Da wir am Vortag relativ spät am Stimmersee angekommen sind, haben wir darauf verzichtet, noch nach Kufstein runter zu fahren. Wir beschlossen, uns am nächsten Morgen nicht sofort auf die Socken zu machen, sondern erst eine kleine Runde durch den Ort zu machen. Zwar mit Gepäck, aber auch mit Ruhe. Der Wetterbericht verhieß ab dem frühen Nachmittag zwar nichts Gutes, aber wir pfiffen auf Vorhersagen wollten in die Innenstadt und die Festung Kufstein sehen. Nach dem Frühstück, packten wir also erneut die Drahtesel und machten uns auf den 5-minütigen Weg ins Dorf. So besonders, dass ich mich zu "Perle vom Inn" hinreißen lassen würde, ist es nicht. Eine hübsche Gasse und eben die Festung. Wahrscheinlich sind wir an zig anderen solchen Orten schon gedankenlos vorbei gefahren.
Also auf die Piste! Wir hielten uns rechts des Inn und passierten auf Höhe von Kiefersfelden (links des Inn) und Ebbs (rechtsseitig) die Grenze von Österreich nach Deutschland. Passierten ist nicht ganz richtig, man fährt fast genau darauf entlang. Den Abstecher über Niederndorf machten wir nicht, obwohl die Sicht vom 640 Meter hohen Höhenberg sicher schön gewesen wäre. Aber leider hielt sich das Wetter an die Vorhersage und es begann am Himmel ganz schön bedrohlich auszusehen. Außerdem frischte der Wind gehörig auf und blies - völlig ungewohnt bis jetzt - direkt von vorne. In Aue hielten wir daher erstmal an einer Tankstelle an, um ein wenig Luft zu holen. Vele Radler waren schon nicht mehr unterwegs auf dem Inntalradweg.
Nachdem wir uns wieder auf den Weg gemacht hatten, dauerte es keine Viertelstunde, bis ich anhielt und über das kurze T-Shirt mein langärmeliges Radhemd zog. Die Schirmmütze kam auch das erste Mal zum Einsatz. Es wurde kalt und der Wind machte es auf der Stirn unangenehm kühl. Trotzdem ging es zügig weiter. Und ich bin nicht allzu abfällig, wenn ich sage, dass der Radweg hier wirklich nicht besonders sehenswert ist. Man fährt auf dem Inndamm entlang. Links der Fluß, rechts hohe Büsche (deren Vorteil an diesem Tag der Windschutz war). Kilometer umd Kilometer fuhren wir immer schnurgeradeaus. Windshausen, irgendwann ein Schild rechts nach Nußdorf.
Da war doch was? Genau, hier begann eine Alternativroute und nichts konnte noch langweiliger sein, als dieser Inndamm. Also denn Inn gequert Richtung Deggerndorf. Direkt hinter der Brücke fährt man rechts und gelangt dann über Gmain nach Reischenhart. Hier ist es wieder hübsch zu fahren zwischen kleinen Gehöften, Wäldern und ab und an über Bäche. Auch wenn man den Inn nicht sieht. Irgendwo an einem kleinen Bach unter ein paar Bäumen haben wir wieder halt gemacht, die morgens geschmierten Brötchen verzehrt und uns den immer bedrohlicher werdenden Himmel angesehen. Mit zu Hause wurde auch alle Nase lang telefoniert - ich freue mich schon auf die Rechnung, auch wenn das hier ein innerdeutsches Gespräch war.
Länger als eine halbe Stunde haben wir sicher nicht gehalten, trotzdem waren die Beine schon ziemlich kalt geworden. Aber es nützt ja nix, weiter geht's. Als nächster Stopp war Rosenheim auserkoren, die größte Stadt nach Innsbruck auf unserer Tour bis jetzt. Der Weg führte ab jetzt auch wieder direkt am Inn entlang und ich kann mir nicht helfen, da ist es nicht doll interessant. Direkt am Ortseingang nach Rosenheim, als wir gerade an einer Kreuzung auf die Karte schauten, sprach uns ein älterer Herr an und gab bereitwillig und ohne groß aufgefordert worden zu sein Auskunft über den Weg in die Innenstadt und die Sehenswürdigkeiten der nächsten 20 Kilometer auf unserem Weg. Es waren übrigens alle Menschen, denen wir unterwegs begegneten sehr nett und hilfsbereit und grüßten von sich aus oder fragte, wo wir hin wollten. Allerdings meist die älteren Semester und keine Mitzwanzigerinnen ... nichts gegen die netten alten Damen, aber ... ;-) In Rosenheim gönnten wir uns dann in der Altstadt einen heißen Kaffee!
