Nach einem zufriedenstellenden Frühstück im Gasthaus Innbrücke wurden die letzten Dinge im Zimmer in den Packtaschen verstaut und dann ging's runter in die Katakomben um die Räder startklar zu machen. Draußen sah zwar nicht regnerisch aus, aber die Sonne brannte um 9 Uhr auch noch nicht vom Himmel. Ich hatte mich für lange Ärmel entschieden, die beiden anderen Jungs fuhren kurz. Wir hielten uns zunächst links des Inn, mussten in Innsbruck selbst aber noch zweimal den Fluß kreuzen, ehe wir in Höhe des Olympischen Dorfes endlich die Stadtgrenze erreichten. Ab da verläuft der Radweg zunächst direkt am Inn, der nicht gerade so grün aussah, wie er besungen wird.
Wir erreichten Hall, machten aber nicht den von der bikeline-Karte empfohlenen Abstecher zm Münzerturm. Im Ort wechselt man die Flußseite und erkennt den ersten Haken, den das ansonsten tolle Flußtal mit sich bringt: es ist ein Flußtal! Das bedeutet, dass sich hier Orte, Eisen- und Autobahn einen docht recht begrenzten Raum teilen müssen. Meist ist Tal breit genug, aber speziell hier ist der Radweg genau zwischen Autobahn und Fluß "gequetscht". Nicht ganz toll, aber auch nicht zu ändern. Inzwischen hatte sich das Wetter auch deutlich verbessert und mir wurde mit meinen langen Ärmeln langsam warm. Bei Volders unterfährt man die Autobahn, passiert Wattens (wo die "Kristallwelten" sehenswert sein sollen) und fährt an Kolsass vorbei. Direkt dahinter wird wieder mal die Innseite gewechselt und ich entledigte mich meiner langen Ärmel, um fortan im T-Shirt weiter zu radeln.
Der Weg führt dann weiter direkt am Inn (und direkt an der Bahnlinie) entlang an Pill vorbei und danach durchquert man den nächsten größeren Ort, Schwaz. Wegen Sehenswürdigkeiten haben wir uns bis zu diesem Zeitpunkt nicht aufgehalten. Das Panorama der Berge ist auch so beeindruckend genug! Es gibt immer reichlich zu sehen und am allerbesten war der Blick über die Schulter zurück Richtung Innsbruck durch das Inntal. Super! Die hohen Berge, die Sonne, leichter Dunst, die Tour hat richtig Spaß gemacht. Die erste Etappe bis Kufstein ist mit geplanten 80 Kilometern eine bequeme Strecke. Gerade auch weil der Inntalradweg in diesem Streckenabschnitt wirklich potteben ist. Und weil man zumeist auf asphaltierten Straßen (ohne viel Verkehr) fährt. Teilweise ist auch der Radweg komplett für Autos gesperrt und mit Asphalt versehen. Splitt oder gar Schotter bekamen wir hier noch sehr selten unter die Räder. Dafür ist die Beschilderung mäßig ... aber wohin soll man sich in so einem schmalen Tal schon verfahren?
3 Kilometer hinter Schwaz sollte man unbedingt die Alternativroute durch Stans Richtung "Schloß Tratzberg" nehmen. Am Inn hat man sich inzwischen erstmal satt gesehen und direkt am Berg gibt es auch mehr zu gucken. Wir waren ganz verwegen und sind nicht die Autostraße gefahren, sondern durch den Ort Stans hoch in den Wald. Laut Karte sind das knapp 80 Höhenmeter auf ca. 700 Meter Strecke. Gefühlt waren es ca. 300 Höhenmeter. Mit dem ganzen Gepäck den Berg rauf. Teufel, wir haben geschwitzt! Im Wald gabelt sich dann der Weg, einmal asphaltiert über Durach nach Schloß Tratzberg, oder aber direkt über einen Wanderstieg. Der ist stellenweise dann nicht mehr fahrbar und man muß das Rad schieben (sowohl wegen der vielen Wurzeln, als auch wegen der Steigung und auch in Kombination ;-). Zeitlich tut es sich nichts - Geschmacksache, gefährlich ist der holprige Weg jedenfalls nicht.
