andreas edler - mein Senf

Inntalradweg vom 25.05.2007 - 30.05.2007
von Innsbruck nach Passau Braunau


Freitag | Samstag | Sonntag | Montag | Dienstag | Mittwoch


Passau bis Innsbruck

Auf geht's! Mit ein paar Ringen unter den Augen aber gut gelaunt wegen der bevorstehenden Reise wurden die Räder bepackt. Die Pension Gambrinus liegt nicht direkt in Passau, sondern in der Peripherie und wir mussten ca. 15 Minuten mit dem Rad zum Bahnhof fahren. Zeitlich waren wir flexibel, da ca. alle 45 Minuten ein Zug Richtung Innsbruck fuhr. Zwar alles verschiedene Routen, aber von der Reisedauer tat sich da nicht viel.

Richtig warm sah es nicht aus und ich entschied mich für ein sehr kurzärmeliges T-Shirt mit einer Radjacke drüber. Nach knapp 2 Kilomtern hatte ich die Jacke schon offen. Der bewölkte Himmel täuschte über die tatsächlichen Temperaturen hinweg. Vor allen Dingen wenn man dann das erste Mal mit dem Gepäck strampelt. In der Stadt sind wir dann nur ein oder zweimal nicht ganz richtig abgebogen und erreichten den Bahnhof genau passend. In 10 Minuten sollte es los gehen. Also flugs das Radabteil gesucht - ist immer hinten oder vorne am Zug, in jedem Fall aber dort, wo man gerade nicht steht. Fragen bringt nichts, weil man genau diese Auskunft in der Regel auch vom Bahnpersonal bekommt.


... optimiert für Rad- und Rollstuhlfahrer sowie Kinderwagen!

Im Zug selbst dann das Übliche. Viel zu viele Radler - besonders jetzt über Pfingsten - müssen sich mit den von der Bahn in gnadenvoller Güte bereitgestellten Abstellplätzen für Räder, Kinderwagen und Rollstühle arrangieren. Das ist einfach nicht die Zielgruppe, wurde mir beim Ticketkauf jedenfalls erklärt. Die Bahn ist ein Personenbeförderungsunternehmen und keine Spedition. Naja, wer meint so seine Brötchen verdienen zu können, wird mich nur in solchen Ausnahmesituationen wie heute als Kunden gewinnen.

Es war eng, eng und nochmals eng. Zudem kann man von den Abteilen meistens sehr schlecht zu den Rädern gucken, wenn überhaupt. Das bedeutet, dass man sein Gepäck sicherheitshalber abhängt und mit zu den Sitzplätzen schleppt. Ich habe jedenfalls keine Lust nach einer halben Stunde nur noch die Hälfte meiner Habseligkeiten zu besitzen. Alternativ kann man natürlich auch stehend neben seinem Rad verharren.

Alles nicht besonders bequem. Radreisen mit der Bahn ist keine Entspannung. Dummerweise mussten wir auf den paar hundert Kilometern bis Innsbruck auch noch zweimal umsteigen. Also zweimal Gepäck runter und wieder rauf ... in München mit dem Rad durch einen vollen Bahnhof schieben um den 7 Minuten später abfahrenden Anschlußzug zu bekommen. In Rosenheim ist der Bahnhof kleiner, dafür hatten wir auch nur 5 Minuten zum Umsteigen.

Und neben diesem ganzen Umstand mit zu niedriegen Bahnsteigen bzw. zu hohen Einstiegen, zu schmalen Türen, zu kleinen Abteilen und mißmutigen Bediensteten kommt erschwerend hinzu, dass es ja auch noch andere Reisende gibt. Und abseits der ersten Klasse sitzt man mit den Leuten auch noch in einem großen Abteil. Das ist bei der jungen Studentin mit Buch in der Hand und Ohrenstöpseln im Ohr auch gar kein Problem. Die hat man beim Beobachten im Zweifel ja sogar noch ein wenig Kurzweil. Es gibt aber auch diejenigen, die sich lautstark mit Ihrem Gegenüber unterhalten und in allen Einzelheiten darlegen, wie "die Brittjet" ihren Mann betrogen hat oder was für Gebrechen Onkel Hubert hat. Manche Dinge will ich einfach gar nicht wissen ... und schon gar nicht will ich in diese geschrieenen Unterhaltungen einbezogen werden.

Blick aus unserem Zimmer im Hotel 'Innbrücke' über den Inn, die Stadt und auf die Berge.