Aus Rosenheim hinaus gelangten wir eher zufällig auf die Alternativroute des Inntalradweg. Man kann entweder linksseitig bleiben und fährt wieder stinklangweilig auf dem Damm am Fluß entlang, oder man wechselt auf die rechte Innseite und fährt nicht unten im Flußtal, sondern auf einem kleinen Hügelkamm. Eigentlich gelangt man dorthin erst nach ca. 7 Kilometern, aber glücklicherweise war der Damm gesperrt, so dass wir schon früher auf den Hügel mussten und dort wesentlich entspannter und mit besserer Sicht (und Laune!) fuhren. Lass den Himmel doch schwarz werden! Die kleinen Orte, die teilweise nur aus 3 Höfen bestehen heißen, Graben, Haidbichl, Hofstätt, Zaisering (ja, das ist größer, da stehen 5 Häuser ;-) oder Gassner. Hier trift dann auch der offizielle Radweg wieder auf die Umleitung. Der Hügelkamm ist gute 50 Meter höher als der Fluß und so kann man bis zum Inntal in den Alpen zurück blicken. Wenn man es an dem Tag denn gesehen hätte - waren zimelich tief hängende Wolken davor.
Auf den an diesem Pfingstmontag wie ausgestorben wirkenden Straßen durch die kleinen Dörfer rollten wir mit ordentlich Rückenwind fast wie von selbst. Da sah heute morgen noch anders aus. Nur die Steigungen gingen ganz schön in die Beine. Es geht teilweise wie auf der Achterbahn zu. Rauf und runter und wieder rauf. Meist nur ganz kurze Antritte, aber gepfeffert steil, mit Gepäck wirkt das dann noch gemeiner. Und ich glaube, dass da doch einige Leute absteigen werden. Was das angeht sollte man der bikeline-Karte vertrauen, die auf diesem (S)Teilstück reichlich kleine schwarze Pfeile für besondere Steigungen eingezeichnet hat. Und während wir gerade frohen Mutes so eine steile Passage hinabsausen, sehe ich auf eben der Karte, dass ein Spaßvogel das Schild gedreht haben musste. Richtig waren wir unten jedenfalls nicht mehr. Glück im Unglück war der kleine Weg in der Karte verzeichnet. Nur mussten wir die schicke Abfahrt an anderer Stelle leider wieder hinauf. So umfuhren wir recht weiträumig den schönen Ort Vogtareuth.
Es folgten Sunkenroth, Untermühle, wo man die oder den Murn überquert und dann führt der wirklich schön gelegene Weg durch Geiereck und Berg nach Griesstätt. Leider sind die Griesstätter mit dem Bau einer Umgehungsstraße oder einem Anschlußstück zu dieser beschäftigt, infolgedessen sie auch den Inntalradweg leicht modifiziert haben. Nicht ohne zu vergessen, die Schilder nicht mit zu korrigieren. Daher sind wir im Ort erstmal umhergeirrt und waren schon fast in Kettenham, bis wir uns irgendwie auf die richtige Richtung geeinigt hatten, durch eine schmale Gasse fuhren, einen kleine Busch umkreisten, um eine Ecke Bogen und - mitten auf der frisch asphaltierten und für den Verkehr noch nicht freigegebenen Umgehungsstraße standen. Das war schön. Dass es genau in diesem Augenblick anfing zu regnen, war nicht schön.
Allerdings war das kein richtiger Regen - noch nicht - sondern nur so ein blöder Fiesel. Die Ausbaustrecke war nur ein paar hundert Meter lang und ging dann nahtlos in die Landstraße nach Wasserburg über. Direkt bei Au unterquert man die Landstraße und fährt ein ziemlich steiles Stück den Hügel hinauf um danach wieder über die Dörfer zu gondeln. Das geht über Laiming, Kerschdorf, Spielberg, Höhfelden und schwupps ist man schon in Wasserburg. Das "schwupps" ist leicht geschönt, weil der Fiesel sich einregnete und wir so langsam durchnässten. Einige früher, ich später ;-) Mein langärmeliges Trikot hatte ich vor einiger Zeit bereits gegen die dickere Radjacke getauscht und die hielt bis zum Ziel dicht. Viel länger allerdings auch nicht, an den Nähten wurde es schon feucht.
In Wasserburg haben wir dank Navi ziemlich schnell die Paulanerstuben gefunden. Die Wirtin war super nett und wir konnten zuerst einmal auf's Zimmer gehen, bevor wir die Formalitäten erledigten. Man sah uns wohl die Kilometer an, die wir heute schon gefahren waren. Die Fahrräder wurden in einem geräumigen, gefliesten Keller neben etlichen anderen Rädern geparkt und dann ging's die Treppen hoch zu unserem Zimmer. Prima! Blick auf den Inn und keine Hauptstraße vor dem Fenster. Und ein Fernseher, den man sogar mit Fernbedienung umschalten konnte. Zwei Sachen, die bei den beiden vorhergehenden Herbergen nicht möglich waren. Zum einen gab's da nur ganz miesen Empfang, zum anderen keine Fernbedienung. Nachdem wir unsere Sachen aufgehängt und uns selbst ein wenig auf Vordermann gebracht haben, sind wir noch in die Stadt gegangen, auf der Suche nach einem Restaurant. Wir haben dann eine nette Pizzeria gefunden, in der sich vorzüglich speisen ließ.
War eine schöne Tour, auch wenn die Wolken zum Schluß nicht mehr dicht gehalten haben. Auf jeden Fall war es richtig bis jetzt jede der Alternativrouten mitgenommen zu haben! Hoffentlich ist das Wetter am nächsten Morgen nicht so, wie der Wetteronkel es behauptet ...