Von Schloß Tratzberg selbst bekommt man nur dann was zu sehen, wenn man Eintritt bezahlt. Ansonsten bleibt einem nur der Blick durch eine Glastür in den Innenraum. Auch hat man vom Schloß nicht den erhofften Weitblick über das Tal. Wahrscheinlich auch nur dann, wenn man zahlt und auf die andere Seite des Bauwerks darf. Aber das macht nichts, hatten wir ja schon bei der Auffahrt! Trotzdem ist dieser Abstecher sehr empfehlenswert. Die Fahrt macht Spaß, es sind nur ein paar Kilometer Umweg und der Rest der Tagesetape ist sehr einfach. Also dran denken: in Stans links ab!
Nachdem wir die nette Schußfahrt vom Schloß ins Tal hinter uns hatten, geht es direkt nacht Jenbach hinein. Und hier beginnt ein weiterer Abstecher, den man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte: der Achensee. Dieser auf nicht ganz 1.000 Meter gelegene Bergsee liegt 400 Meter oberhalb von Jenbach eingebettet in den Bergen und wird entweder über die B181, eine alte, steile Landstraße oder - das Mittel der Wahl! - die Achenseebahn erreicht. Die Bahn ist eine urige alte Dampflokomotive mit zwei Anhängern, die in einer guten 3/4 Stunde die 7 Kilometer bergauf bis zum See bewältigt. Die Fahrradmitnahme nach oben ist möglich, wenn die Bahn nicht so voll ist. Es sind sogar extra Stellplätze dafür in den beiden Waggons vorgesehen. Wir hatten Glück und saßen kurz darauf nebst unseren Rädern im offenen Aussichtswagen.

Im Bahnhof Eben begegnen sich die auf- und die absteigende Bahn und die Lokomotive wechselt von hinten (sie schiebt die beiden Waggons den Berg hoch) nach vorne, weil ab hier bis zur Endstation am See die "Hochebene" beginnt. Der Blick auf den See ist wunderschön und nicht nur die mitfahrenden Amerikaner rissen die Kameras hoch. Das Wasser des Sees hat im Sommer maximal 20°C und jetzt so knapp 15 ... wir haben kurz überlegt rein zu gehen, uns aber für eine Viertelrunde am Ufer entlang entschieden. Ganz herum wäre wahrscheinlich ein wenig übertrieben gewesen - zumindest wenn man abends in Kufstein sein möchte. Sehr, sehr schön da oben. Auf jeden Fall die 22 Euro einfache Fahrt plus 5 Euro für's Rad ausgeben! (Warum ich wohl bis hier gewartet habe, bis ich den Preis für das Ticket genannt habe? Ja sicher, das ist pro Person!)
Da wir Sparfüchse sind, haben wir uns die 6 Euro für den Rückweg gespart (und dafür 5 Euro für die Räder ausgegeben - 1 Euro Gewinn!) und sind mit den Rädern die Serpentinen runter. Vom See nach Eben geht's über die normale Autostraße. Hier kann man sich aussuchen, ob man "länger, mehr Autos, weniger Steigung" oder "aaaaabwääääärts!" haben möchte. Wir wählten letzteres und sausten die gesplittete alte Landstraße Richtung Jenbach runter. Auf halber Strecke muß man einmal aufpassen, dass man den Abzweig nach Wiesing findet, da man sonst knapp 3 Kilometer unnötig fährt. Hat einen Heidenspaß gemacht. Nur leider sind bei uns allen dreien die Bremsschuhe ordentlich weggerubbelt :-) Das Gepäck, die sportlichen Fahrer, die Steigung, da blieb nicht mehr viel Material auf den Belägen. Für den Rest der Reise hat es aber noch gereicht!
In Wiesing überquert man nach diesem Abstecher erneut den Inn. Das geht an dieser Stelle allerdings nur, wenn man die Bundesstraße benutzt. Ist aber kein Problem, ebensowenig wie die folgenden 2,5 Kilometer Richtung Brixlegg, die man ebenfalls auf der Bundesstraße fährt. Sobald diese die "Ziller" überquert (genau, die vom Zillertal!), kann man wieder auf den Inntalradweg auffahren. Dieser führt dann bis Brixlegg vorbei an einigen schönen Schlössern und Ruinen. In Brixlegg haben wir uns dann erneut für die Alternativroute entschieden. Das Wetter war einfach zu gut, als dass man sich etwas entgehen lassen konnte. Statt direkt über das (angeblich) schönste Städtchen der Tour - Rattenberg - geradewegs nach Kundl zu radeln, sind wir in Brixlegg über den Inn gefahren, um über Kramsach nach Breitenbach zu fahren.
