gut voran. Irgendwann geht's dann runter von der Autobahn und der Weg führt über wunderschöne (wenn man mit dem Roller unterwegs wäre) Alleen entlang. Diese zeichnen sich durch Wellen in Längsrichtung aus und dadurch, dass "70" im Osten offensichtlich bedeutet "Fahr so schnell, dass der Wagen auf der Piste soeben noch haftet und Du den Bereich direkt vor Dir noch erkennen kannst.". Kerl, was haben die Jungs da überholt.

Um 10 nach 9 sind wir zu Hause aufgebrochen. Ziemlich genau 6 Stunden später standen wir in Kühlungsborn vor den Toren des Campingplatzes. Den Stellplatz hatten wir vorher schon reserviert, so dass wir uns an der Rezeption nur noch anmelden mussten. Das lief dort sehr gut organisiert ab. Man wartet an einem Schild auf dem Platz, wird dort von einem Mitarbeiter abgeholt der zur gebuchten Parzelle führt. Dort wird sogar noch geholfen, den Wagen auf den Platz zu schieben - das nenne ich mal Service. Nicht dass man auf einem Campingplatz lange warten muß, bis jemand zum Helfen kommt, aber wenn das Platzpersonal das sogar anbietet ... nicht schlecht. Da wir einen "Comfortplatz" gebucht hatten, sind Wasseranschluß, Strom, Abwasser und Kabelfernsehen direkt an einer Säule neben dem Wagen abzugreifen. Auf den 120 m² ist auch für den PKW noch reichlich Platz.
Und auch der Aufbau des Vorzelts ging trotz des ersten Males sehr gut über die Bühne. 2 Stunden und wir hatten alles wohnfertig. In der Zeit wurde der Sohn allerdings auch schon ziemlich quängelig. Der wollte *endlich* an den Strand! Schließlich sind wir genau deshalb hierher gekommen. Von dem Platz aus, an dem ich diesen Text tippe, kann ich die Brandung sehen. Sind keine 200 Meter von hier bis zum Wasser, 50 Meter bis zum topmodernen Waschhaus mit Duschen im Kokospalmen-Design und Terrakotta-Säulen. Ich denke, wir werden es hier ganz gut aushalten.