Endlich erreichten wie Innsbruck! Bei warmen 25°C, nur leicht bewölktem Himmel und gut gelaunt. Raus aus dem Zug und der Beschilderung auf dem Bahnhof nach draußen gefolgt und gefolgt und gefolgt und gefolgt und nachdem wir dann mehrere Treppen ohne Schienen für Fahrräder gemeistert hatten, standen wir auch schon draußen auf dem Vorplatz, der idealerwiese natürlich keine Beschilderung aufwies, wie er denn nun heißt und in welche Richtung es nach wo geht. Klasse. Also den Geko 301 angeworfen, in welchem ich unsere Tagesetappenziele als Wegpunkte abgelegt hatte. Und ich war selbst überrascht, wie fix wir damit zum Ziel fanden. Es wird zwar nur die Himmelsrichtung angezeigt, aber das reicht eigentlich fast immer. "Bieg' hier rechts und dort links ab ..." sind meistens ziemlich überflüssige Anweisungen. Der Blick aus unserem Hotelzimmer entschädigte dann schon mal für's Erste für die Bahnfahrt.

Fahrradkeller im Gasthof Innbrücke

Das Zimmer im Gasthof Innbrücke war ordentlich. Groß genug, sauber, zentral und ein schöner Blick über den Fluß. Leider hatte man uns verschwiegen (wir hatten aber auch nicht gefragt), dass die im Gasthof im Keller residierende Disco direkt unter unserem Zimmer ist und die Kreuzung vor dem Haus zu einer der am stärksten frequentierten in Innsbruck zählt. Beides in Kombination bedeutete, dass das Zimmer nicht ruhig war. Gar nicht! Vor 3 Uhr kam ich nicht in den Schlaf :-( Remmidemmi vor der Disco, Lärm auf der Straße. Ätzend! Das Frühstück am nächsten morgen war allerdings wieder in Ordnung. Die Unterkunft hinterläßt einen etwas gespaltenen Eindruck. Service und Zimmer sind gut, die Umgebung hat aber tierisch genervt! Sehr amüsiert habe ich mich über den Fahrradkeller. Über ein Tor vor dem Haus fährt man durch einen langen Gang, durch den Vorratskeller, durch den Waschkeller des Hotels bis man in einem Gewölbe angelangt, welches aufgrund der Hanglage des Baus wahrscheinlich 6 Meter unter der Erde liegt. Von dort geht es durch die Küche(!) des Hotels zur Rezeption und den Zimmer. Eigenwillig ...

Blick über Innsbruck von der Skisprungschanze aus

Innsbruck selbst entpuppte sich als sehr schöne Stadt, während wir einen kurzen Bummel unternahmen. Hier geguckt und dort gehört suchten wir eigentlich zuerst nur was zu essen. Der Magen hing auf Halbmast, da es auf den Umsteigebahnhöfen zu keinerlei Nahrungsaufnahme gekommen war - und die Proviantkekse aus der Lenkertasche haben nicht mal die Fahrt im Bulli überlebt. Recht fix war ein bekanntes amerikanisches Restaurant ausfindig gemacht, wo wir uns ausgiebig satt aßen.

Danach haben Lars und ich noch eine Stadtrundfahrt gemacht. Michael hatte auf derlei kulturelle Kurzweil keine Lust und wollte sich lieber im Hotel noch ein bißchen ausruhen. Pünktlich als wir hinter der sehr jungen und attraktiven Reiseführerin im Bus Platz nahmen, öffnete der sich inzwischen bedrohlich dunkel gefärbte Himmel seine Pforten und ein Sturzbach ergoß sich von oben. Wieder alles richtig gemacht! Im warmen und trockenen Bus haben wir im Schnelldurchlauf die vermeintlich wichtigsten Sehenswürdigkeiten abgegrast und eifrig Fotos geschossen. Es sind an die 400 Bilder auf der Tour entstanden - einige davon sind in einer Picasabildergalerie zu bewundern. Unmöglich, die alle hier einzubinden.

Der Inn und Innsbruck ...

Kurz vor Ende der Tour, als wir gerade die olympische Sprungschanze besichtigten, hörte der Regen genauso plötzlich auf, wie er gekommen war und die Sonne schien wieder. Sind dann langsam zum Hotel geschlendert und haben uns auf das Abendessen vorbereitet. Später saßen wir dann in einem Restaurant dessen Namen ich verdrängt habe unter einem Schirm und ich hatte von der Tageskarte die Empfehlung des Hauses "Bratwurst mit Pommes und Sauerkraut". Es war wohl so ziemlich die lappigste Wurst, die ich je nicht ganz zu Ende gegessen habe. Das Sauerkraut war nahezu püriert und der Senf verdiente den Namen nicht. Dafür waren die Pommes OK, die Cola-Light auch. Da ich aufgrund des Wetters und der Reise an sich üble Migräne bekommen hatte, zog ich mich mit einer Triptan ins Zimmer zurück, habe schon ein wenig gepackt und dann gedöst. An schlafen war bei dem bereits erwähnten Lärm (und der fürchterlich weichen Matratze) nicht zu denken. Die beiden anderen Jungs kamen so gegen halb 2 zurück ... da wurde es unten dann auch langsam etwas ruhiger.

Morgen dann der erste Tag richtig im Sattel!

Einkaufen?!

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