Auf der Strecke liegt ein sehenswert angelegtes Erholungsgebiet mit den Badeseen Krummsee und Reintalersse. Gleich zu Beginn der Exkursion hätten wir einen Museumsfriedhof (was immer das ist) besichtigen können, aber ich habe die Hinweisschilder schlicht übersehen. Dem ebenfalls am Weg gelegenen "Tiroler Bauernhof Museum" haben wir auch keinen Besuch abgehalten, da es außerdem konditionstechnisch zu leichten Schwierigkeiten gekommen war. So schön die Tour auch ist, mit den ganzen Abstechern geht sie auch etwas in die Beine und es sind einige schon sehr steile Passagen drin gewesen. Also wurde in Kundl, in welchem man wieder auf die Hauptstrecke geführt wird, erstmal Rast gemacht. Wer dort eine Tankstelle sucht, um seine Getränkevorräte aufzufüllen: man muß bis zur B171 fahren, da sind dann aber gleich zwei Stück! Und wenn man schon an der Tanke ist, von dort ist es nur ein Katzensprung bis zur "Ruine Kundlburg" mit der dahinter liegenden "Kundler Klamm". Wir haben's leider nicht gesehen ... es wurde langsam auch immer später und bis Kufstein ist's noch etwas.
Weiter geht's! Hinter Kundl verläuft der Inntalradweg wieder näher an der Bahn, denn am Fluß. Zudem stimmt die bikeline-Karte in Details nicht mit der aktuell geänderten Streckenführung überein. Das hat uns nicht nur hier ein paar Mal in Sackgassen geführt. Dazu kommt noch, dass die Beschilderung manchmal fehlt. Aber wie ich oben weiter schon schrieb, wir sind ja in einem Tal :-/ Irgendwann waren wir dann in Wörgl, wo wieder einmal eine Brücke benutzt wird. Ab hier kann man sich sinnvollerweise gleich links des Inn halten. Beide Seiten sind möglich, aber wir wollten nicht direkt nach Kufstein, sondern an den Stimmersee - und der ist auf der anderen Seite des Inn. Durch Angath, führt der Weg in weiten Schleifen vorbei an Oberlangkampfen und Niederbreitenbach Richtung Kufstein.
Und dann sagt das Navi plötzlich, dass es keine 10 Kilometer mehr sind. Wir werden immer zügiger und nehmen mit letztem Elan den steilen Hügel bis zum Hotel Stimmersee. Hier hatten wir ein Dreibettzimmer reserviert ...mit Blick auf den See und allem Drum und Dran. Dachten wir. "Fahrräder? Klar, könnt ihr vor die Gaststätte stellen. Zimmer für Drei? Hatten wir telefoniert? Ich schaue mal. Kriegen wir schon hin." Wenn mich eins ankotzt, dann ist das so eine "Passt schon" Mentalität. Wir wollen unsere Räder nicht draußen abstellen, warum frage ich da am Telefon wohl extra nach. Und wir nagen auch nicht am Hungertuch, da zahlen wir gern 1 Euro mehr für ein ordentliches Zimmer.
Es war die zweitteuerste Unterkunft der Reise und das Zimmer hatte nicht mal eine Dusche! Nur eine Wanne ohne Duschabtrennung und weder Fenster noch Abzug im Bad/Toilette. Als Lars und ich versuchten das Dachfenster zu öffnen, sprangen mich Spinnen und anderes totes Ungeziefer an, bei dem Versuch das Sonnenrollo aufzumachen. Und mit Blick auf den See war auch nichts. "Essen wollen Sie? - Eine Stunde hat die Küche schon noch auf, besser sie kommen gleich!" wurde uns gesagt, als wir um 19.45 Uhr total verschwitzt und in unseren Radlerklamotten nach dem Restaurant fragten. Ja Himmel, duschen und umziehen wollen wir schon noch! Überflüssig zu erwähnen, dass das dritte Bett natürlich nicht vorbereitet war. Um mich hier beim Schreiben nicht weiter zu ärgern: das Essen am Abend war hervorragend! Die Bedienung super nett und wir haben sehr lange draußen im Biergarten gesessen und danach noch drinnen in der Schankstube. Nur die Zimmer kann ich nicht empfehlen. Wobei die auch bessere haben, aber "Die sind schon teurer und für eine Nacht geben wir die nicht her." ... Ahja ...
Geschlafen habe ich trotzdem gut :-)